Bei Waldbränden wie in diesem Sommer im Westen der USA kämpfen viele Feuerwehrleute bis zum Umfallen gegen Tod und Verwüstung. Und werden die schrecklichen Bilder nicht wieder los.

"Es gibt Feuerwehrleute, die zwölf bis 36 Stunden am Stück an der Feuerfront kämpfen, bis zur körperlichen Erschöpfung. Und sie sind auch emotional erschöpft, weil in den Flammen Feuerwehrleute sterben", sagt Feuerwehrchef Tony Bommarito in Yorba Linda, 65 Kilometer südlich von Los Angeles.

Kalifornien ist einer der am schlimmsten betroffenen Bundesstaaten, dort starben in diesem Jahr bereits fünf Einsatzkräfte, im ganzen Land nach offiziellen Zahlen 64. Hinzu kommen nach Angaben von Jeff Dill von der Hilfsorganisation Firefighter Behavioral Health Alliance (FBHA) 45 Feuerwehrleute, die sich das Leben nahmen.

"Wir sind keine Superhelden", sagt Dill. "Jeder stösst an seine Grenzen. Von uns wird erwartet, dass wir tapfer, stark und mutig helfen und nicht selbst nach Hilfe fragen."

Langer Weg zurück ins Leben

Auch Shobert war kurz davor, von einer Brücke zu springen, bevor er sich an den pensionierten Feuerwehrmann Dill wandte. Die Gedanken an seinen fast tödlichen Unfall im Sommer 2014 gingen ihm nicht aus dem Kopf.

Damals überwachte Shobert die Entfernung von trockenem Gestrüpp, als plötzlich die Klinge eines grossen Mähers auf einen Felsen schlug und wie eine Rakete in Shoberts Kiefer schleuderte - der Mann am Mäher bekam davon nichts mit.

Als Shobert aus seiner Ohnmacht erwachte, musste er sich blutüberströmt hunderte von Metern zu seinem Pick-Up schleppen, um Hilfe zu holen. Dieser Unfall hat ihn traumatisiert: "Ich musste mein eigenes Leben retten. Nach 30 Jahren im Dienst mit Tod und Zerstörung denke ich, dass alles wieder hochkam."

Als Shobert nach langer Genesungsphase zur Arbeit zurückkehrte, schwankte er zwischen Traurigkeit und Wut. "Mir wurde klar, dass ich in Rente gehen musste. 30 Jahre lang war es meine Leidenschaft, mein Hobby, alles, was ich tat. Und innerhalb einer Sekunde war alles weg."

Beim heute 56-Jährigen wurde eine Posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Seither nimmt er Medikamente und ist in Therapie, aber der Weg zurück ins Leben ist noch lang: "Mir geht es noch immer schlecht, aber jetzt habe ich wenigstens Werkzeug an der Hand, wie ich damit umgehen kann."

Hohe Dunkelziffer

Dill zählte in den vergangenen 20 Jahren 1200 Suizide, 97 davon im Jahr 2017. Nach seiner Einschätzung macht dies jedoch nur 40 Prozent aller Fälle aus, weil seine Statistik lediglich auf Angaben von Angehörigen und Freunden der Opfer beruht.

Den Anstoss für sein Engagement gab der Hurrikan Katrina 2005. Als die Einsatzkräfte damals in ihre Baracken in New Orleans zurückkehrten, sei nur unzureichende Nachsorge angeboten worden. Damals begann Dill seine Ausbildung zum psychologischen Berater.

Inzwischen kümmern sich die Feuerwachen stärker um die psychische Gesundheit der Einsatzkräfte. Dill hat sein Haus verkauf und tourt nun mit einem Wohnwagen durchs Land, um für die Posttraumatische Belastungsstörung zu sensibilisieren. Als er die Feuerwache in Yorba Linda verlässt, erhält er die Nachricht von einem weiteren Suizid.