Whatsapp ist der Messenger-King schlechthin: Über eine Milliarde Menschen nutzen die App weltweit. Auch Ärzte chatten damit – und zwar nicht nur privat. 

Whatsapp wird im Gesundheitsbereich auch dienstlich eingesetzt. Etwa um bei einem Kollegen eine Zweitmeinung einzuholen, wichtige Informationen schnell weiterzugeben oder um Therapiemöglichkeiten zu diskutieren.

Wie verbreitet Messenger-Apps im Spitalwesen sind, zeigt eine Studie der britischen National Health Services. Über ein Drittel der vom staatlichen Gesundheitsdienst befragten Spitalärzte gab an, Nachrichten-Apps für den Austausch von Gesundheitsdaten zu nutzen. Sie würden Kollegen beispielsweise Fotos von Wunden oder Röntgenbilder für eine Zweitmeinung schicken.

Auch Schweizer Ärzte und Pflegefachkräfte nutzen die App mit dem grünen Telefon-Logo. Alfred Angerer, Professor am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie, hat sich vertieft mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen befasst und eine Studie mit Titel «Digital Health – die Zukunft des Schweizer Gesundheitswesens» mitverfasst.

Er sagt: «Natürlich tauschen sich auch einige Schweizer Ärzte auf Messaging-Diensten wie Whatsapp über Patienten aus.» Das mache durchaus Sinn: «Der Fax oder der Postweg sind veraltet und unpraktisch. Die Digitalisierung vereinfacht Vieles.» Angerer rät aber aus Datenschutzgründen davon ab, Whatsapp als Arzt auch im Berufsalltag anzuwenden. 

Sorgenkind der Datenschützer 

Gedanken rund um die Vertraulichkeit der Daten machte sich auch eine Spitex-Organisation aus dem Kanton Zürich, die sich zur Klärung an Datenschützer Bruno Baeriswyl wandte. Seine Antwort fiel klar aus: «Wir haben der Organisation klar davon abgeraten, Whatsapp zur Kommunikation zu nutzen.»

Ein Arzt müsse gewährleisten können, dass die Patientendaten vertraulich bleiben. Der Einsatz von Whatsapp sei aber immer mit Risiken verbunden, da die Server des Unternehmens ausserhalb der Schweiz liegen. Es sei unsicher, was dort mit den Daten geschehe. Baeriswyl: «Im Gesundheitsbereich ist das besonders heikel.»

 
Whatsapp habe mit dem letzten Update aber einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. In der neuesten Version der App sind die Nachrichten automatisch so verschlüsselt, dass nur der Empfänger sie wieder entschlüsseln und die Inhalte sehen kann. Wenn nun zwei Ärzte einen Fall per Whatsapp-Chat besprechen und beide die neueste Version der App nutzen, dann ist der Inhalt geschützt.

In diesem Falle sei die Kommunikation über die beliebte Chat-App weniger verwerflich, sagt Baeriswyl. Das Problem: «Meistens weiss man ja nicht, ob der Empfänger auch regelmässig Updates macht.»

Auch mit der doppelten Verschlüsselung ist fraglich, wie sicher die Patientendaten tatsächlich sind. Erst im Januar haben Forscher eine neue Sicherheitslücke bei der Verschlüsselung bei Gruppenchats entdeckt. Theoretisch wäre es dadurch möglich, Mitglieder ohne Einladung und Kenntnis des Gruppenadministrators in eine Gruppe zu bringen, schreibt die Zeitung «Handelsblatt». Damit wäre die Kommunikation innerhalb des Gruppenchats offen für einen Eindringling.

Keines der angefragten Spitäler wollte auf Anfrage Kenntnis davon haben, dass das Personal in der internen Kommunikation auf Apps wie Whatsapp zurückgreift. Beim Kantonsspital St.Gallen ist der Austausch von Patientendaten nur über geschützte Kommunikationswege wie dem gesicherten Mail-System erlaubt. Sprecher Philipp Lutz fasst zusammen: «Ganz ausschliessen, dass trotzdem in Einzelfällen Daten auch ‹ungeschützt› zum Beispiel via Whatsapp ausgetauscht werden, kann aber wohl niemand im Gesundheitswesen.»

Unbestritten ist: Chat-Apps können Pflegepersonal und Ärzte im Arbeitsalltag unterstützen. Um dabei den Schutz sensibler Daten zu gewähren, setzten mehrere Schweizer Gesundheits-Akteure auf spezialisierte Nachrichten-Apps. Beim Kantonsspital Zug, dem Kinderspital Zürich und der Spitex Zürich Limmat komme dazu die App des Schweizer Unternehmens Qnnect zum Einsatz, schreibt die Online-Plattform medinside. Auch die Solothurner Spitäler testen momentan zwei Anbieter für einen eigenen Messenger-Service, der die interne Kommunikation ergänzen soll. 

Die Schweizer Ärzteorganisation FMH empfiehlt seinen Mitgliedern, vertrauliche medizinische Informationen nur über sichere Verbindungen oder in verschlüsselten Dokumenten auszutauschen. Ansonsten sei es äusserst wichtig, Patienten-Initialen, Geburtsdatum, Beruf und Wohnort wegzulassen oder abzuändern. Fotos von Patienten hätten auf dem privaten Handy ausserdem nichts zu suchen.