Alle paar Minuten ploppt auf der Plattform theworldnews.net ein neuer Beitrag aus der Schweizer Presse auf. Viele stammen aus dieser Zeitung, auch «Blick»-Beiträge oder «20 Minuten»-Geschichten werden aufgenommen.

Die Artikel sind in voller Länge zu lesen, die Quelle ist vermerkt, aber nicht verlinkt. Gleiches geschieht mit Beiträgen aus vielen anderen Ländern. Abertausende von Texten und Bildern werden abgespeichert. Eine gigantische Datenbank internationaler Medienartikel entsteht. Das erklärte Ziel des Projekts: «Eine Welt ohne Fake News».

Die Angaben zur Website sind rudimentär: Die Plattform sei der erste dezentrale News-Aggregator, der auf Blockchain-Technologie basiere. Ein auf Youtube verbreitetes Video (siehe unten) ist etwas ausführlicher: Einmal abgespeichert, seien die Beiträge nicht mehr veränderbar.

Algorithmen würden jeden Versuch einer Abänderung feststellen. Durch einen steten Abgleich werde die Glaubwürdigkeit der Beiträge und der publizierenden Medienunternehmen erkannt. Wie dies vonstattengehen soll, ist das Geheimnis der Macher. Die Medienunternehmen würden daraufhin in «glaubwürdig», «verdächtig» und «unglaubwürdig» klassifiziert. In einer Welt voller Fake News entstehe so eine Plattform mit vertrauenswürdigen Informationen in allen Sprachen.

Noch wenig glaubwürdig ist das Projekt aufgebaut. Angemeldet ist die Domain von einem Provider, der von Panama aus agiert. Das Management sei bei einer US-Gesellschaft World News LLC, die in Florida gemeldet ist. Die Akteure finden sich jedoch in der Ukraine.

Gründer Alexander Shevchenko spricht auf Facebook davon, alle Server seien in den USA, Polen und Deutschland stationiert und damit von der Ukraine aus nicht beeinflussbar. Im erbitterten Informationskrieg zwischen Russland und der Ukraine steht die Plattform deshalb in einem besonderen Brennpunkt des Weltgeschehens – ob allerdings als Gegengift zur oder als Teil einer grassierenden Fake-News-Produktion, die sich vor allem auf Social-Media-Kanälen ausbreitet, ist nicht eindeutig erkennbar.

Vordergründig partizipativ, aber ebenso manipulierbar ist die Finanzierung, die angeblich über Crowdfunding funktioniert. Damit sei das Projekt unabhängig, getragen «von gewöhnlichen Leuten auf der ganzen Welt». Akquiriert werden die Mittel jedoch nicht über eine etablierte Crowdfunding-Plattform, sondern über ein unreguliertes Initial-Coin-Offering (ICO), in dem Dollars in eine Kryptowährung gewechselt werden. Diese Aktion lief Anfang Jahr über Litauen und hat gemäss einschlägigen Portalen immerhin 19 Millionen Dollar eingebracht.

Würde sich «The World News» selbst auf Glaubwürdigkeit testen, hätte sich die Plattform bisher nicht das Label «glaubwürdig» verdient. Zu offenkundig ist die Diskrepanz zwischen versprochener und gelebter Transparenz. Anfragen dieser Zeitung wurden über Wochen nicht beantwortet.