Thailand für einmal ohne Ansturm: Für Ferien in Phuket braucht es momentan besonders viele Formulare

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Thailand für einmal ohne Ansturm: Für Ferien in Phuket braucht es momentan besonders viele Formulare

Bild: Markus Zwyssig

Ferien in Thailand sind wieder möglich. Fürs Testen und die vielen Formulare braucht es zwar Geld und Zeit, dafür lassen sich die beliebten Feriendestinationen für einmal ohne Ansturm erleben.

Markus Zwyssig
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Wer zurzeit Phuket bereist, fühlt sich um Jahrzehnte zurückversetzt. Selbst an der Patong Beach, Phukets bekanntestem Strand, sind nicht viele sonnenhungrige Touristen zu sehen. Auf den Strassen herrscht wenig Verkehr, Lärm und Hektik scheinen weit weg. Als Fussgänger die Strassen zu überqueren, war vor Corona noch herausfordernd, jetzt aber ist es kein Problem.

Die Pandemie hat das Stadtbild verändert: Zahlreiche Märkte dürfen in Phuket noch nicht stattfinden. Aber die wenigen Verkäuferinnen und Verkäufer, die ihre Waren feilbieten, haben ihr Lächeln auch in Zeiten von Corona nicht verloren. Sie preisen ihre Produkte lautstark wie eh und je an. Viele Einkaufsgeschäfte, Restaurants und Hotels haben geschlossen. Zahlreiche haben den Besitzer gewechselt, und bei einigen ist völlig unklar, ob sie überhaupt wieder öffnen.

Sandbox Phuket – so kann man in die Ferienregion reisen

Um Touristen aus aller Welt anzuziehen, hat Thailand in Phuket das Pilotprojekt Sandbox Phuket lanciert. Voraussetzung dafür ist, dass man zweimal gegen Covid-19 geimpft ist. Bei der Einreise muss zudem ein negativer PCR-Test vorgelegt werden, der nicht älter als 72 Stunden ist. Kurzfristig eine Flugreise nach Thailand im Internet zu buchen, ist zurzeit schwierig, denn für die Einreise sind verschiedene Dokumente notwendig, welche auch peinlich genau kontrolliert werden. Reisebüros wissen Bescheid und sind eine gute Hilfe. Infos zu den notwendigen Dokumenten für die Einreise gibt es auf www.tourismthailand.ch.

Zu finden ist auch der Link zur ­notwendigen Einreisebescheinigung. Zudem braucht es eine Corona­versicherung, und auf dem Handy müssen zwei Trackingapps (Thailand Plus und Mor-Chana) installiert sein. Bereits im Voraus muss eines der offiziell zugelassenen Hotels gebucht sein, das über ein erfor­derliches Gesundheitszertifikat verfügt. Während des Aufenthalts in Phuket müssen zwei PCR-Tests ­gemacht werden. Danach ist seit neuestem die Reise frei an irgendeine der geöffneten Destinationen in Thailand, sofern über den gesamten Zeitraum negative PCR-Testergebnisse vorliegen.

Thailand wurde von der Coronapandemie arg getroffen. Im Land gab es einen harten Lockdown. Noch immer sind die Fallzahlen hoch, die Restriktionen hart. Viele Menschen haben ihren Job verloren. Besonders heftig getroffen hat es die Tourismusbranche. Reisen sonst über 30 Millionen Menschen pro Jahr nach Thailand, sind es zurzeit ganze drei Millionen. In der Feriendestination Phuket im Süden von Thailand sind fast alle direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig. Nun will die lokale Regierung ihn wieder in Gang bringen.

Lange Bambusstangen braucht es, um die Kokosnüsse von den Bäumen zu holen.

Lange Bambusstangen braucht es, um die Kokosnüsse von den Bäumen zu holen.

