Kanada

«Wir sind nicht hier, um die Umwelt zu verletzen»: Eisberg-Jäger auf der Pirsch

«Wir sind nicht hier, um die Umwelt zu verletzen»: Eisberg-Jäger auf der Pirsch

«Die Eisberge werden in ein paar Wochen sowieso schmelzen»: Eisbergjäger Edward Kean.

Vergangene Woche machte ein Produkt in den Regalen von Schweizer Detailhändlern von sich reden: teures Trinkwasser aus geschmolzenen Eisbergen. Dieses Video zeigt, wie im Nordatlantik vor der Küste Kanadas nach dem weissen Gold «gejagt» wird.

Edward Kean ist Eisbergjäger. Jeden Morgen verlässt der Kanadier den Hafen, um im Nordatlantik nach Eisstücken zu suchen, die am grönländischen Gletscher abgebrochen sind. Er sammelt die Brocken ein und verkauft deren Wasser.

Es ist ein Geschäftsmodell, das sich schon seit 20 Jahren auszahlt. Das Eiswasser können die Eisbergjäger an lokale Firmen zu einem stattlichen Preis verkaufen: einen Dollar erhalten sie pro Liter.

Das Eisbergwasser wird nicht nur als Trinkwasser verkauft, sondern etwa auch zu Schnaps weiterverarbeitet. Es gilt so oder so als besonders rein. Kurios dabei: Mit der Klimaerwärumung ist die Nachfrage nach solchen Produkten stark gestiegen.

Die Firma «Dyno-Pro» macht damit ein gutes Geschäft. «Wir verschiffen das Produkt nach Europa, China, Singapur, Dubai. Immer mehr Kunden kommen hinzu», sagt Firmenchef Kerry Chaulk. 

«Friedlich in die Natur zurückkehren»

Auch in der Schweiz sind Produkte aus Eisberg-Wasser erhältlich. Vergangene Woche trat eine «20 Minuten»-Leserin eine Diskussion los, nachdem sie eine 0,75 Liter-Flasche Eisberg-Wasser zum Preis von 9.95 Franken gesichtet und sich empört hatte.

Manor-Sprecher Fabian Hildbrand versicherte daraufhin, das Wasser werde nicht extra geschmolzen, das Produkt bestehe aus abgebrochenem Eis, das eingesammelt werde. 

Auch Eisbergjäger Edward Kean sagt: «Die Eisberge werden in ein paar Wochen sowieso schmelzen und friedlich in die Natur zurückkehren. Wir sind nicht hier, um die Natur zu verletzen.»

Und so ist die Jagd nach dem weissen Gold ein Rennen gegen die Zeit: Oft schmelzen die Eisbrocken, bevor sie entdeckt werden. Und der Job der Eisbergjäger ist über kurz oder lang einer mit Ablaufdatum: Laut Experten erwärmt sich die Arktis dreimal schneller als der Rest des Planten. (SRF/smo)

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