Foodblog Ostbröckli
Glace selber machen: Liebe auf den ersten Versuch

Es tönt verlockend: Wie der Lieblingsitaliener selber Gelati produzieren. Also wird die Küche zum Glacelabor. Ein Versuch mit Happy End, aber erst nach mehreren Durchläufen.

Text: Diana Hagmann-Bula, Bilder: Andri Vöhringer
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Glace kühlt bei Hitze und wärmt bei Regen, zwar nicht den Körper, aber das Herz. Glace lindert Bienenstiche und schlechte Tage. Glace verstärkt Schmetterlinge im Bauch. Hunderttausende von ersten Treffen hat sie schon verromantisiert und daraus Liebe gemacht. Der Coup Tête a Tête hat wohl auch deshalb bis heute und sogar Corona überlebt, jedenfalls dort wo hipsterige kreative Glacebuden noch nicht alle traditionellen Anbieter verdrängt haben. Glace ist schön anzusehen. Da steht man vor der Vitrine und sieht sich an all den Farben satt. Bunter als der Regenbogen! Kein Wunder zählt Instagram unter dem Hashtag icecreamlover 1,4 Millionen Einträge.

Glace ist ein kleines Glück und erst noch ein ziemlich bezahlbares. An den ersten Frühlingstagen überfällt es uns dennoch mit grosser Wucht.

Wie lange der Winter doch gedauert hat und wie sehr man dieser ersten Kugel vom Lieblingsgelatiere entgegen gehofft hat. Abends nicht unter die Dusche, nur damit der Geruch nach Zucker und Wärme auf dem Gesicht mit ins Bett kommt.

Am Strand in Italien und mit einer Portion Nocciola in der Hand ist dieses Glück sehr klassisch. Wählt man die über 60jährige Rakete, ist es überaus verlässlich. Nur manchmal fordert Glace heraus. Etwa wenn man zwei Kugeln Schokolade bestellt, aber vergessen hat, dass man ein weisses Kleid trägt. Und dann sind da noch abenteuerliche Geschmacksrichtungen. Trüffel und Schlumpf, muss das sein?

Glace zum Frühstück - ein Menschenrecht!

Unter dem Strich verbessert Glace dennoch immer die Laune. Ein paar Löffel Stracciatella verwandelt mürrische Erwachsene in schleckende, schlabbernde Geniesser und damit fast schon in unbeschwerte Kinder. Sommer im Bauch, Sommer im Kopf. Würden alle Menschen jede Woche davon naschen, die Welt wäre eine bessere. Zumindest ein bisschen.

5,4 Liter Glace schlecken die Schweizerinnen und Schweizer pro Jahr. Es liegt zwar keine Familienstatistik vor, aber das Bauchgefühl sagt: Wir liegen deutlich darüber. Unser Kleiner würde Glace zum Frühstück als Menschenrecht verankern, wenn er könnte. Gut, ist er zu jung für politisches Engagement. Trotzdem ist letzten Sommer eine Eismaschine bei uns eingezogen. Eine mit Kompressor. Die Testsiegerin. Rakete, Pralinato und Cornet sind lecker, irgendwann ist gerade überfleissigen Glaceessern nach anderem. Nach Gasparini, das es leider nicht an jeder Ecke gibt. Und nach Selbstgemachtem, ohne Geschmacksverstärker, ohne Zusatzstoffe.

Staubfänger Glacemaschine

Es war Liebe auf den ersten Versuch. Nach etwas weniger als einer Stunde schmiegte sich Nussglace fast schon elegant ins Schüsselchen. Keine Eiskristalle, keine zu flüssige Sauce, sondern das perfekte Dazwischen, die Nüsse noch immer knusprig. Und das, ohne viel mehr dazubeigetragen zu haben, ausser die Zutaten zu mischen (und die Bedienungsanleitung genau zu lesen). Der Besuch fragte anerkennend: Wirklich selber gemacht?

Fünf Wochenenden ging das süsse, unbeschwerte Glaceleben so weiter. Dann meinten die Kinder: Dauert zu lange. Rakete, jetzt! Der Mann sagte: zu gross und zu schwer, dieses 12-Kilo-Ding.

Die logische Folge: Der Koloss hatte immer weniger zu tun und verstaubte auf der Küchenablage, dann wanderte er in den Keller und ging dort vergessen. Seit diesem Frühling wohnt er nun bei einem anderen Menschen, der ihn mir übers Internet abgekauft hat.

