Medienkolumne
Bei «Tschugger» blicken SRF-Zuschauer in die Röhre – Die Serie läuft zuerst auf einem kostenpflichtigen Streaming-Portal

Während auf dem kostenpflichtigen Streaming-Portal Sky Schweiz die zweite Staffel der SRF-Serie «Tschugger zu sehen ist, müssen sich Fernsehzuschauerinnen noch drei Monate gedulden. Was das mit der Lex Netflix zu tun hat.

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Polizist Bux wittert bestimmt einen krummen Deal.

Polizist Bux wittert bestimmt einen krummen Deal.

SRF

Schräg und abgedreht, mit viel schwarzem Humor gespickt und kompromisslos rasant erzählt: Das ist «Tschugger», eine Serie wie es sie das Schweizer Fernsehen noch nie produziert hat. Bei Publikum und bei Kritikern kam die Produktion gut an. Klar gibt es eine zweite Staffel. Seit dieser Woche steht sie bereit. Allerdings nicht auf SRF, sondern auf dem kostenpflichtigen Streaming-Dienst Sky Schweiz.

Die Gebührenzahler müssen sich drei weitere Monate gedulden, bis das SRF die zweite Staffel von «Tschugger» im Fernsehen zeigt und auf das eigene Portal Play Suisse stellt. Das mag man stossend finden. Schliesslich hat das SRF die Hauptkosten der Produktion übernommen. Ein krummer Deal, wie ihn Polizist Bux, der Hauptdarsteller der Serie, im Wallis aufdecken könnte?

Nein, viel mehr ein neues Modell, wie wir es seit der Annahme des Lex Netflix wohl noch häufiger sehen werden. Um die obligaten 4 Prozent des in der Schweiz erwirtschafteten Umsatzes ins hiesige Filmschafen zu investieren, werden Netflix und Co. wohl kaum Schweizer Serien einkaufen, die hierzulande schon alle gesehen haben. Eigenproduktionen sind riskant. Eine Zusammenarbeit mit dem SRF ist da willkommen – vorausgesetzt, man kann die Serien zuerst zeigen.

Im Film- und Serienbusiness hat sich mit dem Aufkommen des Internets viel geändert. Doch eines ist geblieben. Das Fernsehen steht zu hinterst in der Verwertungskette.