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Salzburger Seensuchtsorte: Rund 77 Seen laden zum Baden und Entdecken von verborgenen Bijous ein

Wer die Barockstadt Salzburg hinter sich lässt, wird auf ein Meer von Seen stossen: Die einen weltberühmt, die anderen verborgene Bijous.

Christian Berzins
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Halbinsel mit Aussicht: Das Hotel «Traunsee» (rechts mit Bootshaus) liegt direkt neben dem idyllischen Klosterbezirk von Traunkirchen.

Halbinsel mit Aussicht: Das Hotel «Traunsee» (rechts mit Bootshaus) liegt direkt neben dem idyllischen Klosterbezirk von Traunkirchen.

Fotograf: Christof Wagner

Wer dem Kellner im «Bootshaus» in Traunkirchen zuhört, welche Köstlichkeiten alsbald auf den Tisch kommen, sollte ein Navigationsgerät einschalten. Die Aufzählung der Gerichte wird zu einer Berg- und Talfahrt durch die Gegend: Aal aus dem Attersee, Reinanke aus dem Traunsee, Karpfen aus dem Mondsee, Flusskrebse aus der Traun. Und hatten wir am Vortag nicht Hecht aus dem Mattsee?

Im Spitzenrestaurant «Das Bootshaus» wird dem Gast zu Beginn des Essens gezeigt, was da alles im Menü versteckt sein wird.

Im Spitzenrestaurant «Das Bootshaus» wird dem Gast zu Beginn des Essens gezeigt, was da alles im Menü versteckt sein wird.

Bild: ttu

Ein Blick auf Google Maps zeigt, dass vom Ausgangspunkt Salzburg in den drei Bundesländern Oberösterreich, Salzburg und Steiermark ein Seen-Meer zu entdecken ist, rund 77 sollen es sein.

Welcher ist der schönste? In Salzburg zur Bankangestellten gesagt, man fahre an den Mattsee, hören wir sie vom Fuschlsee schwärmen. Kaum hat die Kollegin am Nebenschalter das mitbekommen, hören wir: «Der Attersee ist der schönste!» Von schwarzen Seen wird da gesprochen, von kalten und warmen geschwärmt, vor steil abfallenden Buchten und von dunklen Wäldern am Ufer gewarnt. Klar ist: Rundum gibt es blaue Wunder zu erleben.

Das «Weisse Rössl» am Wolfgangsee machte der Operettenkomponist Ralph Benatzki 1930 weltberühmt, die letzten Jahre waren es die sozialen Medien, die Hallstatt am Hallstätter See an den Rand des Touristen-Kollaps brachten. Keine Angst! Die meisten Ortschaften sind wundersam verschlafen, sind idyllische Bijous, die der Gast für sich entdecken kann.

Am Mirabellplatz in Salzburg fährt der 120er-Bus zum Mattsee, der 140er zum Mondsee. Wir nehmen den 120er und sind nach 40 Minuten an der Endhaltestelle. Im Dorf Mattsee lächeln dem Gast die 1980er-Jahre mit Eisdiele und Papeterie entgegen. Erst in der hübschen Barockkirche kommt man in der Gegenwart an, gibt es hier doch wie anderswo Desinfektionsmittel und das Weihwasser ab Sprühautomat.

Gut zu wissen

Die meisten Seen sind von Salzburg nicht weiter entfernt als eine Auto- oder zwei Zugstunden. Das Angebot für Sportler ist immens, Kulturinteressierte stossen in den Gemeinden auf tolle Festivals.

● Am Traunsee

Hotel «Das Traunsee», Klosterplatz 4, Traunkirchen

Fischerei Trawöger, Fischerweg 20, Altmünster

Leimers Raritäten-Antiquitäten, Leimerei, Kirchengasse 5, Gmunden

● Am Mattsee

Schlosshotel/Restaurant Iglhauser, Schlossbergweg 4, Mattsee

Stiftskeller Mattsee, Seestrasse 2, Mattsee

Ein paar Schritte weiter weist ein Schild auf ein Weingut. Wir staunen und fragen im Gewölbe den Kellermeister, wo denn hier Trauben wachsen – und ernten ein Lachen. «Das hier ist das Stift Mattsee, das Kloster. Wir schauen auf 900 Jahre Weinbautradition zurück, haben Ländereien in der Wachau und Krems.» Kaum zwei Dinge nachgefragt, sitzt man in einer Verkostung, die Uhr schlägt halb zwölf.

Wo es auf jedem Meter nach Ferien riecht

Obwohl im Hochsommer «alles» am See ist, gibt es im unter Denkmalschutz stehenden Holzbad Mattsee Platz. Verandasitzer, Wiesenlieger und Volleyballspieler kommen aneinander vorbei. Schon 1920 wurde hier gebadet.

