52. Skimarathon

Auf der Loipe an der Technik feilen und im Spa erholen: Besuch im Langlauf-Camp in Celerina

Am 8. März findet zum 52. Mal der Engadin Skimarathon von Maloja bis S-chanf statt. Für ehrgeizige Läufer wird in Cerelina nun eine Trainingswoche angeboten. Neben einem tollen Erlebnis erhält man dort auch wertvolle taktische Tipps.

Es ist eiskalt und ich liege auf dem Boden. Mein Hintern schmerzt. Stöhnend bringe ich das Durcheinander meiner Langlaufski in Ordnung und rapple mich mithilfe des Skistocks hoch. «Weiter geht’s», ruft mir meine Langlauflauflehrerin Carine Heuberger aufmunternd zu. Also dann. Mit dem linken Bein abstossen, auf dem rechten gleiten, Stockeinsatz, mit dem rechten Bein abstossen, auf dem linken gleiten.

«Schon besser», kommentiert Carine meine noch recht wackligen Bemühungen im Skating-Stil. Verbesserungspotenzial gibt es noch allerhand: Tiefer in die Knie, höher mit der Hüfte, dynamischer abstossen, länger gleiten, mit dem Oberkörper schön aufrecht bleiben, nicht mit den Armen fuchteln. Puh. Atmen nicht vergessen.

Warum Langlaufen lange als öde Seniorenbeschäftigung abgestempelt wurde, ist mir ein Rätsel. Die fünf Trainingstage in Celerina im Engadin waren eine echte Herausforderung. Was bei Dario Cologna bubieinfach aussieht, ist in Wahrheit wirklich schwer – und wirklich anstrengend. Neben der richtigen Technik braucht es auch eine gute Kondition und Taktik, damit einem nach fünf Kilometer nicht schon die Puste ausgeht. Der hohe Spassfaktor machte jedoch alle Strapazen wett. In der Stille durch die verschneite Engadiner Landschaft zu gleiten, frische Bergluft einzuatmen und dabei einen neuen Sport zu erlernen war einfach sensationell. Danach im Hotel in der Sauna zu fläzen ebenso.

Von der Langlauflehrerin zu Höchstleistungen getrimmt

Die rund zehn Stunden Langlaufunterricht und fünf Übernachtungen mit Vollpension waren Teil des Angebots «Premium Langlauf Hit» für 2610 Franken, das vor kurzem vom Vier-Sterne-Hotel Cresta Palace lanciert wurde – unter anderem weil Hoteldirektor Kai Ulrich vor einer Weile selbst vom Langlauffieber gepackt wurde. Partner ist das Langlaufzentrum Celerina, das vom ehemaligen Herren-Nationaltrainer und mehrfachem Schweizermeister im Staffellauf Curdin Kasper geführt wird. Das Angebot richtet sich primär an jene, die am 8. März den Engadiner Skimarathon in Angriff nehmen wollen.

Gebucht hatte es zu Beginn noch niemand, weshalb ich statt in einer Gruppe alleine unterrichtet wurde. Dadurch ging leider das Gruppenerlebnis verloren, dafür konnte ich unter den strengen Augen von Carine Heuberger, die nationale Wettkämpfe im klassischen-Stil bestreitet, enorm viel lernen. Ihre vielen Tipps werde ich gut brauchen können: Dank erfolgreicher Überzeugungsarbeit eines Freundes werde im März auch ich unter den über 10000 Läuferinnen und Läufern sein. Eine blutige Anfängerin bin ich zum Glück nicht, richtig sattelfest allerdings auch nicht. Meine Selbsteinschätzung: Koordinativ nicht ganz unfähig, konditionell momentan eine Pfeife, mental dafür umso ausdauernder.

