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Dank neuen Daten von der Nasa-Sonde: ETH-Forscher korrigieren alten Irrtum um die Beschaffenheit des Mars

Der rote Planet ist nicht gleich aufgebaut wie die Erde. Drei neue Studien aus der Schweiz weisen nach, das die Marsoberfläche chemisch anders zusammengesetzt ist als vermutet.

Simon Maurer
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Der InSight-Roboter der Nasa ist seit November 2018 auf dem Mars.

Der InSight-Roboter der Nasa ist seit November 2018 auf dem Mars.

Bild: Nasa

Was im tiefsten Kern eines Planeten vor sich geht, wissen Geologen nur ungenau. Fast alle bis heute geltenden Annahmen wurden anhand von Beobachtungen des Erdinneren getroffen. Lange blieb Astronomen deshalb nichts anderes übrig, als die Erkenntnisse von der Erde auf andere feste Planeten zu übertragen. Und zu hoffen, dass die Modelle trotzdem nah an der Wirklichkeit sind.

Der Marsroboter InSight hat jetzt aber neue Daten zur Erde geschickt, mit denen Wissenschafter alte Hypothesen korrigieren konnten, wie die ETH Zürich heute an einer Medienkonferenz mitteilte. Mit einem in der Schweiz entwickelten Seismografen mass InSight die Stärke verschiedener Mars-Erdbeben. Die bei den Beben entstehenden Wellen werden je nach Beschaffenheit des Untergrunds abgelenkt, als Folge davon werden verschiedene Wellengeschwindigkeiten gemessen – daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Zusammensetzung des Planetenbodens ziehen.

Die Wissenschafter fanden heraus, dass die Marsoberfläche nur von einer Riesenplatte bedeckt ist und nicht von mehreren Kontinenten. Der Kern des roten Planeten ist ausserdem um etwa zehn Prozent grösser als bisher vermutet. Das hat grosse Auswirkungen auf seine geologische Zusammensetzung. Ein so grosser Kern ist weniger dicht und insgesamt leichter. Im Gegensatz zur Erde hat der Mars nicht einen reinen Eisen-Zink-Kern, sondern einen verschmutzten mit Schwefel-, Kohlenstoff- und Wasseranteilen.

InSight macht ein Selfie auf dem Mars.

InSight macht ein Selfie auf dem Mars.

Bild: Nasa

Die Zusammensetzung der Marsschichten könnte eine Erklärung dafür liefern, wieso der Mars vor vier Milliarden Jahren sein Magnetfeld verlor. Ohne dieses ist Leben auf einem Planeten unwahrscheinlich, denn ein starkes Magnetfeld lenkt die radioaktive Strahlung aus dem All ab, die für DNA-basierte Lebensformen ein Problem ist.

«Wir haben ausserdem entdeckt, dass auf der Marskruste mehr radioaktive Elemente vorkommen», erklärt Studienautor Amir Khan vom Institut der Geophysik. Das Uran und andere Elemente seien aber auf der Marsoberfläche sehr gleichmässig verteilt. Für allfällige Astronauten oder reisewütige Milliardäre sollte dies auf dem Mars deswegen kein zusätzliches medizinisches Problem darstellen.

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