Das Gesundheitsmagazin «CheckUp» stellt den Musikspiegel vor.

TV-Sender CH Media

Forschungsprojekt
Er spendet Trost und baut Stress ab: Der Musikspiegel ist für Menschen mit Demenz und Pflegende ein Segen

Klänge, die ein Mensch mit positiven Erinnerungen verknüpft, können bei Demenzbetroffenen depressive Zustände verringern und die Gemütslage verbessern. Das zeigt eine Studie der Uni Zürich. Auch die Pflegenden profitieren vom Einsatz eines Musikspiegels.

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Menschen mit Demenz leiden oft unter starken Stimmungsschwankungen. Die Universität Zürich hat in einer Studie herausgefunden, dass Musik helfen kann, dunkle Gedanken aufzuhellen. Dazu braucht es bestimmte Klänge – solche, die an schöne Erlebnisse geknüpft sind.

Der sogenannte Musikspiegel spielte in der Studie eine zentrale Rolle. Die Methode stammt von einer britischen Musikpädagogin. Dabei werden positive Erinnerungen von Demenzbetroffenen in deren eigenen Worten festgehalten und mit Geräuschen oder Musik kombiniert, die mit den entsprechenden Lebensepisoden zusammenhängen.

Das Kirchengeläut aus dem Dorf zaubert ein Lächeln hervor

Die Universität hat die Studie mit mehreren Praxispartnern durchgeführt. Einer von ihnen ist das Pflegezentrum Reusspark in Niederwil, Kanton Aargau. Dort ist der Musikspiegel ein wichtiges Arbeitsinstrument geworden. Im Beitrag des Gesundheitsmagazins «CheckUp» der TV-Sender von CH Media (Video oben) zeigt sich eindrücklich, was der Musikspiegel bei einer demenzkranken Bewohnerin bewirkt. Das Glockenspiel der Kirche erkennt sie sofort als jenes aus ihrem Dorf. «Da bin ich her», sagt sie erfreut.

Oft bewegt die Musik die Pflegebedürftigen dazu, Geschichten zu erzählen oder mitzusingen. Man habe dank des Musikspiegels auch schon auf die Abgabe von Medikamenten verzichten können, sagt Patrick Lanz, Pflegefachmann im Reusspark.

Warum reagieren Menschen so gut auf Musik, die mit ihrer Biografie verbunden ist? Studienleiterin Sandra Oppikofer erklärt: «Das musikalische Gedächtnis ist sehr lange intakt. Diese Ressource kann man nutzen.»

Musikspiegel hilft auch den Pflegenden

Der Musikspiegel wird immer zu zweit angewendet. Er funktioniert also nicht als blosse Playlist mit den eigenen Lieblingsliedern. Das Erstellen ist zeitintensiv. Susanne Baumgartner, Wohnbereichsleiterin im Reusspark, spricht von zwei Stunden, die man pro Bewohner braucht. Der Einsatz lohnt sich aber, und zwar nicht nur für die Pflegebedürftigen: Die Studie zeigt, dass sich auch die Grundstimmung von Betreuungs- und Pflegepersonen verbesserte und das akute Stressempfinden sank. (mwa)

Gesundheitsmagazin CheckUp jeden Montagabend auf den Regional-TV-Sendern von CH Media. Zu CH Media gehört auch dieses Newsportal.


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