Leserbeitrag
Amerikanisches Musical im KUK

Chöre, Solistenensemble und ein Ad-hoc-Orchester der beiden Kantonschulen in Aarau führten vor einem begeisterten Publikum im KUK Aarau in zwei ausverkauften Vorstellungen das Musical 'Showboat' auf.

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Wenn am Ende über 100 Sängerinnen und Sänger das Schlusslied anstimmen und langsam an die Rampe treten, bleibt dem Publikum fast die Luft weg. Lang war der Weg bis hierher. Am Ende sind Rassismus und Grössenwahn überwunden. Es finden sich Menschen, die alle Illusionen verloren haben. Dafür haben sie ihre Menschlichkeit wiedergefunden und ebendieses Lied, das sie nun zusammen singen: Old Man River. Der Eindruck der Menschenmasse vor dem opulenten Bühnenbild (Monica Santana) aus angeschwemmtem Mississippi-Abfall ist atemberaubend. Und so bricht kurz nach dem Schlusslied Jubel über die Spielenden herein.

"Die Chorszenen waren wirklich phantastisch", schwärmt eine Zuschauerin. Dieser Eindruck ist der Tatsache zu verdanken, dass die Chöre der Alten und der Neuen Kantonsschule Aarau verschmolzen wurden. Unter Leitung von Michael Schraner und in der Regie von Beat Knaus wuchsen die jungen Sängerinnen und Sänger über sich hinaus, und zwar musikalisch ebenso wie theatralisch. Doch auch die Hauptrollen wurden hochkarätig besetzt mit professionellen Sängern und Sängerinnen. Zusätzlich wurde, hauptsächlich aus Ehemaligen beider Kantonsschulen, ein Showboat-Orchester zusammengestellt. Und um die komplizierte Handlung korrekt wiederzugeben, hielt ein originelles Erzählerpaar mit seiner eigenen Geschichte die Ereignisse in Gang.

Das Musical spielt in den 1920er-Jahren auf einem Vergnügungsdampfer, der den Mississippi befährt. Die angekündigte Show kann auf dem Showboat allerdings nie wirklich stattfinden: Die wichtigste Artistin Julie La Verne wird als Mischling entlarvt und darf als solche mit ihrem Partner nicht mehr auftreten. Die Hoffnung, durch die Hochzeit der Kapitänstochter mit dem Gambler Gaylord Ravenal Ersatz für das Schauspielerpaar zu finden, platzt: Dieser entpuppt sich als Mörder und Hochstapler und verliert schliesslich sein ganzes Vermögen.

So dreht sich die Handlung darum, sowohl sich selbst als auch andere zu täuschen. Dieses Prinzip des ‚Make believe' wurde nicht nur ausführlich besungen, sondern fand auch in den originellen Kostümen (Senta Amacker) der Solistinnen und Solisten Ausdruck. Keine Verkleidung war vollständig, es war jeweils nur die Vorderseite vorhanden, während die Schauspieler darunter schlichte schwarze oder weisse Kleidung trugen.

Das Musical, welches 1927 in New York uraufgeführt wurde, basiert auf einem Roman der jüdischen Schriftstellerin Edna Ferber. Die Musik wurde von Oscar Hammerstein und Jerome Kern komponiert. Das Stück ist nicht nur das erste Musical überhaupt, sondern auch das erste Stück, in dem schwarze Schauspieler mehr oder minder gleichberechtigte Auftritte wie weisse hatten.

Gerade durch die Konzentration auf das Wesentliche gewann die Aufführung an Attraktivität, wovon ein ausverkaufter Saal und ein begeistertes Publikum zeugten. „Nur schade," so äusserte sich ein Chor-Mitglied stellvertretend für alle anderen, "dass wir nicht noch mehr Aufführungen machen können ..."

Cynthia Bregenzer

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