Medienkolumne
«This is the end my only friend»: Wer hat die sozialen Medien getötet?

Auf Instagram und Co. sehen wir kaum mehr Fotos von Freunden und viele Kurzvideos von Fremden. Die sozialen Medien sind tot. Wer ist der Mörder?

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Bye bye Instagram?

Bye bye Instagram?

Keystone

Jim Morrison war seiner Zeit voraus: «This is the end my only friend», sang der Frontmann der Doors 1967 voller Melancholie. Es ist der Soundtrack von Instagram: Wenn man da nur noch einen letzten Freund trifft, ist es vorbei mit den sozialen Medien. Und wir stellen verdutzt fest: Jetzt ist es so weit.

Statt Ferienfotos und Foodporn von Freunden bekommen wir nur noch Kurzvideos (aka Reels) von komischen Katzen und tanzenden Teenies zu sehen. Wir fragen uns: Wer hat die sozialen Medien getötet? Nietzsche war es nicht, der hat schon Gott auf dem Gewissen.

Wer denn? Mark Zuckerberg! Schliesslich war es, der den Algorithmus angepasst hat, sodass wir nun Kurzvideos von Fremden sehen statt Bilder von Freunden. Doch das ist zu kurz gedacht. Er hat doch nur auf die Grosswetterlage reagiert und die braute sich in China zusammen.

Ist also Tiktok schuld am Tod der sozialen Medien? Schliesslich hat das chinesische Portal gezeigt, dass erfolgreicher ist, wer statt den freundschaftlichen Verbindungen vertraut, der künstlichen Intelligenz vertraut. Und die sagt: Statt Inhalten von Freunden zeigt lieber komische Katzenvideos und tanzende Teenies! Nun ja... Aber, wenn die Menschen so einfach gestrickt sind, kann ja die künstliche Intelligenz auch nichts dafür.

Jetzt durchfährt es uns wie ein Blitz: Wir selber waren es. Wir haben die sozialen Medien getötet. Wir Mörder! Dann dämmert uns: So schlimm ist das nicht. Ohne soziale Medien lebt es sich wohl so unbeschwert wie ohne Gott.