Wenn früher jemand einen faulen Spruch machte, hörten diesen die Kumpane am Stammtisch. Heute werden Sprüche mit Bildern unterlegt und im Netz geteilt. Das nennt sich Meme und kann millionenfach geteilt werden, wodurch der ursprüngliche Absender zum Star wird. Zeki Bulgurcu, der in einem Meme Spreitenbach mit der Bronx verglich und dadurch indirekt eine Massenschlägerei zwischen jungen Spreitenbachern und Dietikern auslöste, hat mehr als 700'000 Abonnenten auf der Social-Media-Plattform Instagram. Für ihn ist das längst mehr als ein Hobby. Er hat eine Anstellung als Social-Media-Manager beim Privatfernsehsender 3 Plus.

Doch was ist überhaupt ein Meme? Das englische Wort wird «Mim» ausgesprochen und stammt aus den Siebzigern, also aus einer Zeit, als noch kaum jemand einen Computer besass und das WWW noch gar nicht erfunden war. Heute wird darunter meist ein Bild verstanden, über dem ein humorvoller Spruch in fetten weissen Buchstaben prangt. Lustig kann etwa die Kombination der Worte mit einem Gesichtsausdruck im Foto sein – etwa wenn eine scheinbar mürrisch dreinblickende Katze sagt: «Ich hatte einmal Spass. Es war schrecklich.» Grumpy Cat, die missmutige Katze, hat auf Instagram 2,4 Millionen Abonnenten.

Der Erfinder des Wortes «Meme», der Biologe Richard Dawkins, hatte aber nicht an herzige Katzen gedacht. Er verwendete den Begriff für menschliche Verhaltensweisen oder Ideen, die imitiert werden und sich dadurch verbreiten – das Wort leitete er von «Mimesis», griechisch für «Nachahmung», ab. Beispiele könnten etwa ein Modetrend wie lange Bärte, eine Idee wie der Veganismus oder ein Wort wie «Doppeladler» sein. Dawkins zog dabei den Vergleich zu Genen, die vererbt werden. Dank Mutationen kann dabei eine Kopie erfolgreicher als das Original sein. Dieser Mechanismus führt im Sinne von Dawkins zu komplexen Phänomenen in der menschlichen Kultur. Der Aspekt des Kopierens findet sich tatsächlich auch bei Internetmemes. Hinsichtlich der entstehenden Komplexität passt der Vergleich dagegen weniger gut.