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Polyamorie ist, wenn man mehrere Menschen liebt – Leyla, Tobias und Samir erzählen

Sie werfen die gängige Vorstellung einer Liebesbeziehung über Bord: Leyla und Tobias Stuber sind verheiratet, führen aber beide noch eine Beziehung mit jemand anderem. Drei der vier waren zu Gast in der Sendung «TalkTäglich» der TV-Sender von CH Media.

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(smo)

Leyla und Tobias Stuber sind seit 15 Jahren ein Paar und seit sieben Jahren verheiratet. Als Leyla ihrem Mann offenbarte, dass es da noch einen anderen gibt, war das keine Überraschung. Und doch, Tobias war «hässig», wie er sagt. Heute hat Tobias neben seiner Frau auch eine Freundin. Tobias und Leyla leben polyamor. Das Paar war zusammen mit Leylas Freund Samir Ullmann zu Gast in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele Züri.

Polyamorie erklärt Leyla so:

«Das heisst, dass ich nicht nur mit einer Person eine Beziehung führe und diese auch liebe, sondern auch offen bin für mehrere Beziehungen, in meinem Fall sind das zwei. Das ist im Moment auch die Grenze meiner Kapazität.»

Nach dem letzten Satz lacht sie. Im Gegensatz zur Liebe, die unerschöpflich ist, sind Zeit und Energie, die man für eine Beziehung aufwenden kann, begrenzt. Polyamorie ist auch eine organisatorische Herausforderung.

«Liebst du beide gleich fest?», fragt die Moderatorin Patricia Zuber Leyla.

«Ja, ich liebe beide gleich fest, aber auf eine andere Art. Denn es sind zwei verschiedene Menschen.»

Aneinander messen könne man die beiden Beziehungen nicht. «Dinge, die ich am einen liebe, ergänzt der andere», sagt sie und betont: «Nicht, dass das der Grund dafür ist, mehrere Beziehungen zu führen.»

Und was ist denn nun der Unterschied zu einer offenen Beziehung, in der sich die Partner gegenseitig die Freiheit lassen, auch anderen näher zu kommen? Leyla Stuber ist Lebens- und Liebesberaterin und sie sagt:

«In einer offenen Beziehung geht es meist nur um Körperlichkeiten, bei der Polyamorie geht es auch um Gefühle.»

So oder so sei es wichtig, dass es Regeln gebe, die mit allen Beteiligten diskutiert wurden. Ihre wichtigste Regel sei, dass sich alle vor Geschlechtskrankheiten schützen.

Im Laufe des Gesprächs spricht Leyla Stuber immer wieder von einem «Familiengroove». «Es gibt polyamore Paare, die strikt trennen wollen und mit den Partnern ihrer Partner nichts zu tun haben wollen», sagt sie. Doch sie wünscht sich mehr Gemeinsamkeit. Will heissen: Die verschiedenen Partner lernen sich untereinander kennen und verstehen sich im Fall von Leyla und Tobias Stuber offenbar gut. So gut, dass Leyla und Tobias mit Samir zusammenziehen wollen.

Familiär, so hat es auch Samir erlebt, als er dazu kam. Er lernte Leyla auf der Dating-App Tinder kennen und war neugierig auf diese Art der Beziehungsführung.

«Ich fühlte mich sofort wie zuhause bei den beiden.»

Er pflegt zwar nicht noch eine weitere Beziehung - «der Zeitaspekt» -, aber er möchte liebestechnisch so weiterleben und geniesst die Offenheit der Polyamorie: «Sollte ich jemanden kennenlernen, kann ich es einfach zulassen.» Eifersüchtig sei er übrigens nie.

Die klassische Monogamie baut in den Augen von Leyla Stuber auf Unsicherheiten auf. «Da werden Werte wie Eifersucht derart als Tugenden feiert, dass ich das als ungesund erachte.» Selbstverständlich gebe es auch gut funktionierende monogame Beziehungen. Sie wünsche sich einfach, dass jeder selbst und frei entscheiden könne, wie er lieben will.

Sehen Sie das Gespräch in voller Länge hier:

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