NAmenstag
Gedenken an einen frühen Boten des Glaubens

Am 8. Januar feiert die Katholische Kirche den Tag des heiligen Erhards von Regensburg. Auch in der Zentralschweiz finden sich mehrere Zeugnisse für die Verehrung des eifrigen Wanderbischofs.

Andreas Faessler
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Prominent steht der hl. Erhard als Kirchenpatron im Hochaltar der Barockkirche von Tuggen SZ. In der Gestalt eines Bischofs mit Evangelienbuch.

Prominent steht der hl. Erhard als Kirchenpatron im Hochaltar der Barockkirche von Tuggen SZ. In der Gestalt eines Bischofs mit Evangelienbuch.

Bild: Stefan Kaiser (5. Januar 2021)

Wer ein Augenleiden hat, sucht den Rat der heiligen Ottilia, Patronin der Blinden und Augenkranken. Für Betroffene ist die Wallfahrtskapelle St.Ottilien bei Buttisholz ein regionales Zentrum ihrer Verehrung. Menschen pilgern hierher, um die Heilige um Linderung ihres Augenleidens zu bitten und den Segen zu empfangen.

Ottilias Verehrung steht eng im Zusammenhang mit einem weiteren bekannten Namen aus der Reihe der katholischen Heiligen: Bischof Erhard von Regensburg soll die blind geborene Ottilia im Alter von zwölf Jahren getauft haben, wodurch sie auf wundersame Weise ihr Augenlicht erlangte. So wird auch der hl.Erhard, dessen Namenstag die Katholische Kirche am 8. Januar feiert, unter anderem als Schutzherr der Augenkranken verehrt.

Missionar aus Leidenschaft

Mitte 7. Jahrhundert vermutlich in Südfrankreich geboren, soll der biografisch nur lückenhaft und auf Überlieferungen basierend erfasste Erhard Bischof in der Stadt Narbonne gewesen sein. Dass er laut einigen Berichten ursprünglich aus Schottland gekommen sein soll, wird aus heutiger Sicht angezweifelt. Erhard flüchtete – womöglich wegen der Bedrohung durch die von Nordafrika herkommenden Sarazenen – ins Elsass, wo er sich als wandernder Bischof in den Dienst der Menschen stellte, ihnen eifrig das Evangelium verkündete und mehrere Kirchen- und Klostergründungen verantwortete. Im Zuge dessen traf er denn auch auf die blinde Ottilia und heilte sie durch das Sakrament der Taufe. Dieses Wunder wird in einigen Überlieferungen dahin gehend geschildert, dass Bischof Erhard durch einen Engel zu Ottilia geführt worden sei.

Gegen das Jahr 690 trat Erhard in den Dienst der bayrischen Agilolfinger-Herzöge, welche ihre Hauptresidenz in Regenburg hatten. Auch hier wirkte Erhard unermüdlich missionierend: Das noch junge Christentum wollte er in Bayern als einer der frühesten Boten des Glaubens festigen und zur Blüte bringen. Aus dieser Zeit sind mehrere Berichte über Erhards Wundertätigkeit überliefert. Sein genaues Sterbedatum ist nicht bekannt, es wird die Zeitspanne von 710 bis 720 genannt, in welche das Todesjahr fällt. Seine Grablege befindet sich in der Niedermünsterkirche in Regensburg. Es sollen sich an seiner Ruhestätte mehrere Gebetserhörungen ereignet haben.

Der hl.Erhard in der Zentralschweiz

Erhards Heiligsprechung erfolgte im Jahre 1052 durch Papst Leo IX. Seine Verehrung konzentrierte sich vorerst hauptsächlich auf Regensburg und das Elsass, wo er als Wanderbischof so viel bewirkt hatte. Ab dem 14. Jahrhundert entstanden auch ausserhalb Bayerns und des Elsass Erhards-Wallfahrten und -Patrozinien, etwa in Österreich und in der Zentralschweiz. So verdankt St.Erhard in der Gemeinde Knutwil – von den Einheimischen «Teret» genannt – seinen Namen dem Regensburger Bischof, entsprechend ist ihm die dortige Kapelle geweiht. Weiteres Zeugnis einer Erhard-Verehrung in der Region ist die Kirche auf dem Urnerboden. Bereits die erste hier um 1600 erbaute Kapelle stand unter dem Schutz Erhards. Und schliesslich ist noch die Pfarrkirche St.Erhard und Viktor im schwyzerischen Tuggen anzuführen. Ihre Vorgängerbauten waren Maria, Katharina und Viktor geweiht. Im 17. Jahrhundert hat man den hl.Viktor beibehalten und ihm den hl.Erhard zur Seite gestellt.

Der Bischof mit Ottilias Augen

Als figürliche Darstellung ist der hl.Erhard meist nicht auf Anhieb zu erkennen: Er erscheint wie zahlreiche andere männliche Heilige der Katholischen Kirche als Bischof mit Bischofsstab und Buch in der Hand. Häufig liegen auf dem Buch zwei Augen, welche der hl.Ottilia gehören. An diesen ist der Bischof schliesslich als St.Erhard auszumachen.

Neben seinem Schutzmandat für Augenleidende wacht der hl.Erhard unter anderem auch über die Schuhmacher und Schmiede, er hilft zudem bei Kopfweh und wird als Spitalpatron verehrt. In einigen ländlichen Regionen ist er Schutzherr der Bauern und des Viehs. Geht es nach einer alten Bauernregel, so endet die Weihnachtszeit nicht mit Maria Lichtmess, sondern mit dem Erhardstag.