Umgestaltung angeregt

Viele Schweizer Spielplätze sind nicht mehr zeitgemäss – Pro Juventute sagt, warum

Mit den neuen Richtlinien will Pro Juventute ein Umdenken in der Gestaltung von Spielplätzen anregen.

Mit den neuen Richtlinien will Pro Juventute ein Umdenken in der Gestaltung von Spielplätzen anregen.

Pro Juventute regt ein Umdenken bei der Gestaltung von Spielplätzen an. Die Stiftung veröffentlicht Richtlinien für Gemeinden und spricht nicht mehr von Spielplätzen, sondern von «Spielräumen».

Sie gehören fest zum Inventar eines jeden Schweizer Spielplatzes: Die Rutsche, die Schaukel (besser bekannt unter dem Dialekt-Wort «Riitiseili») und das «Gigampfi» – zu Deutsch die Wippe. In den besser betuchten Quartieren mag ein Sandkasten hinzukommen oder ein Klettergerüst. Abgerundet wird die Komposition zumeist mit zwei, drei Zuschauer-Bänkli für die Erwachsenen.

Diese Realität der Schweizer Spielplätze stellt Pro Juventute mit einem neuen Leitfaden zur Gestaltung von Spielplätzen in Frage. Die Stiftung veröffentlicht fünf Richtlinien, an denen sich Gemeinden und Grundeigentümer bei der Gestaltung von Spielplätzen orientieren können.

Erste Richtlinien stammen aus den 1970-Jahren

Laut Petra Stocker, die an der Erarbeitung der Richtlinien beteiligt war, hat Pro Juventute eine lange Tradition in der Gestaltung von Spielplätzen. «Die ersten Richtlinien stammen aus den 1970-Jahren und entsprechen nicht mehr den heutigen Bedürfnissen», sagt sie. Die Stiftung hat deshalb in den letzten Monaten die aktuelle Gestaltung von Spielplätzen in der Schweiz unter die Lupe genommen.

Der Befund: «Oft werden Spielplätze am Schluss einer Überbauung auf einer Restfläche gemacht», sagt Stocker. Sie seien meist etwas abgeschottet und rundherum von Sitzbänken umgeben. «Zudem gibt es wenig bewegbare Teile und das Rutschen und Schaukeln wird schnell langweilig», so Stocker. Obwohl es in der letzten Zeit auch positive Entwicklungen gegeben habe, wie etwa der vermehrte Einsatz von naturnahen Materialien wie Holz statt Plastik, müsse nun ein Umdenken stattfinden.

Verschiedene Spielräume sollen ein System bilden

Dass es um ein Umdenken, nicht nur um ein Aufhübschen gehen soll, zeigt schon das Vokabular der Broschüre. So ist nicht mehr von Spielplätzen die Rede, sondern von «Spielräumen». Stocker:

So zielen denn auch die fünf Richtlinien in diese Richtung. Pro Juventute regt zum Beispiel an, dass das gesamte Wohnumfeld kinderfreundlich gestalten werden soll. Sportplätze, Schulanlagen, Spielwiesen und andere Aufenthaltsorte sollen ein System bilden und durch ein sicheres Wegnetz verbunden sein. So können Kinder ein Quartier selbständig erkunden. Die Spielräume sollen zudem naturnah gestaltet sein. Ein grosser Baum etwa kann Atmosphäre und Wiedererkennung bieten. Spielräume sollen ausserdem so gestaltet werden, dass sich auch Jugendliche und ältere Menschen gerne dort aufhalten.

Die Pro Juventute-Richtlinien zielen allein auf die Erhöhung der Spielqualität ab. Für die Sicherheitsaspekte eines Spielplatzes gibt es Richtlinien der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU).

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