Rücktritt
Und sie kamen wieder: Elf spektakuläre Comebacks

Sepp Blatter tritt zurück. Oder doch nicht? Einzelne Fussballverbände wollen dies offenbar verhindern. Die Fifa dementiert. Blatter wäre mit einem Rücktritt vom Rücktritt in guter Gesellschaft. Elf spektakuläre Comebacks.

Raffael Schuppisser und Alexandra Fitz
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Jesus Christus (vermutlich 30 n. Chr.): der Auferstandene
11 Bilder
Christoph Blocher (2011): der Zeitmanager
Martina Hingis (2006, 2013): die Wechselhafte
Wladimir Putin (2012): der Pseudo-Abtreter
Ludwig Wittgenstein (1929): der Hochbegabte
Winston Churchill (1939, 1951): der Unermüdliche
Michael Jordan (1995): der Überflieger Platz 4: Michael Jordan setzt zu einem seiner berühmten Slam-Dunks an (1987).
Napoleon (1815): der Geschlagene
Oswald Grübel (2009): der Unermüdliche
Die Wulffs: die Wiedervereinten
Comeback vom Comeback

Jesus Christus (vermutlich 30 n. Chr.): der Auferstandene

Keystone

1. Jesus Christus (vermutlich 30 n. Chr.): der Auferstandene

Es ist der brutalste Abgang und das spektakulärste Comeback überhaupt: Jesus Christus entschied sich, für unsere Sünden am Kreuz zu sterben – hätte er gewollt, hätte er das als Sohn Gottes natürlich vermeiden können. Und er kam wieder: Am «dritten Tag» ist er auferstanden und präsentierte seinen verwirrten Jüngern die Wunden an den Händen. Auch heute – knapp 2000 Jahre später und längst in den Himmel aufgefahren – weilt er noch immer unter uns und wacht über uns, als Heiliger Geist. Damit ist der Allmächtige der mit Abstand beständigste Rückkehrer.

Jesus Christus (vermutlich 30 n. Chr.): der Auferstandene

Jesus Christus (vermutlich 30 n. Chr.): der Auferstandene

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2. Christoph Blocher (2011): der Zeitmanager

Als Christoph Blocher 2007 als Bundesrat nicht mehr wiedergewählt wurde, kehrte er 2011 in den Nationalrat zurück. Drei Jahre später gab er seinen Rücktritt aus dem Rat. Grund: Zeitverschwendung. Jetzt könnte er abermals zurückkommen, wenngleich in einer etwas anderen Form – nämlich in jener seiner Tochter Magdalena Martullo-Blocher, die für die Bündner SVP in den Nationalrat will.

3. Martina Hingis (2006, 2013): die Wechselhafte

Nach ihrem frühen Rücktritt mit 22 Jahren entschied sich Martina Hingis 2006 für ein Comeback. Doch dann kehrte sie dem Profisport wegen einer Koks-Affäre (angeblich habe man ihr die Drogen in ihren Organgensaft gemischt) wieder den Rücken. 2013 kehrte sie erneut zurück und ist nun mit 34 Jahren in der dritten Phase ihrer Karriere angelangt. Sie gehört zu den besten Doppelspielerinnen und liebäugelt mit Olympia 2016.

4. Wladimir Putin (2012): der Pseudo-Abtreter

Von 2000 bis 2008 war Putin Präsident von Russland. Dann wurde er von seinem Freund Dmitri Medwedew abgelöst. Putin selber übernahm das Amt des Ministerpräsidenten und konnte so in Lauerstellung verharren, bis er laut Verfassung wieder kandidieren durfte. Dies tat er. Auch sein getreuer Machtkumpane und bisherige Präsident Medwedew schlug ihn für diese Wahl vor. Er wurde Ministerpräsident. Ein mächtiger Rollentausch. Übrigens, die Amtszeit des russischen Präsidenten wurde von vier auf sechs Jahre erhöht.

Der russische Präsident Wladimir Putin

Der russische Präsident Wladimir Putin

KEYSTONE/EPA AP POOL/PAVEL GOLOVKIN / POOL

5. Ludwig Wittgenstein (1929): der Hochbegabte

Nach der Veröffentlichung seiner Logisch-philosophischen Abhandlung 1918 zog sich Ludwig Wittgenstein aus dem akademischen Leben zurück. Es gab keinen Grund mehr, sich mit Philosophie zu beschäftigen, war Wittgenstein doch der Meinung, «die Probleme im Wesentlichen endgültig gelöst zu haben». Zehn Jahre später realisierte er, dass er sich getäuscht hatte. Er kehrte zurück und schrieb ein zweites Buch, das postum als «Philosophische Untersuchungen» veröffentlicht wurde und seine Thesen des Frühwerks weithin infrage stellt.

