Mode
Doku über Designerikone Halston ist ein Hit – auf die zugehörige Kleiderkollektion hat aber niemand gewartet

Discofeeling im Seventieskopie-Gwändli? Sich einmal im Leben wie eine «Halstonette» fühlen? Passt nicht zum aktuellen Lebensgefühl, meint unsere Autorin. Schon gar nicht, wenn da Netflix mitmischelt.

Rahel Koerfgen
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Wenn es nach Netflix geht, lebt die Mode von Halston wieder auf.

Wenn es nach Netflix geht, lebt die Mode von Halston wieder auf.

Bild: Getty

So rasch kann sich das Blatt wenden. Vor wenigen Monaten krähte kein Hahn respektive gackerte kein Huhn mehr nach Roy Halston Frowick; bei vielen selbst ernannten Fashionistas dürfte es beim Namen Halston nicht mal geklingelt haben. Und jetzt plötzlich grosse Aufregung im Stall, weil Netflix eine Miniserie über den visionären Designer, der die amerikanische Luxusmode wie kein anderer prägte, herausgegeben hat.

Zugegeben, es ist ungemein unterhaltsam, in diese Zeit der Drogen, des hemmungs­losen Sex und des ungezügelten Narzissmus im fliessenden Disco-Gwändli der 1970er abzutauchen. Halston, der 1990 an Aids gestorben ist, hat eine solche Hommage verdient. Es ist schön zu sehen, dass der Stammgast des Studio 54 noch heute für Gesprächsstoff sorgt: Seine luftigen, schlicht-exzentrischen Designs hinterlassen bis heute Spuren in der Modewelt. Nach einer, vielleicht zwei Zigarettenlängen (eine Zeiteinheit, die zum halstonschen Lebensgefühl passt) hat sich das Thema allerdings erschöpft.

Aber war ja klar, dass Netflix wie jede andere auch nur halbwegs gewinnorientierte Firma aus dem Rummel so viel Profit wie nur irgend möglich schlagen möchte. So bringt der Streamingdienst im Sommer mit der Marke Halston, die tatsächlich noch existiert, mit dem Modemacher abgesehen vom Namen rein gar nichts mehr zu hat, eine limitierte, einmalige Kollektion auf den Markt. Sie umfasst zehn wallend-glamouröse Abendkleider und ist ab dem 7. Juni vorbestellbar. Ein Teil wird um die 1000 Franken kosten.

Einmal sich wie eine Halsto­nette fühlen – dieser Zustand ist jetzt zum Greifen nah. Aber bevor Sie sich jetzt den 7. Juni im Kalender anstreichen, ein Gedanke: Die Rückbesinnung auf die guten alten Zeiten und deren Protagonisten ist ja ganz nett, aber in einem Jahrhundert, in dem wir den Kleiderkonsum der Umwelt zuliebe deutlich drosseln sollten, scheint eine Kollektion, die einer Zeit huldigt, die vom aktuellen Lebensgefühl her so weit entfernt ist wie ein extrasolarer Planet von der Erde, total von der Spur. Ultrasuede und Seidenjersey sind nicht mehr die Stoffe, aus dem die Träume sind. Sorry Halston.

Hier gehts zum Trailer:

Der neue Netflix-Film über Stardesigner Halston erscheint noch dieses Jahr.

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