Acht Geheimtipps

Reisen und dabei fast keine Menschen treffen: Unsere Redaktoren verraten ihre liebsten Insider-Destinationen

Ein Badetuch neben dem anderen, das entsprach noch nie den Ferienträumen. In diesem Sommer ist wegen der Coronapandemie Distanz noch wichtiger, um die Ferien geniessen zu können. Acht Ideen für Reiseziele in Europa fernab der Massen.

Dem Zauber der Ostsee erliegen in Fischland-Darss-Zingst (Deutschland)

Dem Zauber der Ostsee erliegen in Fischland-Darss-Zingst

Dem Zauber der Ostsee erliegen in Fischland-Darss-Zingst

Auf den kleinen Landstrich an der Ostsee bin ich neugierig geworden, nachdem ich die Ostsee-Trilogie der deutschen Autorin Patricia Koelle gelesen hatte. Sofort war die dreiteilige Halbinsel Fischland-Darss-Zingst Ziel der nächsten Ferienreise. Im Hotel-Café Namenlos im kleinen Ort Ahrenshoop wollte ich einen Kaffee trinken.

Unter der Weite des Himmels das Rauschen der Wellen der Ostsee geniessen und die reetgedeckten Häuser von Ahrenshoop bestaunen, es den Protagonisten in der Buchreihe gleichtun. Ich hab’s getan, bin in die Lebenswelten von Carly, Tiryn und Ylvi eingetaucht … und wäre am liebsten geblieben.

Auf der 45 Kilometer langen Halbinsel an der Ostseeküste zwischen Rostock und Stralsund habe ich meine Zehen in den warmen Sand am Strand gesteckt, bin zu Fuss durch die weitläufige Lagunenlandschaft mit ihren Stränden, Dünen, Mooren und Wäldern gestreift und habe mir auf dem Velo die frische Brise um die Ohren wehen lassen. Das Radwegnetz ist sehr gut ausgebaut. Ein herrlicher Flecken Erde. Ruth Steiner

Trekking auf königlichem Jagdweg im Piemont (Italien)

© S. Kuster

Fünf Tage lang wandern und nur zwei Menschen begegnen – das schafft man in der Schweiz nicht. Doch ennet der Grenze auf der piemontesischen Seite des Nationalparks Gran Paradiso sind die Berge noch wirklich einsam. Auf der Alta Via delle Canavese wanderten wir einst den Steinböcken hinterher und teilweise auf den noch sichtbar trassierten Jagdwegen von König Vittorio Emanuele II. Die Landschaft dieser Wanderung bleibt in der Erinnerung ein Sehnsuchtsort.

Die gesamte Runde besteht aus zwölf Etappen und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Wir starteten gemäss der Tour 21 im Buch «Piemont Nord» (Bergverlag Rother) auf dem Colle del Nivolet auf 2604 Metern mit einer Übernachtung im Rifugio «Città di Chivasso». Es nieselte auf den 13 km (700 hm) bis zum Bivacco Giraudo, in dessen Blechschachtel wir uns quetschten.

Ab Tag 2 wurde es zauberhaft: 14 km (850 hm) über grosse Gesteinsbrocken (Ende des Königswegs, schwierigere Orientierung) bis in die Nähe des Bivacco Ivrea. Tag 3: Wanderung zum Anfang des Lago dei Valsoera. Tag 4: Übernachten oberhalb des Lago d’Eugio an einem herzigen Bergsee. Tag 5: Entlang eines ausgesetzten Pfades (nur bei trockenem Wetter) über einen Pass nach Talosio oder einfacher hinunter nach Locana. Sabine Kuster

Laissez faire in Montpellier (Frankreich)

Dichtestress gibt es auch mitten im Juli nicht. Die Stadt ist zu wenig bekannt und liegt nicht direkt am Meer. Und doch gehört der Ort zu den lebenswertesten Städten in Südfrankreich und wird mit rund 300 Sonnentagen pro Jahr verwöhnt. Ich habe viele französische Städte gesehen, keine hinterliess einen so bleibenden Eindruck wie Montpellier. Ich bin verliebt in die Altstadt: Mittelalterliche Viertel treffen auf modernste Architektur.

