Innovation
Die Pizza kommt bald per Luftpost: Googles Drohnen-Projekt

Google und Amazon entwickeln Roboter-Drohnen zur Paketzustellung. Laut Experten keine abstruse Science-Fiction-Spinnerei, sondern ein zukunftsträchtiger Ansatz, der der Logistikbranche Sorgen bereiten dürfte.

Julian Witschi
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Google testet eine Drohne, die künftig auch schwerere Pakete per Luftweg zu den Kunden bringen soll.

Google testet eine Drohne, die künftig auch schwerere Pakete per Luftweg zu den Kunden bringen soll.

AP Photo/Google

Ob man es sich heute vorstellen kann oder nicht: Eine Zukunft mit Tausenden Boten-Drohnen in der Luft kann nicht mehr als blosse Science-Fiction-Spinnerei von milliardenschweren Internet-Nerds abgetan werden. Dies zumindest legen Forschungsanstrengungen der beiden Internet-Giganten Google und Amazon nahe.

Noch sind zwar viele Fragen völlig offen. Kann sich etwa die Einzel-Zustellung aus der Luft wirtschaftlich rechnen? Wie sollen neue Regeln zur Steuerung des automatisierten Verkehrs am Himmel aussehen? Was ist mit Risiken durch mögliche Abstürze, Zusammenstösse oder einfach nur elektromagnetische Störungen durch die kleinen Flugobjekte?

Wie kann man die Lufttransporte gegen Diebstahl oder gar Sabotage schützen?

Es werde Jahre dauern, bis die technischen und rechtlichen Probleme gelöst sind, räumen die beteiligten Unternehmen Google und Amazon ein. Doch die Durchschlagkraft der beiden Giganten sollte wohl nicht unterschätzt werden.

Geschwindigkeit entscheidend

«Wir denken, dass Geschwindigkeit entscheidend ist, um das Konsumverhalten von Menschen grundlegend zu verändern», sagte Google-X-Chef Astro Teller der «Berliner Zeitung». Aus seinen Laboren stammten Projekte wie die Datenbrille Google Glass oder die riesigen Ballons des «Project Loon», die Internet in entlegene Gebiete bringen sollen.

Google-Mitgründer Sergey Brin war eine treibende Kraft hinter dem Drohnen-Projekt, sagte Teller der Website «The Atlantic». Schon als Amazon im Dezember überraschend sein Drohnen-Projekt vorstellte, fiel der Unterschied zwischen der Skepsis in den Medien und der konzentrierten Aufmerksamkeit in betroffenen Branchen auf.

Die Deutsche Post testete auf einmal vor ihrer Bonner Zentrale, wie sich per Drohne Medikamente aus einer Apotheke zustellen lassen. Die amerikanische Pizza-Kette Domino’s zeigte schon vorher, dass sich Pizza mit einem «DomiCopter» liefern liesse. Und ein New Yorker filmte, wie sich sein Hund von einer Drohne ausführen lässt.

Natürlich ist es deutlich einfacher, die Drohnen – wie jetzt im Fall von Google – über einem leeren Acker im weitläufigen Queensland in Australien ihre Runden drehen zu lassen, als im dicht besiedelten New Yorker Stadtteil Queens. Aber die Beteiligten zeigen sich überzeugt, dass alle Hindernisse überwunden werden können.

«Drone Valley» als Testgebiet

Zunächst solle in einer kleinen Stadt gezeigt werden, dass das System funktioniere und sicher sei, sagte Teller der «Berliner Zeitung». Die Überlegung sei, das Warensortiment dann Schritt um Schritt auszuweiten.

Der bekannte Internet-Investor Marc Andreessen regte bereits ein «Drone Valley» an. Konkret: Eine US-Region solle die Bestimmungen für Drohnen-Flüge drastisch lockern, damit sie dort ausgiebig getestet werden könnten.

Die Drohnen-Euphorie fällt ohnehin in eine Zeit, in der etablierte Logistik-Wege von neuen Herausforderern aus der Internet-Welt aufgemischt werden. So bewerteten Investoren den Fahrdienst Uber jüngst mit 17 Milliarden Dollar (rund 15,5 Milliarden Franken) nicht nur so gigantisch hoch, weil er die Taxi-Branche umkrempeln kann. Vielmehr wird Uber zugetraut, seine Plattform auch auf die Logistik auszuweiten.

«Wenn sie ein Auto in 5 Minuten an einen bestimmten Ort liefern können, können sie alles dorthin liefern», sagt Uber-Chef Travis Kalanick. Seine Firma testet in Kalifornien das Angebot UberFresh, bei dem frisches Essen binnen 10 Minuten geliefert wird. Und in San Francisco vermittelt die Firma Postmates frei nach dem Uber-Prinzip Kurierdienste durch jedermann über eine Online-Plattform.

Ernst zu nehmen

«Die Logistikbranche sollte die Programme zur Paketzustellung per Drohne von Google und Amazon sehr ernst nehmen», sagt Professor Peter Russo, Leiter des Instituts für Transformationen in Wirtschaft und Gesellschaft an der European Business School.

Etablierte, konventionelle Logistikunternehmen seien zu sehr auf die Optimierung ihrer bisherigen Geschäftsmodelle fixiert, sagt der Experte. Sie sollten aber eher darüber nachdenken, wie das Geschäft mit neuen, innovativen Technologien grundsätzlich deutlich effizienter organisiert werden könnte.

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