Leserbeitrag
Luxusdampfer stach theatralisch in See

Sanfter Wellengang beim Erlinsbacher Theateranlass der besonderen Art im Restaurant Hirschen.

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Im Landhotel Hirschen feierte im Beisein von Landammann Esther Gassler und der ehemaligen Nationalrätin Ruth Grossenbacher das neue Stück der Theatergruppe Tocca Premiere. Menschen mit einer geistigen Behinderung sorgten mit lebendigem und spontanen Schauspiel für die passende Traumschiff-Episode zum erlesenen Käptn's Dinner.

Auf einem Kreuzfahrtschiff sei es zwar gefährlich, aber niemals so sehr wie in einem Bankbetrieb, begrüsste Markus Schläfli als Kapitän 70 Kreuzfahrtgäste. Die Speisekarte verwies auf die Stationen, welche am vergangenen Mittwochabend zumindest kulinarisch angesteuert werden sollten: New York und Hamburg. Auf dem Weg dorthin bändelt der süffisant charmante, aber über beide Ohren verschuldete Kunsthändler Kadinski (Ernst Wyss) mit der unnahbaren Granddame Lara Maria (Maria Gutweniger) an. Geblendet von ihrem Ring sucht er sich an ihr zu bereichern. Beide mittellos entdecken ihren Reichtum schliesslich in ihren Gefühlen füreinander. Eine süsse Prise Loveboat liegt in der Luft. Und wie es sich für eine richtige Kreuzfahrt gehört, sorgen noch weitere Verwicklungen und Missverständnisse für Aufsehen. Auf Lara Marias Ring hat es noch ein blinder Passagier abgesehen, der blinder daherkommt, als er es eigentlich ist.

Sie sei stolz, habe sie das Patronat für diesen Anlass übernehmen dürfen, erklärte Landammann Gassler in einer Ansprache zu Beginn des Anlasses. „Das ist gelebte Integration", würdigte sie das Projekt, eine Diplomarbeit des diesjährigen Lehrgangs Kulturmanagement am Stapferhaus Lenzburg.

Etwas Neues zu versuchen, sei für sie der Anreiz gewesen, mitzumachen, erklärte die Regisseurin der Theatergruppe Tocca, Esther Dietrich, am Rande der Veranstaltung. „Man ist näher bei den Leuten als im Theater." Das habe sie am Projekt gereizt, präzisierte die in Olten tätige Heilpädagogin, die bereits seit 16 Jahren mit Behinderten Theaterproduktionen auf die Beine stellt.

Beim aktuellen Stück „Luxusdampfer auf Sonderfahrt" arbeiten nun Menschen mit und ohne Behinderung Hand in Hand. Entstanden ist lebendiges Theater, „das berührt, weil es nicht perfekt ist", so Dietrich. Schön sei, dass dank des Theaters die Leute vermehrt jene Menschen beachten, die im Alltag so häufig kaum Beachtung erfahren.

Tatsächlich hat Dietrich mit viel Fingerspitzengefühl den Darstellern zu passenden Rollen verholfen. So beispielsweise Raphael Bolliger als zerstreutem Professor, der auf der Pirsch nach dem Hirsch letztlich seine Forschungsarbeiten bei einem Kirsch überdenkt. Nicht minder liebenswert stolpern Christian Lengacher und Hubert Weber als betrunkene Leichtmatrosen übers Schiffsdeck. Besonders gelungen spielt Pia Liechti als blinder Passagier. Bissig frotzelt sie in süffisantem Berndeutsch und packt mit ihrer starren Mimik. Grosse Lacher erntete ferner Thomas Lüscher in der Rolle des Starkochs Paul Bocuse, der den Gästen immer wieder klar machte, dass er der beste Koch der Welt sei.

Für die kreuzfahrtgerechte Dekoration sorgte die Stiftung Arkadis aus Olten. Kreativ gestaltete Schiffsmotive in leuchtenden Farben, Meernixen, Möwen und Fische wurden von Jugendlichen und Erwachsenen mit zum Teil schwersten Behinderungen in liebevoller Arbeit eigens für diesen Anlass gefertigt.

Alles in allem zeigte sich das Publikum begeistert, ersteigerte vom Kunsthändler Kadinski ein Bild und spendete Standing Ovations. Auch Hirschenwirt Albi von Felten zeigte sich erfreut. „Das war eine grossartige Idee, besser als ich gedacht habe", scherzte der Gastronom. Am Freitag geht der Luxusdampfer ein zweites Mal auf Sonderfahrt. Freie Plätze auf dem Schiff gibt es allerdings keine mehr. Die Veranstaltung ist ausverkauft.

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