Wir beschweren uns über zu wenig Zeit und über zu viel Arbeit und Stress. Dieser Zeitmangel und die damit einhergehende stete Überforderung führen dazu, dass wir Online-Therapien der Psycho-Couch vorziehen. Nun geht es sogar noch effizienter: In Stockholm hat ein Taxiunternehmen drei Psychologen engagiert, die man ohne Aufpreis zur Fahrt dazubuchen kann.

Zum Psychologen zu gehen, sei für viele ein grosser Schritt, sagt Mia Fahlén, eine der drei Fachpersonen der Taxi-Therapie. Natürlich sind 15 Minuten in einem Taxi nichts im Vergleich zu 10 bis 20 Sitzungen à 60 Minuten bei einer herkömmlichen Therapie. Doch auch wenn der Weg kurz sei, könne sie dem Fahrgast Ratschläge geben oder ihm eine längere Therapie empfehlen. Ausserdem sei ein erster, wichtiger Schritt schon getan, wenn jemand sein Problem in Worte fassen könne.

Kunden haben Gesprächsbedarf

Die Rückbank-Therapie war vorerst aber nur eine Marketing-Aktion des grössten Taxiunternehmens der schwedischen Hauptstadt – dem es in erster Linie natürlich nicht um das Wohlbefinden der Bevölkerung geht, sondern um seine Wettbewerbsfähigkeit. Denn auf dem umkämpften schwedischen Taximarkt müssen sich die Konkurrenten mit originellen Einfällen behaupten. Dazu mischt der US-amerikanische Fahrdienst-Vermittler Uber die Branche auf. Auf die Marketing-Idee kam Taxi Stockholm, weil ihre Fahrer vom Gesprächsbedarf ihrer Kunden erzählten. Die bei ihnen etwa von Jobproblemen oder Liebeskummer klagten. «Viele Leute brauchen jemanden zum Reden und öffnen sich ihnen», sagte deren Sprecherin. Zudem hatte eine Umfrage unter Fahrgästen bestätigt, dass die Taxifahrt eine gute Gelegenheit zum Nachdenken sei.

Laut Fahlén sind etwa unglückliche Singles oder gestresste Grossstadtbewohner die Zielgruppe. Ob der Service der mobilen Therapie in Schweden und in anderen Ländern konstant eingeführt wird, bleibt noch offen.

Vielleicht wollen Fahrgäste auch keine profesionellen Therapeuten, sondern lieber begabte Laien: die Taxifahrer selber. Ihnen schütten wir unser Herz ohnehin schon aus. Weil es anonym ist und spontan. Und weil wir eben manchmal nur jemanden wollen, der zuhört, dem man dabei nicht in die Augen blicken muss und der das ganze intime, manchmal peinliche Gedöns mit dem nächsten Gast gleich wieder vergisst. Jemand, der das Problem vielleicht gar nicht kommentiert? Ja, manchmal wollen wir doch nur ein gutes Gespräch oder gar einen Monolog halten – ganz unprofessionell.