Leserbeitrag
Einfach bescheiden bis zum aussergewöhnlichen Luxus

Sabine Siebenhaar
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Der aussergewöhnlichen, zum Nachdenken anregender, Einladung zur diesjährigen Chorreise des Münsterchors Bad Zurzach, konnte fast niemand wiederstehen.

Am Samstag, den 8. Juli 2017, ging die Reise des Münsterchors pünktlich um 7.15 Uhr in Bad Zurzach los. Der Car war fast bis auf den letzten Platz besetzt und es war sehr erfreulich, dass viele Gastsänger/Innen an Bord waren.

Daniel Meier, welcher auch die diesjährige Reise organisierte, lies die Teilnehmer im Dunkeln tappen und verriet nur punktuell die Richtung und die bevorstehenden Events.

Der erste Halt mit Kaffee- und Gipfelistärkung fand in Pfungen statt, in einem einfachen Café mit einem lauschigen Gartensitzplatz. Draussen im Schatten mit noch angenehmen Temperaturen kamen die Teilnehmer bereits in gute Stimmung und die Freude wie auch das Lachen untereinander war die Melodie der Zusammengehörigkeit.

Gestärkt ging es weiter und es wurde immer hügliger bis wir im Zielkanton Appenzell ankamen. In Teufen, AR, wurde die eine Aussage im Einladungsschreiben gelüftet: ...in der Luft liegt ein zauberhafter Duft, der Blick schweift in die Ferne und bietet uns ein imposantes Panorama...

Wir tauchten in das Reich und das Lebenswerk von Dr. Alfred Vogel ein. Durch eine interessante Führung durften wir den Naturkundeheil-Pionier in seinen Anliegen, seiner Arbeit und seinem Wirken näher kennen lernen. In dem angelegten Natur-, Kräuter- und Heilgarten liessen wir uns von den verschiedenen Düften und Augenweiden verwöhnen und verzaubern. Durch diese Inspiration stellte anschliessend jeder ein eigenes individuelles Kräuteröl her. Der Fantasie und der Freiheit sich im Garten bedienen zu dürfen, waren keine Grenzen gesetzt und so entstanden die verschiedensten Öle.

Die erhöhte Lage dieses wunderschönen Heilkräutergartens erlaubte uns bei klarer Sicht und Sonnenschein einen direkten Blick zum Säntis.

Mehr als verdient durften wir uns, hungrig und durstig, im stillvollen 14 Gault-Millau Restaurant Anker in Teufen niederlassen. Dem Gaumenschmaus, mit den regionalen und saisonalen Produkten und der hauseigenen Metzgerei, liess keine Wünsche mehr offen.

Gestärkt ging es weiter zur Kunsthalle „Ziegelhütte“. Die Geschichte der Ziegelhütte zeigt, dass der erste Kalkbrennofen der Ziegelei Appenzell um ca. 1559 entstand. Da das Lehmgraben und Kalksteinsammeln ein Monopol der Obrigkeit war, durfte nur die Öffentlichkeit einen Kalkbrennofen betreiben, somit gehörte der Ofen dem Staat. Ein Grossbrand im Jahr 1560 legte das ganze Dorf Appenzell in Schutt und Asche. Sechs Jahre danach wurde die Ziegelhütte mit dem noch bis heute bestehenden Brennofen neu erstellt. In den folgenden Jahren ging die Ziegelhütte immer wieder in andere Hände. 1881 übernahm sie Heinrich Buschauer, welcher dann bis zur Stilllegung 1957, über drei Generationen in der Familie blieb. Danach stand das Gebäude über viele Jahre leer bis es von den Erben zur Weiterverwendung als Kulturzentrum verkauft wurde. 1999 wurde das Gebäude von Heinrich Gebert für die „Stiftung Museum Carl Liner Vater und Sohn“ erworben. Heute wird die Kunsthalle Ziegelhütte multifunktional benützt.

Nach diesen wertvollen Informationen blieb genügend Zeit, um sich den speziellen und einzigartigen Ausstellungsobjekten der Kunst zu widmen.

Der krönende Abschluss vollzogen wir an einem historischen Platz, welcher auch heute noch zum Nachdenken anregt – der Landsgemeindeplatz Appenzell. Auf diesem Platz versammeln sich jeweils am letzten Sonntag im April die Stimmberechtigen zur Landsgemeinde und seit 1991 dürfen auch die Frauen ihrer Stimme kundtun!

An einem solchen historischer Ort braucht es einen genussvollen Biss in ein Stück Biber mit einem herrlich duftenden Kaffee. Das Hotel Säntis lud uns herzlich dazu ein und wir genossen diesen Augenblick, bevor es auf die Heimreise nach Bad Zurzach weiterging.

Gefüllt von interessanten Informationen, wohlriechenden Düften, wunderbaren Weitblicken, erblickter Kunst und voller Bäuche, legte sich eine zufriedene Ruhe über den Münsterchor. Petrus öffnete die Schleusen und es regnete in Strömen, so mancher dankte wohl in diesem Augenblick dem Himmel für den wunderschönen und sonnigen Tag, welcher hinter uns lag.

Abschliessend dankte die Präsidentin, Sabine Siebenhaar, im Namen des Chors dem Organisator, Daniel Meier, für diesen ausgesprochenen lehrreichen und gelungenen Tag. Dieser Dank wurde mit einem langen anhaltenden Applaus des Chores bestätigt.

Nach einer Sommerpause gehen die Proben am Dienstag, den 15. August 2017, im Forum von Bad Zurzach weiter. Gastsänger/Innen sind jederzeit herzlich willkommen.

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