Die Place de la Comédie mit dem Brunnen der drei Grazien ist das Zentrum. Es duftet nach Meersalz, Käse, Crêpes und Lavendelkissen. Ich spazierte durch die Gassen, in denen sich Boutiquen, Handwerksbetriebe, Restaurants und historische Sehenswürdigkeiten finden.

Restauranttipp für Fleischliebhaber: Le Couperet. Wer genug vom Stadtflair hat, fährt mit der Tramlinie 3 an die Mittelmeerküste. Der Badeort Palavas-les-Flots mit seinem langen Sandstrand ist innerhalb weniger Minuten erreichbar. Der Jachthafen und die bunten Häuser verleihen der Umgebung einen unglaublichen Charme. Andrea Husistein

Wildcampen ist erlaubt in Gjipe Beach (Albanien)

© S. Schumacher

Campingferien in Albanien sind kein Geheimtipp mehr. Nicht zuletzt wegen der Luxus-Campingplätze wie dem Lake Shkodra Resort im Norden des Landes. Auch Wildcampen ist in Albanien hoch im Kurs. Im Gegensatz zu anderen Balkanstaaten ist das freie Stehen hier offiziell nicht verboten, solange man sich nicht in Nationalparks oder auf Privatgrundstücken hinstellt. Für alle mit einem eigenen Zelt oder einem Wohnmobil bieten sich in dem wunderschönen Land deshalb fast unbegrenzte Möglichkeiten.

Zu den schönsten Szenerien Albaniens gehört der Strand Gjipe nahe der Kleinstadt Himara (wo man bei der Schweizer Gastgeberin Tanja im Fischrestaurant Merluc hervorragend speisen kann). Unmittelbar hinter der Traumbucht öffnet sich ein Canyon mit einem wilden Süsswasserbach.

In den Wäldern oberhalb der Klippe gibt es schöne Wildcamping-Spots. Zum Strand hinunterfahren sollte man allerdings nur mit einem 4×4-Fahrzeug. Der Spaziergang vom offiziellen Parkplatz aus dauert 30 Minuten. Samuel Schumacher

Saunieren im Sommerhäuschen bei der Finnischen Seenplatte (Finnland)

© S. Kuster, S. Schumacher, C. Martelet, Getty Images, Imago, Shutterstock

In Zeiten von Covid-19 ist die finnische Seenplatte das ideale Reiseziel. Hier ist Social Distancing nicht nur ein Schlagwort während der Coronavirus-Pandemie, sondern praktisch naturgegeben. Im Südosten Finnlands dominieren Wälder und ein Netz Zigtausender kleinerer und grösserer Seen das Bild. Mitmenschen trifft man hier nur sehr selten an – und wenn, dann vornehmlich in den meistens eher kleineren Ortschaften.

Auf den gängigen Vermittlungsplattformen gibt es unzählige sogenannte Mökki (Sommerhäuser) im Angebot. Die meisten der oft sehr einfachen Unterkünfte sind mit dem Mietwagen von der Hauptstadt Helsinki aus innerhalb drei bis sechs Fahrstunden erreichbar.