Ludwig Wittgenstein

Ludwig Wittgenstein

Nordwestschweiz

6. Winston Churchill (1939, 1951): der Unermüdliche

Dieser Mann hatte wohl die meisten Comebacks in der Geschichte. Von 1940 bis 1945 und von 1951 bis 1955 war er britischer Premierminister und führte Grossbritannien durch den Zweiten Weltkrieg. Zuvor war er unter anderem Lord der Admiralität, Innen-und Finanzminister. Nach einem Schlaganfall drängten ihn seine Parteifreunde zum vorzeitigen Amtsverzicht. Churchill trat 1955 zurück. Anthony Eden wurde sein Nachfolger. Churchill liess sich 1955 und 1959 noch einmal ins Unterhaus wählen, dem er am Ende mehr als 60 Jahre angehörte.

Winston Churchill bei seiner Fahrt durch Zürich 1946.

Winston Churchill bei seiner Fahrt durch Zürich 1946.

watson/dana keller

7. Michael Jordan (1995): der Überflieger

Der wohl beste Basketballspieler aller Zeiten sah im Körbewerfen keine Herausforderung mehr, also wechselte Michael Jordan den Sport. 1993 gab er seinen Rücktritt und begann mit Baseball. Allerdings nur mit mässigem Erfolg. So verkündete er zwei Jahre später: «I’m back». Jordan spielte wieder mit den Chicago Bulls. 1999 trat er abermals zurück und kam zwei Jahre später wieder. Der Doppel-Rückkehrer spielte noch zwei Saisons für die Washington Wizards. Titel gabs keine mehr, aber ein paar persönliche NBA-Rekorde.

8. Napoleon (1815): der Geschlagene

In der Völkerschlacht von Leipzig erlitt Napoleon eine entscheidende Niederlage und wurde auf Elba verbannt. Nicht für lange. Der Grössenwahnsinnige kehrte nach Frankreich zurück und herrschte für 100 weitere Tage – eher er in der Schlacht von Waterloo endgültig besiegt wurde. Wie, lesen Sie hier.

Ein undatiertes Porträt Napoleon Bonapartes von Paul Delaroche (Archivbild)

Ein undatiertes Porträt Napoleon Bonapartes von Paul Delaroche (Archivbild)

Keystone

9. Oswald Grübel (2009): der Unermüdliche

Der deutsche Bankmanager war von 2003 bis 2007 Chef der Credit Suisse. Dann gab er sein Amt auf. 2009 gelangte Grübel ein Comeback bei der UBS. Die Bank bestellte ihn überraschend als CEO. Er holte sie aus dem Sumpf und schrieb bald schon wieder Milliardengewinne. Doch dann stolperte Grübel über den Betrugsfall des Händlers Kweku Adoboli und trat zurück. Sein Nachfolger wurde der Tessiner Sergio Ermotti.

10. Die Wulffs: die Wiedervereinten

Ja, Christian und Bettina Wulff sind wieder ein Paar. Wahnsinn. Wenn man bedenkt, wie sich Bettina Wulff nach der Trennung – sie trennten sich 2013, ein knappes Jahr nach seinem Rücktritt – zu ihrem Ex und ehemaligen Bundespräsidenten äusserte. In ihrem Buch plauderte sie Eheprobleme aus und in diversen Interviews erhob sie Vorwürfe, er habe sie ein grosses Stück in eine Rolle gedrängt. Zudem gab sie zu, Mühe mit der Publicity zu haben. Na ja, die haben die Wulffs jetzt nicht mehr, vielleicht deshalb das Liebes-Comeback.

11. Take That (2005): die Unschlüssigen

Gründung 1990, Auflösung 1996, Neugründung 2005. Mit «Back for Good» und «How Deep Is Your Love» machte die britische Band Millionen von Mädchen glücklich – und mit ihrer Auflösung brachen sie Millionen von Herzen. Heute besteht die Band aus Gary Barlow, Mark Owen und Howard Donald. Doch das war nicht immer so. Bei Take That herrscht ein Kommen und Gehen. 2005 vereinen Gary Barlow, Mark Owen, Howard Donald und Jason Orange die Band, ohne Robbie William. 2010 kommt William zurück. 2014 stieg Orange aus. Also warens nur noch drei. Denn Robbie macht gerade eine Pause.

Hier finden Sie den Artikel «Sepp Blatter ist nicht allein: 11 spektakuläre Rücktritte».