Kolumne

Im Dschungelcamp sitzen Ex-Politiker und Rabenmütter am Lagerfeuer

Ziemlich gelangweilt: Elena Miras und Daniela Büchner im Dschungelcamp

Ziemlich gelangweilt: Elena Miras und Daniela Büchner im Dschungelcamp

Der australische Wald brennt und mitten drin sitzen 12 deutsche C-Prominente und regen sich über eine Witwe auf, die ihnen Sendezeit streitig macht.

So könnte man die aktuelle Ausgabe der TV-Realityshow «Das Dschungelcamp» zusammenfassen. Es sind brenzlige Zeiten für den ausrichtenden Sender RTL. Zum Auftakt am Freitag hatte man darum mal schnell 100 000 Euro für die Betroffenen der Katastrophe in Australien gespendet. Allzu grosszügig ist das nicht, wenn man bedenkt, dass der Sender mit einem einzigen Werbespot 95000 Euro verdient. Man muss dieses Ur-Format der Reality-TV-Welt auch gar nicht gut finden, um es zumindest als modernen Ritus zu würdigen. In der grünen Arena werden Promis, die man nicht einmal mehr vom Hörensagen kennt, dem Publikum vorgeführt, respektive sie führen sich allesamt selber vor. Denn erst die Eigenschaft zur Selbstentblössung qualifiziert sie für das Format.

Die Schweizerin Elena Miras kämpft im TV-Dschungel um Aufmerksamkeit.

Die Schweizerin Elena Miras kämpft im TV-Dschungel um Aufmerksamkeit.

Zu den sehr gut qualifizierten gehört dieses Jahr auch eine Schweizerin. Elena Miras, 27, aus Zürich, bekannt für ihren durchtrainierten Körper und ihre grosse Klappe. Beides hat sie schon in zwei anderen Reality-TV-Sendungen unter Beweis gestellt. Mit ihrer «Love Island»-Liebe Mike Heiter hat sie nach eigenen Angaben nach nur einmal Sex ein Kind gezeugt. Und wie es sich für eine selbstständige Frau gehört, arbeitet sich auch als Mutter weiter. Und unter Arbeiten versteht Elena Miras jedoch vor einer Kamera zu lästern und zu fluchen. Das hat sie gelernt und irgendwer muss ja den Brei für die einjährige Aylen bezahlen.

Shitstorm über Elena

Weil aber die Welt des Reality-TVs keine besonders progressive ist – Frauen werden da schon noch sehr für ihren dekorativen und mütterlichen Wert geschätzt – entlud sich sogleich ein Shitstorm über Elena. Was für eine Rabenmutter sie sei, das Kind bei den Grosseltern in der Schweiz zu lassen. Nun, Elena blieb cool, und versprach im Namen ihrer Tochter umso härter (um Aufmerksamkeit) zu «kämpfen».

Ein anderer, wollte sich auch zurückkämpfen, musste aber schon noch einem Tag kapitulieren. Der deutsche Ex-Bundesverkehrsminister Günther Krause war ins Dschungelcamp gezogen, um wie er sich im Vorfeld zitieren lies: «Aufklärung zu betreiben und das Niveau der Sendung zu heben.» Was er genau aufklären wollte, wird die TV-Welt nun leider nie erfahren. Nach einem Schwächeanfall zog ihn RTL von den Kameras weg. Ein Mann allein ist zu schwach, um das Niveau dieser Sendung auch nur über die Gürtellinie zu heben.

Autor

Katja Fischer De Santi

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