Lärmbelästigung
Der Blick auf die Natur wirkt wie ein Schalldämpfer – beim Fluglärm aber nicht

Wer im grünen lebt und Blick auf die Natur geniesst, leidet gesundheitlich weniger an den Lärmbelästigungen. Das gilt allerdings nicht für den Fluglärm wie Forscher der Empa und der Universität Basel herausgefunden haben.

Drucken
Teilen
Flugzeuglärm empfinden wir vor allem im Grünen als störend.

Flugzeuglärm empfinden wir vor allem im Grünen als störend.

Patrick Luethy

Dreiviertel der Menschen in Europa leben in urbanen Gebieten und sind oft geplagt von Lärm durch Autos, Bahn und Flugzeugen sowie von Industrielärm. Diese Belastung führt gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO zu negativen gesundheitlichen Effekten wie Stress und Schlafstörungen und sogar zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

Dagegen haben Forscher der Empa und des «Swiss Tropical and Public Health Institute» der Universität Basel ein Mittel gefunden. Ein Blick aus dem Fenster hinaus ins Grüne kann die Lärmbelästigung erheblich senken. Eine nahe Parkanlage, ein Teich und schon stört uns der Lärm weniger.

Befragung von 5600 Menschen

Grundlage für diese Erkenntnis ist die Sirene-Studie aus dem Jahr 2019, in der 5600 Teilnehmer nach ihrer Lärmbelästigung durch Strassen-, Bahn- und Fluglärm befragt wurden. Diese Informationen wurden mii topografischen Daten von Swisstopo und Daten zu Vegetation und Grünflächen abgeglichen. Dadurch konnte das Team von Studienleiter Beat Schäffer ermitteln, wie sich Naherholungsgebiete auf das Lärmempfinden auswirken. Fazit der Studie: Parks und Grünflächen helfen dabei, das Lärmempfinden durch Strassen- und Zuglärm zu senken. Je näher die Erholungszone zum eigenen Wohnort, umso niedriger die subjektiv empfundene Belästigung.

Im Grünen ist Fluglärm noch schlimmer

Überraschender als diese Erkenntnis ist allerdings, dass das beim Fluglärm nicht stimmt. Bei diesem Lärm nützen die Grünflächen nichts – im Gegenteil. Je mehr Grün, desto gestörter fühlen sich die Bewohner durch den Fluglärm. Das hat nach Schäffer damit zu tun, dass die Menschen dem Fluglärm hilflos ausgeliefert seien und diesem nicht entfliehen könnten, weshalb wir diesen Lärm als störender wahrnehmen. Zweitens fällt uns in einer Stadt der Lärm eines Flugzeugs kaum auf, während wir in einem ruhigen Park viel mehr Notiz davon nehmen.

Aktuelle Nachrichten