Corona-Virus

Donald Trumps unmoralisches Angebot für einen möglichen Impfstoff

Ein kleiner Piks, aber danach kann sich das Immunabwehrsystem wirksam gegen einen Erreger wehren.

Ein kleiner Piks, aber danach kann sich das Immunabwehrsystem wirksam gegen einen Erreger wehren.

Das deutsche Biotech-Unternehmen Curevac versprach, sehr schnell einen Covid-19-Impfstoff zu haben. Der US-Präsident bot 1 Milliarde.

Präsident Donald Trump, wie er leibt und lebt. Dass es 12 bis 18 Monate gehe, bis ein Impfstoff verfügbar sei, wollte er nicht glauben. Also trommelte er die Bosse der Pharma und einige andere Experten zusammen. «Ich mag es lieber, wenn es nach einigen Monaten klingt, um ehrlich zu sein», sagte er ihnen. Aber die Experten sahen das anders. Entnervt fragte Trump: «Warum nehmen wir denn nicht einfach einen soliden Grippe-Impfstoff?»

Die Szene sorgte auf der anderen Seite des Atlantiks für einige Erheiterung. Doch letzte Woche gefror manchem das Lachen im Gesicht. Denn am Tisch sass offenbar auch Daniel Menichella (50), damals noch Boss des Tübinger Biotech-Unternehmens Curevac. Seine Firma könne «sehr, sehr schnell» einen Impfstoff gegen Covid-19 präsentieren, soll er gesagt haben. Trump gefiel das so gut, dass er eine Milliarde Dollar geboten habe, für die Firma oder wenigstens für die Exklusivrechte des Impfstoffs in den USA.

Keine Sonderrechte für Trump und die USA

Diese höchst unappetitliche Offerte sorgte in Deutschland für einige Bewegung. Die Bundespolitik rief den Heimatschutz aus, die regionalen Politiker hatten schon immer nur das Wohl der Industrie im Auge gehabt. Und Dan Menichella war seinen Chefposten los. Die Gründe dafür waren bestenfalls ausweichend. Ironischerweise soll Dietmar Hopp, in deutschen Fussballstadien von den Fans als «Hurensohn», der mit seinem Geld den Sport kaputtmache, beschimpft, dessen Investorengesellschaft Dievini 80 Prozent von Curevac gehört, der Offerte eine deutliche Absage erteilt haben. «Keine Option», sei das gewesen. Wie man mit einem wie Trump weitermachen will, ist hoffentlich eine Frage, die sich nicht mehr lange stellt. Dieses Verhältnis lässt sich nicht mehr retten.

Donald Trump war mit seinem Angebot bereit, Risiken einzugehen.

Donald Trump war mit seinem Angebot bereit, Risiken einzugehen.

Und wenn Trump doch recht gehabt hätte?

Eines ist sicher: Trump versteht weniger als nichts von Molekularbiologie. Aber offenbar war er in Sachen Curevac bereit, einige Risiken auf sich zu nehmen. Kann das Unternehmen das Versprechen von Menichella ein­halten und in nützlicher Frist einen Impfstoff präsentieren? Das Unternehmen verlässt sich auf jeden Fall auf eine sehr moderne Technologie.

Das Prinzip des Impfens besteht darin, dass man der körpereigenen Immunabwehr behilflich ist, fremde Gensubstanz eindeutig zu erkennen und zu vernichten. Das Sars-CoV-2 sucht sich den Menschen als neuen Wirt, und die Impfung versucht, den Menschen für das Virus als Wirt ungeeignet zu machen. Das Virus soll keine Chance haben, in menschliche Zellen einzudringen und sich dort zu vermehren.

Dieses Ziel verfolgen auch antivirale Medikamente. Sie müssen allerdings das Problem lösen, dass Viren leicht mutieren und sehr schnell Resistenzen gegen Wirkstoffe entwickeln können. Deshalb muss das Virus auf verschiedenen Stufen bei seiner Replikation gestört werden. Gegen die meisten Viren wird deshalb ein Cocktail von verschiedenen Wirkstoffen kombiniert eingesetzt.

Unterscheiden ist wichtig: Was ist ein Pathogen?

Das menschliche Immunsystem soll Pathogene (Krankheitserreger) fernhalten. Und zwar solche, die bereits im Körper drin sind. Viren sind mehr oder weniger lange Stücke von Erbinformation. Corona-Viren haben noch eine Proteinhülle drum­herum. Die Viren versuchen mit ihren molekularen Hilfsmitteln, sich an Zellen des Wirts festzusetzen und die Zellmembran aufzuschneiden, um ins Zell­innere zu gelangen.

«Infektion» bedeutet, dass fremdes Material im Körper ist. Das ruft die Immunabwehr auf den Plan. Sie reagiert auf bestimmte Moleküle des Eindringlings, sogenannte «Antigene», und löst dann die vorgesehenen Massnahmen aus. Ein gut trainiertes Immunsystem bildet Antikörper auf ein Antigen. Das sind im Prinzip die Zielfernrohre, welche es der Immunabwehr ermöglichen, Eindringlinge zu identifizieren.

Die meisten Impfungen machen sich dieses Prinzip zu­nutze. Sie gaukeln dem Organismus eine Infektion vor und bringen ihn dazu, Antikörper zu bilden und damit eine körpereigene Abwehr zu installieren, die sich gegen Angreifer wehren kann.

In den Pionierzeiten eines Pasteur oder Koch verwendete man abgeschwächte Erreger, welche die Immunabwehr auslösen, den Patienten aber nicht töten sollten. Später sah man, dass auch «totes» Virenmaterial als Antigen dienen konnte.

Curevac macht sich zunutze, wie die Zelle bei der Replikation arbeitet. Sie arbeitet mit sogenannter Messenger- oder Boten-RNA (mRNA), das sind von der Viren-RNA kopierte Gen­sequenzen, welche die Synthese eines Proteins auslösen. Man injiziert mRNA, welche dann im Körper ein Antigen oder gleich einen Antikörper synthetisiert. Wir kennen den atomaren Bauplan der Andocksysteme von Sars-CoV-2. «Wir können dem Körper die Informationen bereitstellen, die er braucht, um gegen das Virus zu kämpfen», sagt Mariola Fotin-Mleczek, Chief Technology Officer bei Curevac. Ein grosser Vorteil der mRNA-Technologie ist, dass es keine grossen Mengen an Impfstoff braucht, wie das sonst der Fall ist.

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