Jugendsprache
Deutsche küren Jugendwort – wieso wir keines haben

«Läuft bei dir» ist das deutsche neue «cool». In der Schweiz wird kein Jugendwort des Jahres gekürt. Schade, findet ein rennommierter Schweizer Autor.

Mark Walther
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«Läuft bei dir». Das deutsche Jugendwort des Jahres ist heuer ein ganzer Satz. Im jugendlichen Sprachgebrauch steht er für cool, krass, du hast es voll drauf. Das hat der Langenscheidt-Verlag am Montag in München bekanntgegeben.

«Läuft bei dir» verdrängte «Gönn dir!» als Ausdruck für «Viel Spass dabei!» und «Hayvan» als türkisches Wort für Tier auf die Plätze zwei und drei. Während diese Ausdrücke bei den deutschen Teenagern Kultstatus geniessen, kennt man sie in der Schweiz kaum. Ein eigenes Jugendwort haben wir aber nicht. Nicht mehr.

Seit «shaz» 2012 als Kurzform für Schatz gekürt wurde, gab es kein Schweizer Jugendwort mehr. Den Grund dafür erklärt Ursula Schubiger, Produzentin bei SRF3 und Jury-Präsidentin des Schweizer «Wort des Jahres»: «Wir bekamen fast keine Vorschläge. Und als Jury mit älteren Mitgliedern sind wir zu weit weg von den Jugendlichen und ihrer Sprache.»

In der Jury sitzen dieses Jahr neben Schubiger die Autoren Bänz Friedli, Martin Suter und Pedro Lenz, die Poetry-Slam-Schweizermeisterin Hazel Brugger und Daniel Quaderer, der zum Wort des Jahres ein Buch geschrieben hat.

Es brauche ein Schweizer Jugendwort, sagt Mundartschriftsteller Lenz. «So wie sich Schweizerdeutsch vom Hochdeutschen unterscheidet, sind auch die Jugendsprachen anders.» Es wäre auch eine Anerkennung für die Jugendlichen, die innovativer und spielerischer mit der Sprache umgingen als Erwachsene.

Die Jury, die ein solches Wort küren würde, sollte sich laut Lenz denn auch aus sprachaffinen jungen Menschen zusammensetzen: «Aus Poetry Slammern, Rappern und Germanistik-Studenten etwa.»

Mundartschriftsteller Pedro Lenz.

Mundartschriftsteller Pedro Lenz.

Keystone

Der Autor von «Der Goalie bin ig» interessiert sich sehr für die Sprache der Jugendlichen. «Häufig ist zu beobachten», so Lenz, «dass die Jungen einen Ausdruck prägen, der dann ins Sprachrepertoire der Allgemeinheit übergeht.» Dann verliere er aber den Status des Coolen und die Jugendlichen suchten sich ein neues Wort.

«Wenn sich ein Jugendwort geradezu aufdrängen würde, könnten wir es auch küren», erklärt Schubiger. Das sei dieses Jahr aber nicht der Fall. Neben dem Wort des Jahres ernennt ihre Jury das Unwort und den Satz des Jahres. Am 3. Dezember wird die Wahl 2014 bekannt gegeben. Hunderte Vorschläge wurden eingereicht, die die Jury nun sichtet. Unter den Favoriten für das Wort des Jahres befindet sich laut Schubiger «Nacktselfie», für das Unwort des Jahres ist der verregnete «Sommer» hoch im Kurs.

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