Archäologie
Wie man sich bettet, so liegt man – über das Leben hinaus

Im Gräberfeld von Valsgärde in der Nähe von Uppsala wurden zwei aufwändige Schiffsbestattungen gefunden: Die verstorbenen Krieger ruhten auf Daunen.

Christoph Bopp
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Ein Helm aus der skandinavischen Eisenzeit: Valsgärde Schiffsgrab Nr.5, 7. Jahrhundert.

Ein Helm aus der skandinavischen Eisenzeit: Valsgärde Schiffsgrab Nr.5, 7. Jahrhundert.

wikimedia

Wie man sich bettet, so liegt man – über das Leben hinaus In einem Gräberfeld in der Nähe von Uppsala (Schweden) hat man Schiffbestattungen zweier Krieger gefunden. Sie ruhten auf Daunen. Der «Star» der Schiffsbestattungen in Nordeuropa ist Sutton Hoo in Suffolk, England. Der dort bestattete Mann ruhte in einem 27 Meter langen und 5 Meter breiten Langschiff. Das Grab wurde von Grabräubern verschont oder nicht entdeckt und barg spektakuläre Funde. Die Geschichte der Entdeckung kann auf Netflix in «The Dig» nachverfolgt werden.

Ein Schwertknauf aus einer Schiffsbestattung von Valsgärde.

Ein Schwertknauf aus einer Schiffsbestattung von Valsgärde.

NORWEGIAN UNIVERSITY OF SCIENCE AND TECHNOLOGY

Nun hat man in Valsgärde offenbar «Skandinaviens Antwort auf Sutton Hoo» gefunden, sagte Professorin Birgitta Berglund von der Norwegian University of Science and Technology. Zwei mächtige Krieger wurden in ihren Schiffen bestattet. Rund 10 Meter lang waren die Schiffe, was Platz bietet für vier bis fünf Ruderpaare.

Und auch diese Männer wurden für ihre letzte Reise reich ausgestattet. Waffen, insbesondere prächtige Helme und Schilde, dazu Pferde, die man ausserhalb der Schiffe platzierte, sollten wohl andeuten, dass es auch im Jenseits Ländereien geben könnte, die man zu Fuss nicht leicht erreichen kann. Für das leibliche Wohl war auch gesorgt: Gerätschaften zum Jagen und Kochen fanden sich reichlich unter den Grabbeigaben.

Ein geköpfter Uhu für die letzte Reise

Wozu ein Uhu dienen sollte, dem man den Kopf abgehauen hatte, gibt den Archäologen noch etwas zu denken. Noch mehr Aufsehen erregte aber das Material, auf dem Krieger ruhten. Es dürfte sich um die älteste Daunenbettwäsche handeln, die man bisher in Skandinavien gefunden hat. Die Gräber stammen aus dem 6. bis 7. Jahrhundert. Man weiss von den Griechen und Römern, dass sich damals sehr Reiche den Luxus von Daunen-Bettzeug geleistet haben. Für die sogenannte merowingische Epoche vor der Wikingerzeit in Skandinavien hat man dies aber eher nicht erwartet.

Die altisländische Saga von Erik dem Roten, der Grönland besiedelte und der Vater von Leif ­Erikson war, der in Neufundland landete, erzählte von einer Schamanin, die auf einem Kissen mit Hühnerfedern sass. Diese Sagas wurden allerdings erst um 1300 schriftlich aufgezeichnet, berichten aber von Begebenheiten, die sich weit früher zugetragen haben.

Die Matratzen von Valsgärde waren mit Federn aller Arten von Vögeln gestopft. Nicht nur mit den bekannten Entenfedern (Eiderdaunen) oder Gänsedaunen. Geschichten kursieren in Skandinavien, dass die Federn von Hausgeflügel für die letzte Ruhe nicht geeignet seien, weil sie der Seele den Abschied von der irdischen Existenz nicht erleichterten. Andere empfehlen Gänsefedern für das Gegenteil, den leichten Abschied. Uhu-Federn dürften eine Bedeutung in diesem Zusammenhang haben.

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