Coronavirus

Schäden an Hoden und Spermien – wird das Coronavirus auch durch Geschlechtsverkehr übertragen?

Weniger Spermien, weniger Beweglichkeit - einen Monat nach der Covid-Diagnose sieht es in der Samenflüssigkeit nicht gut aus (Symbolbild).

Weniger Spermien, weniger Beweglichkeit - einen Monat nach der Covid-Diagnose sieht es in der Samenflüssigkeit nicht gut aus (Symbolbild).

Die neuen Coronaviren können an gewissen Hodenzellen andocken. Das Virus kann sogar in der Samenflüssigkeit nachgewiesen werden.

Mittlere und schwere Covid-19-Infektionen schädigen die Spermien. Das bestätigt eine noch nicht publizierte Übersichtsstudie aus Israel. Männer haben demnach bei mittleren und schweren Verläufen der Erkrankung einen Monat nach der Diagnose nur halb so viel Ejakulationsflüssigkeit wie normal und darin nur halb so viele Spermien pro Milliliter. Auch die Beweglichkeit der Spermien sei um die Hälfte reduziert, berichtet die Onlinezeitung «The Times of Israel».

Da die Spermienproduktion 70 bis 75 Tage dauere, sähe es nach zweieinhalb Monaten möglicherweise sogar noch schlimmer aus, sagte Studienautor Dan Aderka gegenüber der «Jerusalem Post». Unklar ist aber, ob sich die Spermienproduktion später erholt. Noch gibt es keine längerfristigen Untersuchungen dazu.

Bei einigen Covid-19-Patienten konnte das neue Coronavirus in der Akutphase oder während der Genesung sogar direkt in der Samenflüssigkeit nachgewiesen werden. Das muss aber nicht bedeuten, dass die Krankheit auf diesem Weg auch übertragen wird.

Andere Viren können sogar komplett unfruchtbar machen

Bisherige Studien hatten zum Einfluss des neuen Coronavirus auf Spermien widersprüchliche Resultate geliefert. Teilweise basierten sie auf sehr kleinen Fallzahlen. Der Krebsspezialist Dan Aderka vom Sheba Medical Center, dem grössten Spital in Israel, hat deshalb die Resultate von vierzig bereits erschienenen Studien zusammengenommen, um daraus Schlüsse zu ziehen.

Er vermutet, dass nicht nur die Spermien, sondern auch die Hoden selber geschädigt werden können. Derartige Schäden waren an den Hoden von einigen verstorbenen Patienten in China sichtbar. Ähnliche Komplikationen sind von anderen Viren bekannt. So kann Mumps bei erwachsenen Männern zu Hodenentzündungen und letztlich zu Unfruchtbarkeit führen. Auch bei der Sars-Epidemie in den Jahren 2002/2003, die von einem mit dem aktuellen Coronavirus verwandten Erreger ausging, wurde von Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit berichtet.

Virus-Andockstellen auf den Hodenzellen

Bereits im Februar hatten Forscher der Nanjing Medical University in China in der Vorabversion einer Studie die Vermutung geäussert, dass auch das neue Coronavirus die Hoden schädigen könne. Auf der Oberfläche bestimmter Hodenzellen sind dieselben Andockstellen für das Virus zu finden wie beispielsweise in der Lunge und den Nieren.

Die gute Nachricht: Die Qualität und Menge der Spermien nimmt nur bei mittleren und schweren Verläufen der Krankheit ab. Bei leichtem Verlauf ist die Fruchtbarkeit nach aktuellem Stand der Forschung nicht beeinträchtigt.

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