Leserbeitrag
Kunst aus der Schweiz in Washington

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Im Jahr 1911 war Kunst keineswegs aufreizend. Der Schweizer Künstler Ferdinand Hodler hat zu dieser Zeit jedoch das Tabu gebrochen und sein Gemälde "Femme en Extase" veröffentlicht. Es wurde zugleich zu einem Skandal und einem Erfolg. Aktuell ist es ein Herzstück einer Ausstellung der renommierten National Portrait Gallery in Washington. In dieser Galerie finden sich sonst nur hoch angesehene Gemälde von Präsidenten und berühmter lokaler Künstler.

Eine prominente Kunsthalle

Die National Portrait Gallery ist weithin anerkannt. Sie ist nicht nur eine der ehrwürdigsten Kunsthallen in den USA, sondern bildet auch einen Teil der Smithsonian Institution. Neben den Gemälden von Persönlichkeiten hängen seit dem Ende des Jahres 2017 nun fremde Gemälde zum Thema Tanz und Extase. Die Gallerie betrachtet das durchaus fremde Gemälde des Schweizers als einen Ausdruck von ursprünglicher Bewegung und Losgelöstheit.

Fremde Kunst in den USA

In dieser Gallerie und allgemein in den USA ist man noch nicht so sehr mit europäischer Kunst vertraut. Aus diesem Grund möchte man den Kunstfreunden vor Ort noch viel mehr Künstler anderer Kontinente vorstellen. Studenten sollen sich auch mit Kunst aus der Schweiz beschäftigen. Die sinnliche Figur in kräftigen Farben gestaltet einen Ausdruck von Entrückung. Die Malweise zwischen Abstraktion und Realismus ist recht klassisch für den Künstler und sein Markenzeichen.

Der Maler drückt in seinem Gemälde klar die Leichtfüßigkeit der Künstlerin aus, die mit offenen Haaren beschwingt zu tanzen scheint. In der Zeit des Malers war diese Offenheit undenkbar. Frauen hatten sich an strenge Regeln zu halten und durften sich nur in einem eng eingefassten sozialen Rahmen bewegen. Auch in den prüden USA sicherlich ein spannendes Thema.

Das Todesjahr des Künstlers

Die Tänzerin Giulia Leonardi schien ihm nahezu schwebend in ihrer Emotion. Sie hebt beinahe ab und bewegt sich scheinbar hemmungslos. Sogar ihr Körper zeichnet sich unter dem Stoff ab. Zu sehen sind die muskulösen Beine der Frau. Im Vergleich zu der klassichen Kunst ein aufregender Kontrast. Auch in dieser Galerie im Internet finden sich Tänzerinnen auf Leinwandbildern. Ihr Tanz scheint jedoch keineswegs verboten zu sein.

Auch die Tänzerinnen auf den angebotenen Gemälden bewegen sich unbeschwert und schwebend, doch ganz ohne einen Tabubruch. Die Kunstszene feiert nun aber Ferdinand Hodlers 100. Todestag. "Femme en Extase" ist eines seiner Meisterwerke. Das Genfer Musée d'Art et d'Histoire hat das Werk als Leihgabe in die USA geschickt.

Die Ausstellungsreihe in den USA

Die Ausstellung "Portraits of the World" zeigt eine Ausstellungsreihe mit internationalen Kunstwerken. Sie soll ein Jahr lang für die Besucher zu sehen sein. Die Porträtmalerei steht hier auf einmal im globalen Kontext. Diese Reihe von Bildern beschäftigt sich mit der bewegten Bedeutung des Körpers. Ein Ausdruck von Emotionen im kulturellen Rahmen steht im Zentrum des Interesses.

Der modernistische Ansatz fand in der Eurythmie des 20. Jahrhunderts einen Beginn. Glücklicherweise kann die übrige Ausstellung noch bis zum November 2018 bestaunt werden. Teil der Ausstellung sind sogar amerikanische Werke, die in der europäischen Eurythmie inspiriert worden sind.

So vermarktet sich Hodler

Im Jahr 2018 starb der Künstler in Genf. Er war karrierebewusst und verfügte über ein großes Netzwerk. Der im Jahr 1853 geborene Hodler war ein Meister der Selbstvermarktung. An Geld mangelte es ihm aus diesem Grund scheinbar wohl überhaupt nicht. Seine Arbeiten konnte er sogar nach Österreich und Deutschland verkaufen. Sein eigenes Land betrachtete er hingegen kritisch. Vielleicht fand er aus diesem Antrieb heraus seine Motive in Deutschland. Sein Konzept ging so weit auf, dass der Künstler heute global große Bedeutung erlangt hat.

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