Auf wunderschönen Touren die Wettkampfstrecke inspiziert

Der Fitnesstest mit Laktatmessung am Montagmorgen in Pontresina nahm mir ein bisschen den Bammel. So schlecht steht es um meine Ausdauer nicht. Zu schwach sind aber wie befürchtet meine Arme. Auch zeigte die medizinische Untersuchung, dass ich in Sachen Ernährung und Vitaminzufuhr noch einiges verbessern könnte. Gesundheitscoach Mirko Colombo, der wie so viele in dieser Region aus Italien stammt, erklärte mir, wie lange und bei welcher Herzfrequenz ich trainieren soll, damit ich meine Leistung verbessern kann. Ob ich mich durchringen werde, ein Pulsband zu kaufen, weiss ich noch nicht – Fitnessgadgets sind nicht so mein Ding. Wer sein Training gerne auf diese Weise überprüft, kann aber sicher von den Erkenntnissen profitieren.

© CH Media

Auf den Fitnesstest folgten sagenhafte Stunden auf dem riesigen Loipennetz im Engadin. Insgesamt fuhren wir fast die ganze Marathonstrecke von Maloja bis S-chanf ab. An einem Tag ging es auf einer weiten Ebene am Waldrand entlang und an den kleinen Dörfern La Punt, Madulain und Zuoz vorbei. An einem anderen Tag führte uns die Loipe zum Silvaplanasee und bis nach Sils. Am letzten Tag dann das Highlight: Bei der wohlverdienten Abfahrt durch den verschneiten Wald bei St. Moritz sprang uns tatsächlich ein Reh über den Weg. «Balance halten», rief mir meine Langlauflehrerin dabei mahnend zu. Einfach ist das Bergabfahren nämlich nicht. Auf den schmalen Langlaufski ist man deutlich instabiler als auf den alpinen Ski. Einen Sturz konnte ich zum Glück verhindern – und fuhr vorsichtig im Stemmbogen weiter.

Die Touren waren wunderschön, darüber hinaus konnte man schon mal die Wettkampfstrecke inspizieren. Wie muss man seine Kräfte einteilen? Welche Steigungen und Kurven sind besonders tückisch? An welchen Stellen muss man seine Stöcke eng an den Ski halten, damit sie in der Menschenmasse nicht zertrampelt werden? Solche Tipps dürften besonders für ehrgeizige Läuferinnen und Läufer interessant sein.

Anstrengendes Training in schönster Engadiner Bergkulisse: Lanlaufunterricht in Celerina

Anstrengendes Training in schönster Engadiner Bergkulisse: Lanlaufunterricht in Celerina

Im Dampfbad von der Anstrengung erholt

Viel Zeit und Energie, um die Berggegend rund um das Skigebiet Corviglia/Marguns auszukundschaften, blieb nach den schweisstreibenden Langlaufstunden nicht übrig. Dafür konnte man sich im edlen «Vita Pura» Spa des Hotels in der Sauna entspannen, eine Sportmassage gönnen und im Dampfbad schwitzen, bis die Fingerkuppen runzlig wurden. Auch in kulinarischer Hinsicht war der Aufenthalt spitze.

Das grosse Frühstücksbuffet bot alles, was das Herz begehrt, von Eierspeisen über Lachs bis zu Nutella-Waffeln. Auch die üppigen Fünfgangmenüs am Abend – zu denen man nach dem Langlaufen und Wellnessen meist angenehm schläfrig ging – enttäuschten nicht. Entsprechend gediegen war im Grand Restaurant des Hotels das Ambiente. Wer es lockerer mag, sucht sich daher besser ein Angebot in einer tieferen Preiskategorie.

Gereicht hat die Energie ab und zu für einen Spaziergang durch das herzige Dörfchen Celerina (auf Romanisch Schlarigna), das neben dem eher protzigen Nachbardorf St. Moritz noch seinen Charme bewahrt hat. In den Hotelinformationen erfuhr man zudem, woher es seinen Namen hat. 1139 kaufte Konrad der Erste von Biberegg und Bischof von Chur einen grossen Teil des Oberengadins, wo er seine Zehnten eintrieb. Dazu liess er in Celerina einen Keller anlegen (Celler = Keller), wo er Fleisch, das anfiel, lagerte.

Alles in allem waren die fünf Tage im Oberengadin herrlich. Und lehrreich – ein weiteres Mal umgefallen bin ich nicht. Der 8. März kann kommen.

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