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Bereits ist vereinzelt Aufbruchstimmung zu spüren. Im Fünfsternehotel Sala an der Mai Khao Beach gibt sich Generalmanager Anthony Van Sleeuwen (40) jedenfalls zuversichtlich. Der gebürtige Australier lebt seit 14 Jahren in Thailand. Auch sein Hotel musste während der Pandemie insgesamt rund drei Monate schliessen. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde drastisch gekürzt. Van Sleeuwen sagt:

«Vor Covid hatten wir 218 Vollzeitangestellte, jetzt sind es 61.»
Anthony Van Sleeuwen ist Generalmanager im Fünf-Stern-Hotel Sala an der Mai Khao Beach in Phuket.

Anthony Van Sleeuwen
ist Generalmanager im Fünf-Stern-Hotel Sala an der Mai Khao Beach in Phuket.

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Von den Belegungszahlen her sieht es langsam besser aus. Für die Hochsaison, die ab November beginnt, gibt es erste Buchungen.

Viele Menschen zogen zurück zu ihrer Familie aufs Land

Mayuree Kwankaew (37) kurz Maew, arbeitet als Freelancerin für verschiedene Anbieter im Tourismusbereich. Jetzt ist sie mit ferienhungrigen Menschen aus dem Ausland auf den ersten Touren unterwegs. «Endlich geht es wieder los», sagt sie. «Eineinhalb Jahre lang herrschte praktisch Funkstille.» Sie kam mit Arbeiten im Büro über die Runden und machte für Zeitungen, die selber nicht vor Ort sein konnten, Interviews.

Dabei erkundigte sie sich bei den Leuten nach dem Befinden in der Coronakrise. Viele mussten nach alternativen Einnahmequellen suchen und mit wenig Geld über die Runden kommen. Da wurde der Taxifahrer schon mal zum Fischer. Der ärmere Teil der Bevölkerung zog von Phuket weg, reiste zurück zu der Familie aufs Land, wo das Leben viel günstiger ist.

Mayuree Kwankaew arbeitet als Freelancerin im Tourismusbereich.

Mayuree Kwankaew
arbeitet als Freelancerin im Tourismusbereich.

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Trotz dem coronabedingten Mehraufwand lohnt es sich, jetzt nach Phuket zu reisen. «Wer zurzeit zu uns kommt, der erlebt eine private Tour wie vor dreissig Jahren», sagt eine Tourismusfachfrau. Selbst an den bekanntesten touristischen Hotspots, an Stränden und auf Inseln gibt es kein Gedränge. Im Gegenteil: Die Touristinnen und Touristen sind überall eher spärlich auszumachen. Zudem: Die Gäste profitieren in den Hotels, beim Essen und Shoppen momentan von tieferen Preisen als üblich.

Wie idyllisch es zurzeit in Thailand ist, lässt sich auf einer Fahrt vom Pier von Chalong Bay mit dem Speedboot zur Banana Beach auf Coral Island erleben. In normalen Zeiten tummeln sich an dem Strand weit mehr als 1000 Gäste in der Stunde. Unzählige Boote bringen laufend neue Sonnenhungrige und Wassersportler. Jetzt haben die paar wenigen Besucher die Insel und den Strand für sich.

Es ist ungewohnt ruhig. Die Liegestühle stehen zwar bereit, bleiben aber ungenützt. Fürs Erinnerungsfoto an den besten Aussichtsplätzen muss man nicht lange anstehen.

Die Liegestühle stehen parat. An der Banana Beach auf Coral Island können die wenigen Besucher auswählen, wo sie sich hinsetzen wollen.

Die Liegestühle stehen parat. An der Banana Beach auf Coral Island können die wenigen Besucher auswählen, wo sie sich hinsetzen wollen.

Bild: Markus Zwyssig

Im Strandrestaurant sind wir die einzigen Gäste. Unmittelbar vor der Küste kann man ungestört schwimmen und schnorcheln. Die Vielfalt der Tiere, die man unter Wasser zu sehen bekommt, ist beeindruckend. Die Stille hat auch dafür gesorgt, dass sich die Natur erholen konnte. Ein untrügliches Zeichen dafür ist die Rückkehr des Hornvogels, der es sich auf den Hüttendächern bequem macht. An hektischen Touristentagen bekommt man ihn kaum zu Gesicht.

