Glosse
Salzkorn: Wer Wind sät...

Silvan Lüchinger
Merken
Drucken
Teilen

Illustration: Corinne Bromundt

«Wer Wind sät, wird Sturm ernten.» Das mag zu Zeiten des Alten Testaments so gewesen sein.

Heutzutage braucht es dafür bedeutend weniger. Oft reicht es schon, eine eigene Meinung zu vertreten. Zu jenen, die das gerade erleben, gehören die Verfechter strengerer Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus.

In Kommentaren auf Internetforen, in direkten Mails und Zuschriften brandet ihnen oft nicht nur Sturm, sondern blanker Hass entgegen.

Nicht selten untermalt mit Drohungen, die auch wenig sensible Gemüter das Fürchten lehren könnten.

Weil angesichts der steigenden Fallzahlen weitere Einschränkungen zu erwarten sind, dürften auch Anzahl und Intensität der Wutausbrüche noch anschwellen. Auch wenn es gemessen an der Gesamtbevölkerung nur wenige sind, die jegliche Selbstkontrolle verlieren – harmlos sind sie deswegen nicht.

Denn das Phänomen lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen: Wenn man den wahren Feind nicht ergreifen kann, wird wenigstens dem Überbringer der schlechten Botschaft der Kopf abgeschlagen.