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Wer sich einwickelt, kann länger draussen bleiben: Wolldecken sind das Trendaccessoire dieses Modeherbsts

Wolldecken-Outift von Marc`o Polo

Wolldecken-Outift von Marc`o Polo

Wegen Corona sind wir diesen Herbst  häufiger draussen als in Innenräumen. Das könnte ein Moderevival für tragbare Wolldecken bedeuten.

Auf den Stühlen der Gartenbeiz stapeln sie sich schon: kariert, gestreift, flauschig bis kratzig und stets bereit, um über zitternde Knie und kalte Füsse geschlungen zu werden. Wolldecken in allen Farben und Varianten werden uns diesen Winter oft begegnen. Denn während die Coronaviren in den überheizten Räumen besonders gerne ihr Unwesen treiben, sitzen wir frierend draussen. In der Gartenbeiz im November (wenn der Heizpilz aussteigt), im unterkühlten Zug im Dezember, in der etwas zu gut durchlüfteten Stube bei Freunden, im eigenen Garten rund um den Silvesterfunken.

Damit Sie uns nicht falsch verstehen: Wolldecken eignen sich absolut nicht als Virenschutzschilder. Sie sollten sich trotzdem ein besonders schönes Modell zulegen, denn egal, ob Sie sich zu Hause auf der Couch einkuscheln oder draussen für alle Gelegenheiten modisch wie klimatisch gerüstet sein wollen, eine echte Wolldecke ist diesen Winter jeden Franken wert.

Vom Sofa direkt auf den Laufsteg

Ein bisschen unfreiwillig kommt das Deckenrevival, zugegeben. Dass Wolldecken durchaus mehr draufhaben, als in Berghütten Käsefüsse zu wärmen, haben Designer aber schon lange vor der Pandemie entdeckt. 2014 war es, als Burberry Models mit karierten Decken über den Laufsteg schickte, die aussahen, als hätten die Frauen diese gerade vom Sofa aus über ihre Schultern geworfen. «Blanket Coats» wurde der Trend damals getauft. Und plötzlich sah man überall Damen, die in riesige Decken oder Schals gewickelt durch die Innenstädte trippelten.

Labels wie Roberto Cavalli, Tod’s, Chloé und Etro zogen nach und verfeinerten den Trend, indem sie in die Wolldecken Löcher für Arme und Kopf schnitten und so Ponchos, Pelerinen und Wolldecken-Capes entwarfen.

Cape mit offenen Ärmeln  uind Lederschnalle von Chloé

Cape mit offenen Ärmeln uind Lederschnalle von Chloé

Und schon sind wir mittendrin im modischen Decken-Durcheinander. Cape, Poncho, XXL-Schals und Wolldecke, alles das Gleiche? Oder doch nicht ganz? Die Löcher und die Grösse des Tuchs machen den Unterschied. Das Cape hat typischerweise zwei Schlitze für die Arme. Der Poncho nur ein Loch für den Kopf.

Offene Capes ohne Armschlitze, die einfach nur lässig über die Schultern gehängt werden, gehen auch als Riesenschals durch. Und vor allem diese lässigen Cap-Modelle versuchen Designer immer wieder an die Frau zu bringen. Von Gucci über Stella McCartney bis Fendi bedruckten letzte Saison alle grossen Modehäuser solche Überwürfe mit ihrem riesigen Logos.

Mal auf Taille gegürtet, mal lässig über einen Trenchcoat geworfen, mal bunt und luftig. Angekommen auf hiesigen Strassen ist das Cape bislang nicht. Zu viel Superwoman-Attitüde wohnt den Umhängen bislang inne. Unauffällig zum Bäcker spazieren kann man damit eher nicht. So simpel das Tuch, so gekonnt muss es die Trägerin über die Schulter werfen – und mit Haltung dafür sorgen, dass es dort bleibt.

Kein Wunder, trugen vor einigen Jahrhunderten Königinnen und Könige traditionell Capes aus edlem Zwirn, um damit ihre majestätische Würde zur Schau zu stellen.

Langlebige Naturfasern haben ihren Preis Apropos Zwirn: Das Material ist bei den Wolldecken, ob für das Sofa oder die Waldparty, entscheidend. Und hat seinen Preis. Was sich Wolldecke nennt, sollte auch aus solcher sein. Sprich aus einer tierischen Faser, die Feuchtigkeit aufnehmen kann und die kalte Luft draussen hält.

Der Klassiker: Die Militärdecke aus Schurwolle

Der Klassiker dafür ist die Schurwolle aus Schaf- oder Lammwolle. Schweizer Militärdecken sind zu 90 Prozent daraus gewebt. Ihre Langlebigkeit ist so legendär wie das Design der Decken mit dem weissen Kreuz. Dafür wird Schafwolle benutzt, die zuvor nie einem Fertigungsprozess ausgesetzt war. Etwas kratzig das Ganze, aber die knapp 90 Franken für das Original wert.

Wer es weicher und kuscheliger haben möchte, der greift zu Mohair-, Kamelhaar- oder Alpakadecken. Letztere gehört zu den edelsten Wollsorten der Welt. Stoffe aus diesem Material sind unglaublich weich und fünfmal wärmer als Decken aus Schafwolle. Bewährt haben sich (auch preislich) Kombinationen aus verschiedenen Wollarten.

Übrigens, wenn die Decke oder das Cape nach einiger Zeit kleine Knötchen bildet, sieht das zwar nicht so schön aus, ist aber ein Hinweis auf die gute Qualität. Also nicht aufregen, sondern gemütlich daran zupfen, während Sie gut eingehüllt auf den Glühwein warten.

Autor

Katja Fischer De Santi

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