Sogar der Hornvogel lässt sich jetzt an der Banana Beach blicken.

Sogar der Hornvogel lässt sich jetzt an der Banana Beach blicken.

Bild: Markus Zwyssig

Auf Entdeckungstour mitwenigen anderen Gästen

Die Gäste, die nach Phuket kommen, sollen sich nicht nur am Strand vergnügen, sondern auch die einheimische Bevölkerung kennen lernen. Für Phaitoon Pantip (43), den alle Mr. Dean nennen, ist das eine Herzensangelegenheit. Der Leiter des Büros des Reiseunternehmens Asia Trails in Phuket kann seine Begeisterung beim Besuch der Baan Bang Rong Community nicht verbergen.

Phaiton Pantip freut es, den Touristen die einheimische Bevölkerung vorzustellen.

Phaiton Pantip
freut es, den Touristen die einheimische Bevölkerung vorzustellen.

Bild: Markus Zwyssig

In der muslimischen Gemeinde im historischen Viertel von Phuket werden die noch wenigen Gäste mit einem (alkoholfreien) Willkommensdrink begrüsst. Die Menschen in dieser Gemeinde bestreiten ihren Lebensunterhalt nach wie vor auf traditionelle Art und Weise, leben von Fischfang und Landwirtschaft – und setzen auf Ökotourismus. «No plastic» ist die Devise der umweltbewussten Dorfbevölkerung. Das Trinkwasser wird in der Glasflasche transportiert.

In einem Batikkurs können die Besucher eine Stofftasche mit Glitter- und Goldfarbe bemalen. Anschliessend geht es auf die Ananas- und Kautschukplantagen. Wer sich getraut, kann danach mit langen Bambusstangen eine Kokosnuss vom Baum holen.

Ein bisschen versteckt am Ende einer schmalen Strasse auf dem Weg zur Rawai Beach im Süden von Phuket befindet sich das Phuket Art Village. Sieben Künstler haben hier bereits vor der Coronapandemie ihre kleinen Kunstgalerien geschaffen. Sie verwenden Materialien, die sie am Strand gefunden haben. Ganze Häuser haben sie mit den Fundstücken – vor allem Holz, aber auch Blech und Steine – gebaut und sie farbig bemalt. Das kleine Kunstdörfchen überrascht, und es macht Spass, es zu entdecken.

Im Phuket Art Village haben Künstler ihre Häuser mit am Strand gefundenen Materialen gebaut.

Im Phuket Art Village haben Künstler ihre Häuser mit am Strand gefundenen Materialen gebaut.

Bild: Markus Zwyssig

Leonardo Scavo (34), Assistant Manager für Phuket und Krabi, ist froh, dass im Tourismus nun allmählich wieder etwas los ist. Der Schweizer mit italienischen Wurzeln lebt seit mehr als zwei Jahren mit einer Thailänderin zusammen.

Leonardo Scavo bringt den Gästen Phuket und Krabi näher.

Leonardo Scavo
bringt den Gästen Phuket und Krabi näher.

Bild: Markus Zwyssig

Doch auch er weiss, dass es deutlich mehr Anstrengungen seitens der Touristikerinnen und Touristiker braucht, um jetzt die Gäste von überall auf der Welt für Thailand zu gewinnen. Impfen, testen, Körpertemperatur regelmässig messen, Schutzmaske tragen, Abstand halten und Hände waschen: Damit komme man zum Ziel, ist er überzeugt. Thailand sei sehr strikt, und das sei gut so.

Hinweis: Die Reise wurde auf Einladung des thailändischen Fremdenverkehrsamts und von Singapore Airlines realisiert.

Die Elefanten im Elephant Sanctuary verschlingen gierig die vielen Früchte.

Die Elefanten im Elephant Sanctuary verschlingen gierig die vielen Früchte.

Bild: Markus Zwyssig

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