Schlauheit
Es kommt nicht auf die Grösse an – auch nicht beim Hirn

Forscher haben herausgefunden, dass Männer trotz ihres grösseren Gehirns nicht intelligenter als Frauen sind.

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Forscher haben herausgefunden, dass Männer trotz ihres grösseren Gehirns nicht intelligenter als Frauen sind. (Archivbild)

Forscher haben herausgefunden, dass Männer trotz ihres grösseren Gehirns nicht intelligenter als Frauen sind. (Archivbild)

Keystone

Ein grosses Gehirn garantiert nicht unbedingt höhere Intelligenz. Das ist das Urteil eines internationalen Forscherteams, das Studiendaten von über 8000 Testpersonen analysiert hat. Sie fanden nur einen schwachen Zusammenhang zwischen Gehirngrösse und Intelligenzquotient (IQ).

Dies berichten die Forscher um Jakob Pietschnig von der Universität Wien im Fachjournal «Neuroscience and Biobehaviorial Reviews». Lange Zeit war man davon ausgegangen, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Gehirngrösse und der intellektuellen Leistung gibt. «Doch dieser wurde bis dato überschätzt», sagte der Psychologe zur Nachrichtenagentur APA.

Die Analyse der Resultate von 88 Studien mit insgesamt mehr als 8000 Testpersonen zeigte, dass die Grösse des Gehirns für Leistungen bei IQ-Tests nur eine untergeordnete Rolle spielt. Entscheidend ist nach Angaben der Wissenschafter vielmehr die Struktur des Gehirns – also der Aufbau von Kortex, Mittelhirn, Kleinhirn und so weiter. Viel wichtiger als die Menge der «kleinen grauen Zellen» ist laut Pietschnig, dass weisse und graue Gehirnmasse optimal zusammenhängen.

Grösse ist «kognitive Reserve»

Die Bedeutung der Struktur des Gehirns zeigt der Vergleich mit anderen Arten auf: Ginge es rein nach der Grösse, müsste der Pottwal mit einem bis zu neun Kilogramm schweren Gehirn die Intelligenzbestie schlechthin sein. Aber auch im Verhältnis zur durchschnittlichen Körpermasse der jeweiligen Tierart betrachtet, ergibt sich kein realistisches Bild: Da liegt die Spitzmaus ganz vorne, deren Gehirn etwa vier Prozent des Körpergewichts ausmacht – also deutlich mehr als der Mensch, dessen rund 1,5 Kilogramm schweres Gehirn im Schnitt etwa zwei Prozent des Körpergewichts auf die Waage bringt.

Pietschnig zeigt auch andere Faktoren auf, die einen starken Einfluss von Gehirnvolumen und Intelligenz infrage stellen: So haben etwa Männer im Schnitt grössere Gehirne als Frauen. Keine Geschlechtsunterschiede gibt es aber bei den kognitiven Fähigkeiten.

Der in der Studie festgestellte schwache Zusammenhang zwischen Gehirngrösse und IQ-Testleistung wird von den Wissenschaftern eher als «kognitive Reserve» interpretiert. Pietschnig: «Wenn gewisse Hirnareale nur suboptimal funktionieren, kann man offenbar auf diese Reservekapazität im Sinne von Hardware zurückgreifen.»

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