Doch auch dieses Jahr gibt es selber gemachtes Glace. Ganz ohne Maschine. Wenn die Kinder schlafen, werden Erdbeeren und Mangos gehackt und püriert, mit Wasser und Joghurt oder Rahm gemischt, es werden Vanilleschoten ausgekratzt, Eier mit Milch aufgekocht. Die Masse gefriert über Nacht im Tiefkühler und am nächsten Nachmittag, wenn es heiss und allen nach Glacé ist: Tadaaah!

Die Qual der Wahl

Tönt einfach, ist es nicht. Im Internet wimmelt es von Glacerezepten, in Buchläden von Glacebüchern. Welche Anleitung auswählen? Schwieriger, als sich bei Starbucks seinen Kaffee zusammenzustellen. Bei Glace heissen die Fragen: mit Zucker oder mit Honig? Mit Wasser, Kokosmilch, Rahm oder Joghurt? Mit Stabilisator wie Speisestärke oder ohne? Wir haben getestet und bewertet, neu produziert, wieder getestet und bewertet. So fühlt es sich also an, Glaceforscher zu sein. Frozen Joghurt mit Wassermelone: einstimmiges Nasenrümpfen.

Die Melone hat im Tiefkühler ihren Geschmack verloren, das Joghurt seine Geschmeidigkeit. Es kommt nun als Eisblock daher, den man nur beissend bezwingen kann. Nichts für die Schlecker, welche die Mehrheit der Glaceesser ausmachen.

Die Zusatzstoffe sind also doch berechtigt, denkt man sich. Sie halten das Glace auch über lange Zeit im Gefrierfach weich und garantieren, dass es - einmal draussen an der Sonne - nicht zu rasch schmilzt. Einige unserer Kreationen tauen zuerst lange kaum auf, dann dafür im Eiltempo. Und schon schlängelt sich die Sauce über die Finger bis zum Handgelenk. Der Serviettenvorrat jedenfalls ist aufgebraucht.

Die Grossportion will gerührt sein

Von Orangensaft bis Kokos-Cream: die nötigen Zutaten für die Rezepte.

Von Orangensaft bis Kokos-Cream: die nötigen Zutaten für die Rezepte.

Erdbeer-Wasserglace und Frozen Yoghurt mit Mango schmecken um Welten besser als der Melonenversuch. Doppelt so viele Früchte wie Wasser nehmen, ein paar Löffel Honig dazugeben, mixen. Und wenn Glaceselbermachen noch einfacher gelingen soll, greift man zu Sirup und Fruchtsaft. Sirup (zum Beispiel Holunderblüte) in die Form füllen, ein paar zerquetsche Früchte dazugeben. Oder: Multivitaminsaft mit etwas Schwarztee mischen, einfüllen. Finito, würde der Gelatiere im Süden sagen.

Der letzte Versuch: Vanilleglace mit Oreostückchen. Die Meinung der jungen Testesser: wunderbar. So wunderbar, dass Stengelglace nun nicht mehr genügt und mehr her muss. Also in die Kuchen- oder Auflaufform damit. Und plötzlich ist Glace selber machen nicht mehr so bequem wie mit den simplen, fotogenen Glacepops. Während der vierstündigen Gefrierzeit will die Masse mehrmals Mal gerührt sein, damit sie so geschmeidig endet, dass man sie auch ohne Einsatz von Maschine löffeln und nicht schneiden muss. Deshalb fällt die Glaceproduktion neuerdings auf den Morgen.

Wer schlüpft nachts schon freiwillig aus dem warmen Bett um im kalten Eisfach zu hantieren? Und schon ist der Kleine seinem Traum ein gutes Stück näher: Er produziert nun schliesslich kurz nach dem Frühstück als Assistenzkoch seine Lieblingsspeise mit. Löffel abschlecken und Schüssel ausputzen, jajaja. Sagt er und grinst.

Der Favorit: Vanilleglace mit Guetzlistücken.

Der Favorit: Vanilleglace mit Guetzlistücken.

Manche hätten hier vielleicht lieber von Schokominzeis oder Lavendelhonigglace oder anderen elaborierten Sorten gelesen. Braucht ein erfüllter Sommer heute mehr als die einfachen, beliebten Klassiker? Dasitzen, Zeit haben, in den Tag träumen und in die Sonne blinzeln, die nackten Füsse auf dem warmen Boden oder im Wasser. Immerhin die idealen Rahmenbedingungen für Glaceschmaus sind noch die gleichen. Wie früher, als Vanille und Schokolade genügten zum kleinen grossen Glück. Zur Not liegen noch ein paar Magnum Double Gold im Gefrierfach.