Auch ein Besuch im Restaurant Iglhauser im Schlosshotel ist ein Eintauchen in eine Welt, in der Leonid Breschnew und Jimmy Carter noch die Abendnachrichten prägten. Das stört nicht, wenn die Steinpilze so prächtig frisch sind und der Fisch eben gefangen wurde. Der Vorspeise-Fischsalat erweist sich als ein «Dreierlei vom See», nebeneinander aufgereiht liegen so viel gebackener Hecht, Reinanke (Felchen) und Saibling, dass wir danach einen Zertrümmerer, am besten einen Marillenschnaps, bräuchten.

Das Schloss Gmunden.

Das Schloss Gmunden.

Bild: ho

Tagesausflüge in Ehren, aber richtig schön werden Seeferien erst, wenn kein Bus zurück in die Stadt ruft, wenn noch um 20 Uhr ein Schwumm gemacht werden kann, morgens um 6 Uhr die Möwen ins Hotelzimmer schreien. In Traunkirchen etwa. Das oberösterreichische Dörfchen duftet mit seinem Musikpavillon und den hölzernen Umkleidekabinen am See auf jedem Meter nach Ferien.

Kuriose, kulinarische oder kulturelle Entdeckungen

Kaum im Hotel Traunsee abgestiegen, weiss der Gast: Hier liegt man richtig. Die Yogamatte steht neben dem Osprey-Rucksack im Schrank, vom Blick auf See und Berg wird man noch in fünf Tagen nicht genug haben. Jeden Tag verkündet die Hotel-Morgenpost nicht nur das grandiose (Halbpension-)Abendmenü, sondern zeigt auch auf, was man im modernen Imperium der Familie Gröller alles noch tun könnte. Und nicht vergessen, an der Rezeption Bescheid zu sagen, ob man am Abend den Filetspiess vom Sommerbock oder das Curry von Traunseefischen essen möchte!

Statt zu baden, zu wellnessen oder im Ferienroman weiterzulesen, spazieren wir am zweiten Tag nach Gmunden, kommen vorbei in Altmünster, wo man ohne Wenn und Aber bei «Trawöger» den legendären und einzigartigen Steckerlfisch probieren muss. Obwohl das Salzkammergut unter Führung von Bad Ischl mitsamt Gmunden 2024 Europäische Kulturhauptstadt wird, ist’s ein Nest. Da wir aber Ferien haben, wird jede Gasse und jedes Geschäft beäugt, als wären wir auf Safari in Schanghai.

Schön, wenn der Text gefällt! UND entschuldigen Sie den Fehler! Offenbar ist es offiziell «das Salzkammergut unter Führung von Bad Ischl» - und Gmunden gehört etwas dazu, richtig?

Liebe Grüsse

Christian Berzins

Steckerlfisch aus dem Traunsee.

Steckerlfisch aus dem Traunsee.

Bild: ho

Wer will, wird seine Entdeckungen machen – keine weltbewegenden, aber kuriose, kulinarische und kulturelle. In der Ausstellung «Klo & So» im Museum für historische Sanitärobjekte findet man 200 Dinge rund ums stille Örtchen, im Kaffee «Brandl» die süssesten Torten. Bei «Leimers Raritäten-Antiquitäten» liegen Verrücktes und Schönes nebeneinander, auch prächtige Keramik aus Gmunden. «Ankauf und ­Verkauf auf Kommissionsbasis» heisst es hier, «Gestiftetes und Vermachtes» wird mit einem «Dankeschön» vergolten. Peter Alexander und Karl Böhm grüssen aus den Schallplattenkisten.

Die Fahrt mit dem Schaufeldampfer «Gisela» zurück nach Traunkirchen ist für Habitués der «Stadt Luzern» ein Seifenkistenrennen, für seeunkundige eine Fahrt nach Amerika.

Am Traunsee ist das Angebot an Freizeitaktivitäten gross, die meisten aber liegen tagelang in den Liegestühlen auf dem Holzsteg.

Am Traunsee ist das Angebot an Freizeitaktivitäten gross, die meisten aber liegen tagelang in den Liegestühlen auf dem Holzsteg.

Bild: C. Wagner

Am nächsten Morgen bittet Hoteldirektor Gröller zur Fahrt in einem 1953 gebauten Schnellboot, das James-Bond-Glamour versprüht. Beim Aussteigen sagt er zufrieden: «Wir bieten viel hier, alles ist inbegriffen und leicht zu haben: Stand-up-Paddel, Kanu, Sauna, Angelruten, Yoga, geführte Touren, Fischfiletier-Unterricht, Degustationen – was weiss ich. Aber wissen Sie, was die Leute am liebsten machen? Sie setzen sich auf die Liegestühle, schauen fünf Tage lang den See an und machen nichts.» Fast nichts. Am Abend geht’s ins 4-Hauben Restaurant «Das Bootshaus».

Der Aufenthalt am Traunsee wurde unterstützt vom Hotel Traunsee.

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