1 Virus – 100 Schicksale
«Infizierte wissen oft nicht, wo sie sich angesteckt haben»: Thomas Götz (58), Kabarettist aus Weinfelden arbeitet als Contact-Tracer

Im Thurgau kennt man ihn als «Napoleon». Seit Beginn der Pandemie fühlt sich Thomas Götz wie auf Sankt Helena, quasi im Kultur-Exil.

Thomas Wunderlin
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Thomas Götz alias «Napoleon» ist Schauspieler und arbeitet als Contact-Tracer.

Thomas Götz alias «Napoleon» ist Schauspieler und arbeitet als Contact-Tracer.

Bild: Andrea Stalder

«Mein grosses Problem: Als Covid-19 gekommen ist, sind sämtliche Veranstaltungen abgesagt worden. Von einem Tag auf den andern. Das Einreichen von Gesuchen für Ausfallentschädigungen ans Kulturamt ist ‹en huere Formularchrieg›. Die Entschädigungen stehen in keinem Verhältnis zum Schaden, der teilweise nur einen Drittel abdeckt. Diese Entschädigungen sind Ende Oktober eingestellt worden. Da im Moment niemand einen Anlass plant, bleibt meine Agenda leer. Ausserdem sind Vorstellungen im Theater auf maximal 50 Zuschauer beschränkt, was ebenfalls eine finanzielle Einbusse bedeutet. Im April haben wir eine Produktion auf Tele D gemacht. Die Zuschauer haben freiwillig einbezahlt, sie waren grosszügig. Persönlich habe ich die Kontakte stark heruntergeschraubt. Jetzt bin ich zu 50 Prozent als Contact-Tracer tätig. Es stimmt für mich. Wir reden mit den Leuten auf den Kontaktlisten, die in Quarantäne müssen. Wie sind sie eingerichtet? Wie kann man sie unterstützen? Infizierte wissen oft nicht, wo sie sich angesteckt haben. Wenn das Contact-Tracing ausläuft, bedeutet das auch, dass wir die Bühne wieder rauffahren könnten.»

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