«Die Maske ist eine besondere Schwierigkeit für Gehörlose»: Pfarrerin Martina Tapernoux hat in Weinfelden für Gehörlose gepredigt

Am Sonntag hat in der evangelische Kirche Weinfelden ein Gottesdienst für Gehörlose stattgefunden. Nebst Gebädendolmetscher für die Pfarrerin hat ein Gehörlosengospelchor Lieder in Gebärde übersetzt. Es war ein Gottesdienst der anderen Art.

Deborah Hugentobler
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Gospel in Gebärde: Diese Sängerinnen übersetzen Lieder für Gehörlose.

Gospel in Gebärde: Diese Sängerinnen übersetzen Lieder für Gehörlose.

Bild: Andrea Stalder (Weinfelden, 13. Dezember, 2020)

Am Sonntag stand am Rednerpult in der evangelischen Kirche Weinfelden nicht nur Pfarrerin Martina Tapernoux, sondern auch ein Gebärdendolmetscher. Es war ein etwas anderer Gottesdienst, denn das evangelische Pfarramt für Gehörlose hat ihre Weihnachtsfeier durchgeführt. Jeden Monat veranstaltet die Evangelische Gehörlosengemeinde Ostschweiz einen Gottesdienst für Gehörlose, Schwerhörige, andere Menschen mit einer Hörschädigung und ihre Angehörigen. Zwei Mal im Jahr auch im Thurgau.

«Ein Gehörlosengottesdienst unterscheidet sich nicht stark von dem für Hörende», sagt Pfarrerin Martina Tapernoux, die seit drei Jahren in der Gehörlosengemeinde tätig ist und noch immer die Gebärdensprache lernt. Es werde gesprochen und gebärdet. Meist werde der Gottesdienst von einem Dolmetscher in die Gebärdensprache übersetzt. Ausserdem achte sie darauf, kürzere und einfachere Sätze zu verwenden. Zusätzlich projiziere ein Beamer Texte auf die Leinwand.

Der Dolmetscher übersetzt die Predigt von Pfarrerin Martina Tapernoux.

Der Dolmetscher übersetzt die Predigt von Pfarrerin Martina Tapernoux.

Bild: Andrea Stalder

Wichtig bei jedem Gottesdienst sei die korrekte Beleuchtung, damit die Besucherinnen und Besucher von den Lippen ablesen können. Auch die musikalische Begleitung dürfe nicht fehlen. «In den Gottesdiensten singt jeweils eine Sängerin oder ein Sänger, und der Gebärden-Gospelchor übersetzt den Text des Liedes in Gebärden», sagt Tapernoux.

Aufgrund der aktuellen Massnahmen bewegen die Chormitglieder jedoch ausschliesslich ihre Hände und nicht wie üblich auch ihren Mund. «Gehörlosigkeit ist eine besonders schwierige Beeinträchtigung. Unter vielen Menschen ist es für die Gehörlosen schwer, alles zu verstehen. Oft fühlen sie sich ausgeschlossen», sagt sie.

Martina Tapernoux, Pfarrerin Gehörlosengemeinde Ostschweiz.

Martina Tapernoux, Pfarrerin Gehörlosengemeinde Ostschweiz.

Bild: PD
«Wegen der Maske können Gehörlose nicht mehr Lippenlesen.»

Die Maskenpflicht ist eine besondere Herausforderung

Die jetzige Situation stelle eine weitere Herausforderung dar, da die Gehörlosen durch die Maskenpflicht keine Lippen mehr ablesen können. Umso wichtiger sei deshalb das Pfarramt für Gehörlose. «Die Gemeinde ist ein Ort, an dem sie so akzeptiert werden, wie sie sind. Ein Ort, an dem sie sich einfach wie alle anderen fühlen können.» Derzeit zähle die Gehörlosengemeinde 200 Mitglieder aus St. Gallen, Appenzell, Glarus, Thurgau und Graubünden.

Der Zusammenhalt der Gemeinde sei sehr stark. «Viele kennen sich bereits seit ihrer Kindheit und unternehmen auch privat gemeinsame Aktivitäten», sagt Pfarrerin Martina Tapernoux.

So sieht der Gottesdienst für Gehörlose aus: Nebst Pfarrerin ist auch ein Gebärdendolmetscher anwesend.

So sieht der Gottesdienst für Gehörlose aus: Nebst Pfarrerin ist auch ein Gebärdendolmetscher anwesend.

Bild: Andrea Stalder

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