Das Städtchen Mikkeli eignet sich gut als Ausgangspunkt für eine Suche nach freien Sommerhäusern. Und das Beste: Neben ausgedehnten Wanderungen kann man wunderbar saunieren. Denn es gibt kaum ein Sommerhaus, das nicht über eine eigene kleine, mit Holz beheizbare Sauna – meist direkt am See – verfügt. Dean Fuss

Der Rhone entlang in Genf–Lyon (Frankreich)

© S. Kuster, S. Schumacher, C. Martelet, Getty Images, Imago, Shutterstock

In unserem kleinen Land könnte es eng werden. So lange die Reisefreiheit eingeschränkt ist, werden sich zwar auf dem Jungfraujoch und der Kapellbrücke weniger Menschen tummeln. Aber die Velowege entlang der Schweizer Seen und Flüsse dürften aus allen Nähten platzen. Wer dem entgehen will, muss über die Grenze fahren. Gut ausgebaut sind zum Beispiel die Radwege von Genf aus der Rhone entlang nach Lyon.

Wie es Flussrouten so an sich haben, geht es kaum je aufwärts, sondern alles in allem leicht abwärts. Oft wird die Route über einsame Dämme ohne Autos dem Fluss entlang geführt. Damit ist die Tour auch für Familien mit kleineren Kindern interessant. Die rund 260 Kilometer lassen sich in kürzere Etappen aufteilen.

Etappenorte sind kleine Städtchen wie Seyssel und Belley, die zum Bummeln einladen. Wer ein paar freie Tage hat, spart sie am besten für Lyon auf. Auch da eignet sich das Velo durchaus, um die Läden und Boutiquen zu entdecken. Niklaus Salzmann

Ab ins Spätmittelalter in Korcula (Kroatien)

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Die kroatische Küste ist natürlich kein Geheimtipp mehr. Die Städte Dubrovnik und Split werden jeden Sommer von Touristen überlaufen. Aber dazwischen ragen eine Handvoll Inseln aus dem Meer heraus, die teils weniger magnetisch wirken.

Eine von ihnen ist Korcula mit dem gleichnamigen Städtchen, das, so scheint es, im späten Mittelalter stehen geblieben ist. Es liegt auf einer Halbinsel, fast gänzlich vom Meer umspült. Auf wenigen Quadratmetern kreuzen sich hier enge Gässchen zu einem lebendigen Wirrwarr, das den Besucher regelrecht in sich aufsaugt. Die Stadtmauer rundherum ist bestens erhalten. Unbedingt auf den Turm am äussersten Zipfel der Landmasse steigen und in der Bar Massimo einen Cocktail zum Sonnenuntergang geniessen.

Kleine Steinstrände um die Stadt herum laden zum Baden ein. Hügel spornen zum Wandern und Mountainbiken an. Und, ach ja, Korcula ist angeblich die Geburtsstädte des grossen Reisenden Marco Polo. Wirklich historisch belegt ist das zwar nicht, aber es gibt einem ein hübsches Rätsel mit auf den Weg, dem man immer wieder begegnet, wenn man durch das Städtchen schlendert. Raffael Schuppisser

Teilautonome Einsamkeit auf den Åland-Inseln (Finnland)

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Die Libellen, die zu Hunderten auf den schmalen Strässchen der Insel Lappo kleben, geben der heilen Welt am südwestlichen Zipfel Finnlands etwas Morbides. Die farbigen Tiere hocken sich wohl in der Hoffnung auf ein bisschen Wärme auf den Teer und geniessen die Ruhe – bis dann doch einmal ein Auto vorbeirauscht und sie zerquetscht.

Doch das passiert auf den Åland-Inseln eigentlich äusserst selten. Die knapp 30 000 Menschen, die sich die 7000 teilautonomen Inseln teilen, leben in einer der einsamsten Gegenden Europas. Im 17. Jahrhundert führte hier eine der Haupthandelsrouten Skandinaviens vorbei.

Die Fähren, die die Inseln noch heute miteinander verbinden und Touristen mitnehmen, sind das letzte Überbleibsel dieser goldenen Zeit. Ansonsten wirkt die Gegend wie ein riesiges Puzzle, dessen Teile jemand über die nördliche Ostsee verschüttet und vergessen hat. Wunderbar einsam ist es hier – und flach: Ideal also für Velotouren. Samuel Schumacher

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