«Wir wollen die Leute unterhalten»: der Weinfelder Schauspieler Thomas Götz probt für die Silvesterpremiere im Kleinformat

Eigentlich wollte die «Bühni Wyfelde» im Januar das Stück «Funny Money» aufführen. Doch Corona hat den Schauspielern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also proben sie in kleiner Besetzung und führen das Stück «The Show Must Go On» nur drei Mal auf.

Sabrina Bächi
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Yves Vaucher, Peter Wenk, Jean Grädel und Thomas Götz proben im Theaterhaus.

Yves Vaucher, Peter Wenk, Jean Grädel und Thomas Götz proben im Theaterhaus.

Bild: Andrea Stalder (Weinfelden, 7. Dezember, 2020)

Seit über 30 Jahren wissen die geübten Theatergänger, was sie an Silvester tun: Sie schauen sich die Premiere der «Bühni Wyfelde» im Theaterhaus Thurgau an. Doch eben, dieses Jahr ist ja alles etwas anders. Doch davon will sich Kabarettist und Schauspieler Thomas Götz nicht beirren lassen. «Wir machen keine Januarproduktion, aber eine Silvesterpremiere», sagt Götz. Doch auch hier: Nicht das geplante Stück, nicht die geplante Crew und auch ohne Bühnenbild oder Requisiten.

Marta Wechsler, Präsidentin der «Bühni Wyfelde»

Marta Wechsler, Präsidentin der «Bühni Wyfelde»

Bild: Mario Testa

«Wir wollen das Risiko für Ansteckungen auch unter den Schauspielern möglichst klein halten», sagt Marta Wechsler, Präsidentin der «Bühni Wyfelde». Deshalb stehen nur drei Schauspieler auf der Bühne, Jean Grädel führt Regie. «Auch beim Stück weichen wir aus auf eines, das mit viel Improvisation und selbst geschriebenem Text daherkommt, dann müssen wir keine Tantiemen bezahlen», sagt Wechsler. Normalerweise habe die Januarproduktion ein Budget von über 60'000 Franken.

Drei Aufführungen, dafür ein Januarloch

Nun wollen sie das eine Stück dreimal vor 50 Personen aufführen und hoffen, dass es finanziell aufgeht. «Vielleicht stellen wir auch noch ein Kässeli auf, mal schauen», sagt Wechsler. Ihr und Götz ist anzumerken, wie sehr sie an Silvester das Stück aufführen wollen. Und wie unsicher doch die Lage ist.

Schauspieler und Kabarettist Thomas Götz.

Schauspieler und Kabarettist Thomas Götz.

Bild: Andrea Stalder

«Im Sommer sah es ja ganz gut aus, eine Zeit lang», sagt Götz konsterniert. Sogar sein Ergötzliches konnte nach zwei Übertragungen im Fernsehen wieder live stattfinden. Jetzt müssen sie sogar um den Silvesterauftritt bangen.

Ein berühmtes Stück als Grundlage

Sollte es aber klappen, will Götz mit seinen Schauspielkollegen Yves Vaucher und Peter Wenk «The Show Must Go On» zeigen. «Wir nehmen ein modernes Theaterstück als Grundlage und zeigen, wie wir proben», erzählt Götz. Doch nichts will so recht klappen. Der grosse Wurf am Schluss, wie es Götz bezeichnet, will den Theaterleuten im Stück nicht einfallen, erzählt er.

Darob verzweifelt der Regisseur, Streitigkeiten seien vorprogrammiert. Am Ende müssten sich die vier Theaterleute im Stück überlegen, wie sie denn die Situation retten sollen. Ein Stück im Stück mit geprobter Improvisation nennt es der Weinfelder.

Unsicherheit sitzt im Nacken

Am Montag haben sich die vier Männer zum ersten Mal zusammengesetzt und den Text erarbeiten. Immer mit der Ungewissheit im Nacken, ob aufgrund der verschärften Massnahmen die Aufführung überhaupt möglich sei. Wie das Stück ganz am Ende abläuft, ist derzeit noch nicht sicher. Genau so unsicher, wie die Tatsache, ob es denn aufgeführt werden kann, oder nicht.

«Für uns war einfach klar, dass wir die Leute eine Stunde lang unterhalten wollen. So, dass sie Corona auch einmal für kurze Zeit vergessen können», sagt Marta Wechsler. Für die langjährigen Fans ein kleiner Trost Im Februar habe er sich in seinem Ergötzliches noch über die Schutzmaske lustig gemacht. Nun sei sie Realität.

«Es ist komisch vor Publikum mit Gesichtsmasken zu spielen», sagt Götz. Aber es ist ein Preis, den er gerne bezahle, wenn er denn sein Stück aufführen könne. «Es gibt Leute, die kommen seit 30 Jahren an die Silvesterpremiere», sagt Marta Wechsler. Für ihre langjährigen Fans wollen sie wenigstens ein Stückchen Normalität aufrechterhalten, denn auch im Theaterbetrieb gilt: «The Show Must Go On».