Mode-Getränk
In Zürich, Bern und Basel spriessen Bubble-Tea-Shops aus dem Boden – unsere Kulinarik-Autorin hadert mit dem Trend

Der Modetee aus Südostasien schien seinen Zenit bereits überschritten zu haben. Doch dank TikTok setzt er zum Revival an.

Silvia Schaub
Drucken
Teilen
Bubble-Tea: Die Bällchen werden mit einem extragrossen Halm aufgesogen.

Bubble-Tea: Die Bällchen werden mit einem extragrossen Halm aufgesogen.

Bild: Getty Images

Die Begegnung in Berlin anno 2012 war lediglich ein kleiner Flirt ohne grösseren Erinnerungswert. Damals stellte ich mich in einer der vielen Schlangen an, die sich vor den Bubble-Tea-Shops bildeten, und wollte unbedingt dieses aus Taiwan stammende Getränk aus frischem Schwarz- oder Grüntee, das mit Sirup und Tapiokaperlen wie ein Milkshake aufgeschäumt wird, probieren.

Es blieb bei diesem einen Mal. Das klebrige Teegetränk mit den bunten Bällchen, das man mit einem übergrossen Halm genoss, schmeckte mir definitiv zu künstlich und zu süss. Kurz darauf verschwanden die Shops auch schon wieder, so schnell, wie sie aufgetaucht waren. Wohl vor allem deshalb, weil ein paar negative Studien über das Modegetränk die Runde machten.

Und nun ist der Bubble-Tea doch wieder da! Und zwar noch intensiver als bei der ersten Welle. Wird sich der Trend dieser Drinks vom One-Hit-Wonder zum Bestseller entwickeln? Einiges spricht dafür. Es gibt die Bubble-Teas, die jetzt auch Boba-Boba (was für Bällchen steht) oder Perl-Milk-Tea genannt werden, in vielfältiger Auswahl und mithin etwas gesünder. Zum einen wird weitgehend auf Farb- und Konservierungsstoffe verzichtet. Süss und kalorienreich bleibt der Tee aus Taiwan aber weiterhin.

Immerhin bekommt man ihn manchenorts sogar mit Biozutaten oder als vegane ­Variante. So muss man heute im Bubble-Tea-Shop viele Entscheidungen treffen: kalt oder warm? Assam Tea oder Jasmin Green Tea? Mit Kaffee oder Soda angereichert? Bubble-Pearl, Black Jelly oder Kiwi-Boba? Extra Sweet oder No Sugar?

Nach wie vor zieht Bubble-Tea vor allem bei Jugendlichen. Sie haben das knallbunte Getränk dank der Internetplattform Tiktok innert Kürze zum Star gemacht und den erneuten Boom angeschoben. So ploppen hierzulande die Shops in Zürich, Basel und Bern reihenweise auf.

Vielleicht wird das süsse Getränk auch in unseren Breitengraden bald zu unserer Trinkkultur gehören, wie es in Südostasien schon lange der Fall ist. Schliesslich ist die Verlockung gross, in der aktuellen Situation dem Leben etwas so richtig Ungesundes entgegenzusetzen. Wenn ich es mir so überlege, dann wäre jetzt so ein süsser Aufsteller genau das Richtige.

Aktuelle Nachrichten