Kolumne

«Auf ein Wort»: Heute wissen nur die Wenigsten, dass ein Sturzer von Beruf ein ... ist

Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Die Mundartkolumne von Niklaus Bigler diesmal zur Berufsbezeichnung eines Handwerkers, der nördlich des Mains ganz anders genannt wird als im Süden.

Bei uns heisst er Saniteer (verkürzt aus «Sanitär-Installateur»), und in Österreich sagt man ihm Installatöör. Sein alter Berufsname aber ist Spängler, in Österreich Spengler.

Der Spengler verfertigte und reparierte alles, was mit Blech oder Röhren zu tun hatte, Wasserleitungen, Dachtraufen und Blechgefässe aller Art.

Das Wort ist abgeleitet von Spange – und müsste daher nach der neusten Rechtschreibreform «Spängler» lauten. Spengler galt nur für den Süden des deutschen Sprachgebiets; nördlich des Mains heisst der entsprechende Beruf Klempner (älter Klamperer). Das ist wohl abgeleitet vom Verb klampern (Blech hämmern).

Dieses so norddeutsch anmutende Wort ist im Schweizerdeutschen Wörterbuch als Chlempler für Graubünden belegt; heute wird es jedoch niemand mehr kennen.

Im süddeutschen Sprachraum gibt es noch weitere, eher kleinräumige Bezeichnungen: Flaschner in Schwaben, Blechner am Oberrhein und Hydrauliker im Südtirol. Bei letzterem ist klar, dass dahinter das italienische idraulico (in gleicher Bedeutung) steht; es entstand letztlich aus griechisch hydōr (Wasser) und aulós (Rohr, Flöte).

Der Berufsname Flaschner erinnert daran, dass in deren Werkstätten auch Flaschen aus Blech hergestellt wurden. Das waren nicht etwa nur Bettflaschen, sondern vor allem Pulverflaschen zur Aufbewahrung und Dosierung des Schiesspulvers für die Vorderladergewehre.

Und als Ableitung von Sturz in der Bedeutung ‹Blech, Blechdeckel› gab es bis vor hundert Jahren in der Nordschweiz den Sturzer. Kein Sanitär wird sich daran erinnern, dass seine Vorgänger Sturzer waren.

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