Die Rezepte

Erdbeerwasserglace (6 Stück)

Zutaten: 200 Gramm frische Erdbeeren (oder andere Früchte nach Wahl und Geschmack), 150 ml Wasser, 3 gut gehäufte Esslöffel Honig

Zubereitung: Die Früchte waschen und sie mit dem Wasser und dem Honig in eine Schüssel geben. Alles bei kleiner Stufe pürieren. Die Masse danach durch ein Sieb streichen und sie für eine gute Stunde ruhen lassen. Dann in die Glaceformen geben, mit Holzstängel versehen und gefrieren lassen.

Erdbeerrahmglace (6 Stück)

Zutaten: 300 g Erdbeeren, 250 g Joghurt, 1 dl Rahm, 3-4 Kaffeelöffel Honig, etwas Zitronensaft

Zubereitung: Erdbeeren in kleine Stücke schneiden und mit allen Zutaten mischen. Pürieren. Dann in die Glaceformen geben, mit Holzstängel versehen und vier Stunden gefrieren lassen. Mehrmals rühren, während dieser Zeit. Nach einer Stunde die zerbrochenen Oreo-Kekse unter die Masse mischen.

Multivitaminstengelglace (6 Stück)

Zutaten: 2 dl frisch gepressten Multivitaminsaft, 1,5 dl Schwarztee, 2 EL Honig

Zubereitung: Den Schwarztee zubereiten und fünf bis sieben Minuten zeihen lassen. Den Honig in den Tee einrühren. Den Orangensaft dazugeben und abkühlen lassen. Anschiessend die kalte Flüssigkeit in die Glaceformen füllen, mit Holzstängel versehen und gefrieren lassen.


Frozen Yoghurt mit Mango, Stengelglace mit Sirup und Heidelbeeren sowie Kokosstengelglace (im Uhrzeigersinn).

Frozen Yoghurt mit Mango, Stengelglace mit Sirup und Heidelbeeren sowie Kokosstengelglace (im Uhrzeigersinn).

Kokosstengelglace (6 Stück)

Zutaten: 80 g Kokosnuss-Cream, 80 g Vanillejoghurt, 50 g Puderzucker, 1 dl Doppelrahm, zwei Handvoll Heidelbeeren, zerstossen

Zubereitung: Kokosnuss-Cream, Joghurt, Zucker und Rahm mixen. Heidelbeeren zerstossen und in die Masse mischen. Masse in die Glaceformen füllen, mit Holzstängel versehen und gefrieren lassen.

Frozen Yoghurt mit Mango am Stengel

Zutaten: 300 g griechisches Joghurt, 100 g Puderzucker, 1 EL Zitronensaft, 1 dl Vollrahm, 1 Mango (ca. 400 g)

Zubereitung: Joghurt, Puderzucker und Zitronensaft in einer Schüssel verrühren. Schlagrahm steif schlagen und darunterziehen. Mango schälen und pürieren. Joghurtmasse und Mangomasse abwechslungsweise in die Glaceformen füllen, mit Holzstängel versehen und gefrieren lassen.

Stengelglace mit Sirup und Heidelbeeren

Zutaten: 6 dl Holunderblütensirup, eine Handvoll Heidelbeeren

Zubereitung: Heidelbeeren klein schneiden. Sirup in die Glaceformen füllen, ein paar Fruchtstücke reingeben, mit Holzstängel versehen und gefrieren lassen.

Vanilleglace mit Oreo

Zutaten: 2 Vanillestängel, 5 dl Halbrahm, 2 frische Eier, 120 g Zucker, Oreo-Kekse

Zubereitung: Vanillestängel längs halbieren und die Samen auskratzen. Die Samen mit Rahm, Eiern und Zucker in eine Pfanne geben, mit dem Schwingbesen verrühren und bei mittlerer Hitze bis kurz vors Kochen bringen. Die Pfanne von der Platte ziehen und zwei Minuten weiterrühren. Die Creme durch ein Sieb streichen und auskühlen lassen. Die abgekühlte Masse in eine Kuchen- oder Auflaufform geben und gefrieren lassen.

Tipp 1: Wer keine Glaceformen hat, kann stattdessen Joghurtbecher verwenden

Tipp 2: Aus verschiedenfarbigen Früchten Wasserglace zubereiten. Ein Drittel der Form zum Beispiel mit Erdbeerwasserglace füllen, gefrieren lassen. Nächstes Drittel mit Mangowasserglace füllen, gefrieren lassen. Letztes Drittel mit Heidelbeerwasserglace füllen, gefrieren lassen. Ergibt: Regenbogenglace.

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