Stilradar
Von der Kunst, sich modisch in Szene zu setzen: An der Art Basel ist Individualität Trumpf

Unsere Autorin hat sich an der Kunstmesse umgesehen – und die Modetrends von morgen entdeckt.

Rahel Empl
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Schön individuell: Der alte Herlitz-Schulranzen kommt vom Flohmarkt.

Schön individuell: Der alte Herlitz-Schulranzen kommt vom Flohmarkt.

Bild: Rahel Empl

Vergesst die Stars und Sternchen! Beim Anblick der Roben, die sie an den Emmys vergangenen Sonntag in Los Angeles, aber auch an der Met Gala in New York vor zwei Wochen zur Schau stellten, liess sich ein Gähnen nicht vermeiden. Im schlimmsten Fall langweilig (Ungetüme von Schleppen, Federn, transparente Stoffe), im besten verstörend (Kim Karda­shian im schwarzen Ganzkörperanzug) muteten die Outfits an. Da wird nur geprotzt; in keiner Weise lässt sich erahnen, welche Modeströmungen im wahren Leben an Fahrt gewinnen.

Wer das wissen möchte, braucht den Blick nicht in die Ferne schweifen zu lassen. Es genügt, ihn auf die Strassen Basels zu richten. Ja, richtig, Basel. Die Kunstmesse Art läuft gerade, in der Stadt tummeln sich Künstlerinnen, Kuratoren und Kunstinteressierte aus aller Welt. Leute mit eigenwilligem Stil, schräge Vögel, die die Kunst beherrschen, sich in Szene setzen. Strassen und Plätze rund um die Messehallen geraten zu einem Schmelztiegel der Trends – und damit zum grössten Catwalk der Welt.

Stöckelschuhe und der Labelwahn sind von vorgestern

Die monochromen Looks, die uns die Kleiderketten gerade diktieren wollen, sind an der Art Basel quasi inexistent – wenn einfarbig, dann höchstens knallig rot oder schwarz. Hier werden vielmehr Muster jeglicher Art kombiniert. Nachhaltigkeit spielt dabei eine zentrale Rolle, die Hand in Hand geht mit einer guten Portion Individualität.

Die Herren tragen neuerdings Sneakers in zwei Farben. Wie etwa der Künstler Umberto aus Italien.

Die Herren tragen neuerdings Sneakers in zwei Farben. Wie etwa der Künstler Umberto aus Italien.

Empl Rahel

Der Vintage-Pulli von Asics wird kurzerhand in die Chinos gestopft, der alte Schulranzen von Herlitz geschultert (Bild), die Bomberjacke im Manga-Stil zur Culotte oder der geblümte Kimono mit einem Rock aus glänzendem Brokat kombiniert – und die Herren tragen neuerdings Sneakers in zwei verschiedenen Farben.

Überhaupt: Wer in Stöckelschuhen an die Art tippelt, ist von vorgestern. Nahezu alle Looks werden mit klobigen Turnschuhen oder derben Boots getragen. Zudem scheint der Labelwahn ein Ende zu nehmen: Taschen mit sichtbarem Designerlogo sind an der Art verpönt; Trendbewusste tragen Stofftaschen aus Leinen. Dieses Understatement ist um Welten schöner als das sinnfreie Protzen auf der anderen Seite des grossen Teichs.

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