Auszeichnung

40'000 Schweizer leben mit Hepatitis C – nun wurden die Entdecker mit dem Nobelpreis ausgezeichnet

Harvey J, Alter, Michael Houghton und Charles M. Rice, Nobepreisträger für Medizin 2020

Harvey J, Alter, Michael Houghton und Charles M. Rice, Nobepreisträger für Medizin 2020

Drei Wissenschafter werden für die Erforschung von Hepatitis C mit dem Nobelpreis geehrt. Auch in der Schweiz leben viele mit dem Virus. Acht Fragen und Antworten.

Am Montag wurde bekannt gegeben, dass der Amerikaner Harvey J. Alter (1935), der Brite Michael Houghton (1949) und der Amerikaner Charles M. Rice (1952) im Dezember dieses Jahres mit dem Nobelpreis für Medizin und Physiologie ausgezeichnet werden. Sie haben massgeblich dazu beigetragen, dass man dem Erreger von Hepatitis C auf die Spur kam. Ein Virus, das über das Blut übertragen wird und die Leber angreift. Harvey J. Alter entwickelte Tests, welche die Hepatitis-­Erreger in Blutkonserven nachweisen konnten. Der Virologe ­Michael Houghton war dabei, als man in den 1980er-Jahren das Hepatitis-C-Virus erstmals isolieren konnte. Und Charles M. Rice produzierte den ersten infektiösen HCV-Klon. Dank dieser Entdeckungen gibt es heute Bluttests, mit denen Blutspenden auf den Erreger untersucht werden. Dies hat in vielen Regionen der Erde die durch Bluttransfusionen übertragenen chronischen Leberentzündungen praktisch ausgerottet, schreibt das Nobelkomitee.

1 Was richtet das Virus im Körper an?

Bei den meisten wird die Infektion chronisch und greift die Leber an. Bei 25 Prozent entwickelt sich ohne Behandlung eine Leberzirrhose (Vernarbung der Leber). Eine chronische Hepatitis C ist darum auch der häufigste Grund für eine Lebertransplantation. Zudem haben die Betroffenen ein erhöhtes Risiko für Leberkrebs.

2 Wie kann man sich anstecken?

Das Virus wird übers Blut übertragen. Gefährdet sind Drogenkonsumenten, die Spritzen austauschen. Auch beim Stechen von Tattoos und Piercing oder beim gemeinsamen Benutzen von Rasierklingen und Zahnbürsten kann es zu Ansteckungen kommen. Eher selten ist die Infektion durch Geschlechtsverkehr. Übertragung von der Mutter auf Neugeborene kommt vor. Früher war die Infektion durch Bluttransfusionen häufig.

3 Welches sind die Symptome von Hepatitis C?

Hepatitis C wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO auch als «stille Epidemie» beschrieben, weil sie in der Regel ohne spezifische Symptome verläuft. Und oft jahrelang unentdeckt bleibt. Wenn überhaupt, dann leiden Infizierte an grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Appetitlosigkeit und Bauchschmerzen. Seltener tritt eine Gelbfärbung der Haut und der Augen auf. Das häufigste Symptom einer chronischen Hepatitis C ist Müdigkeit, die Betroffene sehr stark einschränken kann. Wegen der fehlenden spezifischen Symp­tome weiss nur ein Teil der Betroffenen von der Infektion.

4 Kann Hepatitis C geheilt werden?

Wird die Krankheit früh genug diagnostiziert, ist sie in den allermeisten Fällen mit antiviralen Medikamenten innerhalb von wenigen Wochen heilbar und die Leber kann sich weitgehend erholen. An einem Impfstoff wird geforscht.

5 Ist Hepatitis C ein Problem in der Schweiz?

Laut dem Verein Hepatitis Schweiz leben hierzulande 40000 Menschen mit der Krankheit. 200 Personen sterben jedes Jahr daran. Ein Drittel der Betroffenen weiss jedoch nichts von der Infektion. Da die Ansteckungen früher häufiger waren, tragen Personen, die vor 1992 eine Blutkonserve erhalten haben, ein erhöhtes Risiko, an Hepatitis C zu erkranken. Auch Einwanderer aus dem europäischen Mittelmeerraum – insbesondere Italiener – gehören in der Schweiz zu den besonders betroffenen Gruppen.

6 Wie ist die Lage weltweit?

Im Jahr 2015 waren geschätzte 71 Millionen Menschen chronisch mit Hepatitis C infiziert. In Europa sind südliche Länder wie Spanien, Italien und Griechenland stärker betroffen als Skandinavien und Mitteleuropa. Besonders viele Infizierte hat Russland, wo Heroinsucht ein grosses Problem ist. Häufig ist das Virus auch in der Mongolei und in Pakistan. Eine der höchsten Quoten hat zudem Ägypten. Dort waren ab den 1950-ern, noch vor der Entdeckung des Hepatitis-C-Virus, bei der Bekämpfung einer Wurmerkrankung viele Menschen durch ungenügend sterilisierte Spritzen infiziert worden.

© CH Media

7 Wie kann man sich testen lassen?

Ein Hepatitis-C-Test ist unkompliziert und kann bei jeder Hausärztin durchgeführt werden. Eine Liste der Teststellen und weitere Informationen findet man auf: www.hep-check.ch. Eine einmalige Infektion schützt nicht vor weiteren Ansteckungen.

8 Wie unterscheidet sich Hepatitis C von anderen Hepatitis-Typen?

Es sind fünf Typen von Hepatitisviren bekannt. Eine Infektion mit Hepatitis A verläuft meist harmlos. Todesfälle gehen fast immer auf Hepatitis B oder C zurück. Am häufigsten ist Hepatitis B, dagegen gibt es aber eine Impfung. Diese schützt gleichzeitig gegen Hepatitis D, da diese Krankheit nur zusammen mit Hepatitis B auftritt. Hepatitis E wird über Lebensmittel oder Trinkwasser übertragen, meist heilt die Infektion aber ohne Behandlung aus.

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