Umwelt
Der Manta fischt in einer Stunde drei Tonnen Plastik aus dem Meer

Mit einem Riesen-Katamaran Manta will der Schweizer Abenteurer Yvan Bourgnon und seine Organisation «The SeaCleaners» die Meere vom Abfall befreien.

Bruno Knellwolf
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Der Manta ist 56,5 m lang, 26 m breit und 63 m hoch.

Der Manta ist 56,5 m lang, 26 m breit und 63 m hoch.

Bild: Yvan Bourgnon

Einen Namen hat sich der Schweizer Segler Yvan Bourgnon zuerst mit seinen vielen Siegen und Weltrekorden gemacht. Fern der Wettkämpfe bestieg er dann 2013 einen 6.30 Meter kurzen Katamaran, um in den folgenden Monaten die Welt zu umrunden – ganz alleine, ohne Navi und GPS und ohne Kajüte, nur mit Sextant und Navigationskarten.

Auf seiner 55000 Kilometern langen Solofahrt um den Globus prägte ihn eine schreckliche Entdeckung. Wo ihn einst paradiesische Strände fasziniert hatten, sah er nun schwimmende Müllhalden aus Plastik. Zurück in Europa auf festem Land gründete er 2016 die Umweltschutzorganisation «The SeaCleaners». Die Ozeane vom Plastik zu befreien ist für den Abenteurer noch die grössere Herausforderung als die alleinige Weltumseglung. Und alleine ist das nicht zu schaffen.

Bis zu drei Tonnen Plastik pro Stunde

Seine Taten zusammen mit seiner Umweltorganisation gehen über das Beklagen der zwölf Millionen Tonnen Plastikmüll, die jedes Jahr in die Ozeane gekippt werden, hinaus. In diesen Tagen hat er sein Projekt Manta vorgestellt. Manta ist ein riesiger Hochseekatamaran, der grosse Mengen Plastikabfall sammeln und auch verarbeiten wird.

Mit drei Netzen wird der Plastik aus dem Meer gefischt.

Mit drei Netzen wird der Plastik aus dem Meer gefischt.

Yvan Bourgnon

Mit diesem 56.5 Meter langen Katamaran sollen ab dem Jahr 2024 eine bis drei Tonnen Plastik pro Stunde eingesammelt werden. Rund 5000 bis 10000 Tonnen Kunststoff pro Jahr werden dann an den Haupteintragsquellen von Müll, also bei den Flussmündungen in die Meere, abgefischt.

Plastikmüll wird zu Syngas und treibt die Stromturbinen an

Statt damit einfach auf Land grosse Müllhalden aufzutürmen, wird der nicht mehr rezyklierbare Plastik gleich an Bord verarbeitet. Gemacht wird das mit dem Verfahren der Pyrolyse. Dabei wird der Kunststoff ohne Verbrennungsprozess geschmolzen und in ein Synthesegas umgewandelt. Dieses «Syngas» wird dann an Bord dazu genutzt, eine Turbine anzutreiben, die Strom produziert. Damit werde alle Anlagen an Bord versorgt: Die Cockpit- und Navigationsinstrumente, Batterien, der Antrieb sowie die Sammel- und Sortieranlagen. Etwa ein Zehntel des Plastiks wird gesammelt und an Land rezykliert.

«The SeaCleaners» will nicht nur Schadstoffe einsammeln, sondern auch keine entstehen lassen. Der Katamaran ist ein Hybrid-Boot und nutzt neben der beschriebenen Pyrolyse zwei Windturbinen, zwei Wasserkraftgeneratoren und rund 500 Quadratmeter Photovoltaik-Panels, um Strom zu erzeugen. Angetrieben wird der Katamaran vom Wind, so dass der Manta zu 75 Prozent Energie-autonom ist. Für Notsituationen stehen aus Sicherheitsgründen zwei Dieselantriebe zur Verfügung.

Plastik gefischt wird bis in einen Meter Wassertiefe

Gesammelt wird mit drei grossen Netzen Plastikabfall ab 10 Millimetern Grösse aufwärts bis einen Meter Tiefe unter der Wasseroberfläche. Daneben ist der Manta auch ein Forschungsboot, auf dem zur 34-köpfigen Besatzung auch zehn Wissenschafter dazugehören, die in der bordeigenen Forschungseinrichtung arbeiten. Nach dem Stapellauf 2024 soll der Manta vor allem in Asien, Afrika und Südamerika eingesetzt werden. Und zwar dort, wo die Verschmutzung durch Plastik im Meer besonders hoch ist. Dazu zählen Küstengebiete, Flüsse und die Mündungen grosser, besonders belasteter Flüsse. Noch in diesem Jahr sollen die Werften ausgesucht werden, welches diesen grossen Katamaran bauen werden.

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