Zürich

«Ich habe gezittert»: «Platzspitzbaby» Michelle Halbheer konnte den Film nur mit Pausen schauen

Michelle Halbheer: Eine Kindheit voller Angst, Gewalt und Liebe

«Ich liebe sie über alles»: Michelle Halbheer sprach in der Sendung TalkTäglich über die Beziehung zu ihrer Mutter.

Im Kino läuft der Film «Platzspitzbaby», der die Geschichte eines Mädchens mit drogenabhängiger Mutter erzählt. Inspiration war das gleichnamige Buch von Michelle Halbheer. In der Sendung TalkTäglich spricht sie darüber, wie es war, den Film zum ersten Mal zu sehen, und über ihre heutige Beziehung zu ihrer Mutter.

Sie hätte sich gewünscht, sie wäre ihrer Mutter weggenommen worden damals. «Es hätte mir geholfen, meine Kindheit leben zu können, und meiner Mutter, sich um sich selbst zu kümmern. Und dann eine freundschaftliche Mutter-Tochter-Beziehung aufbauen zu können – was uns jetzt leider verwehrt blieb», sagt Michelle Halbheer, heute 34 Jahre alt, in der Sendung TalkTäglich bei Tele Züri. 

Damals, das waren die 90er-Jahre, Michelle Halbheers Mutter rutschte in die Drogen ab, verkehrte in der offenen Drogenszene am Zürcher Platzspitz. Die Behörden liessen das Mädchen bei ihrer Mutter, holten sie nicht aus ihrer Not. «Ich sei das beste Mittel, um meiner Mutter zu helfen – diesen Satz habe ich 1:1 gehört», sagt sie heute.

Michelle Halbheer hat ihre Kindheit in einem Buch verarbeitet, das als Inspiration für den Film «Platzspitzbaby» diente, der Mitte Januar in die Kinos kam. Auf ihrer Website schreibt Halbheer dazu: «Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass der Spielfilm nochmals dazu beiträgt, dass noch mehr Kinder und Jugendliche in Not gesehen und gehört werden.»

«Zu viele Gefühle kamen hoch»

Als sie selbst den Film ein erstes Mal sah, war das noch vor der Premiere in den Räumlichkeiten der Produktionsfirma «C-Films» in Zürich. Und dort gab es zum Glück die Möglichkeit einer Pausetaste. «Es war mir nicht möglich, den Film auf einmal zu schauen, zu viele Gefühle kamen hoch», erzählt Michelle Halbheer. «Ich begann zu zittern und musste an die frische Luft.»

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Als ihr Buch 2015 erschien, brach der Kontakt zur Mutter ab. Michelle Halbheer hat das akzeptiert: «Ich wüsste auch nicht, wie ich damit umgehen könnte, wenn ich sie wäre. Und ich finde es wichtig, dass sie diese Grenze gezogen hat.»

Auch Michelle Halbheer ist zwiegespalten. «Ich liebe mein Mami über alles, aber ich komme damit, was die Drogen aus ihr gemacht haben, nicht klar.» (smo)

Sehen Sie hier die Sendung TalkTäglich mit Michelle Halbheer in voller Länge:

Platzspitzbaby

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