«Auf ein Wort»-Kolumne
Wein wurde früher in der ... hergestellt

In seiner aktuellen Kolumne erklärt unser Mundartexperte Niklaus Bigler, was eine Trotte ist und woher das Wort kommt.

Niklaus Bigler
Niklaus Bigler
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In der alten Trotte beim Kloster Fahr wird kein Wein mehr produziert, stattdessen ist sie heute ein Hofladen.

In der alten Trotte beim Kloster Fahr wird kein Wein mehr produziert, stattdessen ist sie heute ein Hofladen.

Bild: hck

Am Berg, wo ich aufgewachsen bin, gibt es einen Trottenweg. Die Trotte, ein grosser, gemauerter Bau, steht aber längst nicht mehr, und die einstigen Rebberge sind überbaut.

Die Trotte als Weinpresse findet man nur noch in den Museen; sie hatte einen mächtigen Eichenbalken (Trottbaum, 10 Meter lang oder mehr) zwischen vertikalen Stützpfosten (Trottstud); zum Pressen drehte man die Schruube oder Trottspindle.

In der deutschen Schweiz gibt es zwei weitere Bezeichnungen für die alte Weinpresse, Trüel, Triel am Westrand (Bern, Wallis) und Torggel im Osten. Beide Ausdrücke gehen auf lateinisch torculum (Kelter, von torquēre, drehen) zurück, das eine über altfranzösisch truil, das andere über althochdeutsch torkul.

Auch die Kelter beruht auf einem lateinischen Wort, calcatura (von calcare, stampfen); das erinnert an die frühere Verarbeitung der Trauben mit den Füssen. Wo heute noch oder wieder Wein angebaut wird, braucht man hydraulische Pressen, und die heissen einfach Präss, Press. Aber sogar das ist eine Entlehnung; sie basiert letztlich auf spätlateinisch pressōrium.

Als einziges deutsches Wort in diesem Weinbaukontext erweist sich unsere westalemannische Trotte, althochdeutsch trota. Das dazugehörige Verb trotōn (keltern) ist mit treten verwandt; wir werden also wieder an die alten Winzermethoden erinnert.

Früher sollen an vielen Orten die Trauben so hart gewesen sein, dass man sie mit dem Flegel verarbeiten musste. Wenn dann einzelne Beeren herumschwirrten, seien ringsum die Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Ja, wie sauer der eigene Wein auch war, nur der vom Nachbardorf kam in der Beurteilung schlecht weg.

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (idiotikon.ch).

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