Ökologie
Wo gibt es noch echte Wildnis?

Laut einer aktuellen Studie gelten nur noch 3 Prozent der globalen Landfläche als «ökologisch intakt».

Christoph Bopp
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In Sibirien, im Kongobecken, in der Sahara oder im südamerikanischen Regenwald (Bild) finden sich noch Residuen «ökologischer Intaktheit».

In Sibirien, im Kongobecken, in der Sahara oder im südamerikanischen Regenwald (Bild) finden sich noch Residuen «ökologischer Intaktheit».

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Wenn «wild» bedeuten soll, dass das ein Zustand oder ein Ort sein soll, wo Menschen noch nicht waren, wird es schon schwierig, mit dieser Definition etwas anzufangen. Unsere Spezies ist bereits derart erfolgreich, dass es solche Orte wahrscheinlich nicht mehr gibt.

Also hat man an der Definition ein bisschen geschraubt und ist auf die Formulierung «intaktes Habitat» gestossen. Gemeint ist damit, dass es sich um ein Gebiet mit intaktem Ökosystem handelt. «Mittlerweile steht aber fest, dass viele Habitate, die wir noch für unberührt hielten, bereits Arten verloren haben, entweder, weil sie von Menschen ge- oder verjagt oder durch invasive Arten oder Krankheiten ausgelöscht wurden», sagt Andrew Plumtre vom Key Biodiversity Areas Secretariat in Cambridge. Er hat zusammen mit anderen Forschern eine Studie durchgeführt, mit der sie herausfinden wollten, was eigentlich auf dem Planeten noch als «wild» gelten kann.

Keine Menschen bedeutet nicht «ökologisch intakt»

Frühere Studien waren auf 20 bis 40 Prozent der Erdober­fläche gekommen, wo der Mensch noch nicht störte. Keine Siedlungen, menschliche Infrastrukturen wie Strassen und Leitungen, aber auch kein Lärm und keine Lichtverschmutzung. Für dieses Kriterium «intaktes Habitat» nahm man den Zustand des Jahres 1500 als Benchmark.

Die Gruppe definierte noch zwei zusätzliche Kriterien: «Unversehrtheit der Fauna» bedeutet, dass noch alle Tiere da sind, die man erwartet. Und «Funktionale Unversehrtheit» meint, dass der Bestand an Tieren nicht unter ein Level gefallen ist, unter dem das Ökosystem nicht mehr funktioniert.

Wendet man diese drei Kriterien an, findet man, dass nur noch rund 2 bis 3 Prozent der Landfläche darunterfallen und von diesen nur 11 Prozent unter Schutz stehen. Es gibt aber Hoffnung, schreiben die Autoren, es braucht nur die Wiederauswilderung einiger weniger Arten, dann kann der Anteil wieder auf 20 Prozent erhöht werden.

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