Schutzmasken
Warum FFP2-Masken Vorteile gegenüber Hygienemasken haben – und wo sie besonders wichtig sind

Eine deutsche Studie weist einen grossen Mehrwert von FFP2-Masken auf: 75 Mal besser als eine normale Schutzmaske. Ein Schweizer Aerosol-Spezialist relativiert.

Bruno Knellwolf
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FFP2-Masken bieten gemäss deutschen Forschern einen deutlich besseren Schutz.

FFP2-Masken bieten gemäss deutschen Forschern einen deutlich besseren Schutz.

zvg

Zu Pandemiebeginn war der Nutzen der Schutzmasken noch ganz kurz umstritten, unter anderem auch, weil Hautärzte auf Akneprobleme hinwiesen. Gemäss dem BAG war die Dringlichkeit anfangs nicht gegeben und das BAG verzichtete vorerst auf eine Empfehlung. Gemunkelt wurde, das habe auch mit der fehlenden Verfügbarkeit der Masken zu tun gehabt, was aber vom Bund immer dementiert worden ist. Inzwischen ist klar, dass Masken einen guten Schutz bieten, sich vor Corona zu schützen. Und noch besser geschützt ist, wer eine FFP2-Maske trägt.

Deutsche Studie zeigt Vorteile der FFP2-Masken

Das zeigt eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation um den Forscher Eberhard Bodenschatz. FFP2-Masken verringern gemäss den deutschen Forschern das Risiko einer Ansteckung gegenüber medizinischen Schutzmasken um den Faktor 75 bei einer Expositionsdauer von 20 Minuten.

Und auch den Unterschied zwischen einer gut und einer schlecht getragenen FFP2-Maske haben die Forscher berechnet. Gegenüber lose getragenen FFP2-Masken verringert sich das Risiko mit gut getragenen Masken um den Faktor 30. In vielen Ländern empfehlen die Gesundheitsbehörden die FFP2-Maske schon lange. In der Schweiz hält sich das BAG da noch zurück und hält beide Masken für richtig.

Der Aerosol-Spezialist Michael Riediker hat sich die deutsche Studie angesehen und relativiert deren Resultate etwas.«Der Faktor 75 scheint für die Situation mit angeklebter FFP2-Maske zu gelten, und zwar im Vergleich zur nicht gut getragenen chirurgischen Maske.»

Zudem beschreibe die Studie eine Situation, in der ein Infizierter und ein Gesunder je eine FFP2-Maske tragen, also auf beiden Seiten eine gute Filtration der Virenpartikel vorhanden ist. «Da wäre ich also eher vorsichtig beim Berichten einer 75-mal besseren Wirkung. In der Praxis dürfte der Effekt immer noch klar sein, aber nicht so hoch», sagt der Direktor des Swiss Centre for Occupational and Environmental Health (SCOEH).

Doppelter Zweck der Schutzmasken

Riediker hält fest, dass Masken in der Pandemie zwei Zwecken dienen: Sie sind erstens ein Mittel zur Emissionsreduktion und zweitens ein persönlicher Schutz.

Wenn die Maske nicht an der Haut angeklebt wird, ist die FFP2-Maske etwas besser als eine normale Hygienemaske. Wenn es um die Reduktion der Emissionen geht, aber trotzdem nicht perfekt. Riediker:

«Besonders im Bereich des Nasenrückens gehen oft noch sehr grosse Mengen Aerosole raus.»

Beim persönlichen Schutz sei die FFP2-Maske klar besser als die Hygienemaske. Wenn die FFP2-Maske dicht anliegt, was durch die Form leichter machbar ist, wird sie beim Einatmen im Bereich der minimalen Leckagen durch den Unterdruck an die Haut gepresst und dichtet daher auch dort meistens gut ab. Der Aerosol-Spezialist erklärt:

«Die FFP2-Maske ist besonders dort wichtig, wo man keine gute Kontrolle darüber hat, ob die anderen Personen ihre eigene Maske korrekt oder überhaupt aufsetzen, also in vielen öffentlichen Bereichen.»

Man denke nur an die vielen schlecht maskierten Personen, denen man in solchen Bereichen jeden Tag begegne.

Die deutschen Forscher schlussfolgern in ihrer im Fachmagazin «PNAS» publizierten Studie, dass die universelle Maskierung mit FFP2, aber auch normale Schutzmasken eine wirksame Massnahme zur Minimierung der Übertragungen ist. Für Riediker ist klar, dass Masken vor allem dort eingesetzt werden müssen, wo man sich in notwendige Risikosituationen begeben muss. Zum Beispiel beim Spital-Personal in der Covid-Abteilung.

Maske ist nicht immer erste Wahl

Dort kommt man nach Riediker nicht darum herum, gute Schutzausrüstung zu tragen. «Im Grundsatz gilt aber auch in solchen Risikosituationen, dass man zuerst versuchen sollte, mit technischen und organisatorischen Mitteln das Risiko zu reduzieren. «Die Maske stellt so eine zusätzliche Massnahme für den Notfall dar. Beim winterlichen Autofahren montiert man ja auch zuerst Winterreifen und passt die Geschwindigkeit an die Strassensituation an und vertraut nicht nur auf die Gurten und den Airbag», sagt Riediker.

Riediker zählt vier Punkte auf, die das Infektionsrisiko erhöhen:

  • Zum Ersten für Personen, die viel Zeit in einem Innenraum mit anderen Menschen verbringen. Eine Person atmet entsprechend lange Zeit Luft, die womöglich mit Viren beladen ist.
  • Zum Zweiten ist das Risiko höher, wenn es viele Leute im Innenraum hat, weil dann eine höhere Chance besteht, dass jemand davon ansteckend ist.
  • Zum Dritten ist es gefährlicher, wenn die Leute im Innenraum viel und laut sprechen. Dann werden viel mehr Aerosole produziert, und wenn jemand ansteckend ist, hat es somit viel mehr Viren in der Luft.
  • Viertens und letztens erhöht sich das Übertragungsrisiko, wenn der Innenraum klein und schlecht belüftet ist. Dann können sich Luftschadstoffe und allenfalls in Aerosolen vorhandene Viren rasch anreichern und werden schlecht abgeführt.

Wenn einer dieser Punkte zutrifft, machen Masken Sinn

«Wenn nur schon einer dieser Punkte zutrifft, dann dürfte es meistens sinnvoll sein, eine Maske zu tragen. Aber noch besser wäre es, sich so zu organisieren, dass man gar nicht mit anderen Personen in diesem Innenraum sein muss», sagt Michael Riediker.

Übrigens: FFP steht für Filtering Face Piece, also eine partikelfilternde Gesichtsmaske. Die zwei bezeichnet den Filtergrad, von denen es drei Stufen gibt.

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