Pestizide

Ihnen schadet die Abnahme der Biodiversität am meisten: Vögel werden immer seltener

In Mitteleuropa ausgestorben: Der spatzenähnliche Rotkopfwürger.

In Mitteleuropa ausgestorben: Der spatzenähnliche Rotkopfwürger.

Der Einsatz von Pestiziden und Dünger hat die Vielfalt der Arten schwinden lassen. Das sieht man vor allem bei Tier- und Pflanzenarten, die ökologische Nischen bewohnen.

Das letzte Brutpaar des Rotkopfwürgers hat man im Jahr 2009 gesehen. Der Vogel baut seine Neste in Hochstammbäume.

Doch viele Hochstämmer sind gefällt worden oder Monokulturen gewichen, der Vogel ist in der Schweiz ausgestorben. So wie der Grosse Brachvogel, der Feuchtgebiete als Lebensraum braucht. Das Fehlen der Vögel weist darauf hin, dass sich der Zustand der Biodiversität verschlechtert.

Wo Vögel unter Druck kommen, sind oft auch andere Tier- und Pflanzen­arten gefährdet. «Vögel sind ein Spiegel der Umwelt», sagt Livio Rey von der Vogelwarte Sempach. Sie zeigen, dass es um den Artenreichtum in der Schweiz nicht gut bestellt ist. Die Situation allerdings ist je nach Lebensraum der Vögel unterschiedlich.

Gewinner gibt es im Wald

Weil die Waldfläche wächst und der Wald naturnaher bewirtschaftet wird, vergrössert sich dort der Bestand vieler Vogelarten. In den Feuchtgebieten, die seit 1850 grossflächig ausgetrocknet worden sind, verharrt die Zahl der Vogelarten auf tiefem Niveau. Am schlechtesten sieht es in der Landwirtschaft aus: «Da sehen wir grosse Rückgänge vieler Arten. Sie werden aus unserem Land verdrängt», sagt Rey. Dazu gehören beispielsweise Braunkehlchen, Neuntöter und Feldlerche.

Der Grund ist die intensive Landwirtschaft mit ihrem hohen Dünger- und Pestizideinsatz. Der Dünger führt zu eintönigen Fettwiesen, die schnell gemäht werden, weshalb keine Zeit für die Vogelaufzucht bleibt.

Zudem verdrängt der Löwenzahn andere Pflanzenarten. Und Pestizide töten nicht nur Pflanzenschädlinge, was zu Insektenschwund und Nahrungsmangel der Vögel führt. In den Siedlungen sind die Steinwüsten in Privatgärten, exotische Gewächse und hoher Chemieeinsatz ein Problem nicht nur für die Vögel.

Die Schweiz hat die längsten roten Listen der OECD-Länder. Die für die Biodiversität wichtigen Trockenwiesen gehen verloren, so wie Auen und Moore. Dabei hängt unser aller Wohlergehen von der Natur und ihrem Artenreichtum ab, wie Florian Altermatt vom Wasserforschungsinstitut Eawag erklärt, der die vor zwei Monaten ins Leben gerufene Forschungsinitiative «Blue Green Biodiversity» leitet.

Gut funktionierende Ökosysteme sind auf eine hohe Artenvielfalt angewiesen, und der Mensch ist im natürlichen System ein integraler Teil. Sauberes Wasser, Nahrung und Dienstleistungen, zum Beispiel der Bienen, sind Lebens­grundlagen. Wie auch das Glücksgefühl, wenn man durch eine abwechslungsreiche Landschaft ­wandert. Das haben in der Corona­krise einige gespürt.

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Autor

Bruno Knellwolf

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