Neues Album

US-Sänger Gregory Porter:  Wie er nach dem Corona-Tod seines Bruders in der Musik wieder zu Kräften fand

US-Sänger und Komponist Gregory Porter (48).

US-Sänger und Komponist Gregory Porter (48).

Gregory Porters neues Album «All Rise» und ist ein wundervolles Bekenntnis an die Liebe. Er hat darin auch den Tod seiner Geschwister verarbeitet.

Mr. Porter, Ihr Bruder ist im Mai am Coronavirus gestorben. Nur eine Woche später erlag Ihre Schwester einem Brustkrebsleiden. Hilft Ihnen die Musik durch diese schlimmen Zeiten?

Gregory Porter: Sie hilft mir sogar sehr. In meinen Songs trage ich meine Familie immer bei mir. Auf dem neuen Album gibt es das Lied «Thank You» über meinen Bruder. Er meinte immer: «Du wirst mal der beste Sänger der Welt.» Er war so erfrischend grössenwahnsinnig.

Was war Ihnen wichtig bei der Arbeit an Ihrem neuen Album?

Ich singe Blues, Pop, Jazz, Soul und Gospel. Das bleibt mein Stil. In einem Song wie «If Love Is Overrated» setze ich auf eine grandiose Orchester-Produktion mit Streichern und Bläsern. Sogar vor Schmalz schrecke ich nicht zurück. (Lacht).

Viele Songs klingen positiv und aufbauend. Absicht?

Oh ja. Der rote Faden auf dieser Platte ist mein unerschütterlicher Glaube an das Gute und an die Liebe. Es begeistert mich, Lieder zu singen, die dich körperlich und emotional regelrecht aufrichten. Meine Musik ist ein Heilmittel.

Ihre Stimme und Ihre Musik sind wie gemacht für erotische Begegnungen.

Yes. Ich habe nichts gegen Sex. Ohne Sex wären wir alle nicht hier.

In Ihrer aktuellen Single «Mister Holland» thematisieren Sie Rassismus. Wer ist dieser Herr Holland?

«Mister Holland» basiert auf einer wahren Geschichte, die ich jedoch wesentlich verändert habe, damit sie ein positives Ende nimmt. Als Jugendlicher wollte ich ein weisses Mädchen, das ich sehr mochte, zum Tanzen ausführen. Als ihre Eltern herausfanden, dass ich schwarz bin, verboten sie ihr den Kontakt mit mir. In dem Song jedoch reagiert «Mister Holland», der Vater, nicht rassistisch, sondern normal und freundlich. Er sieht mich nicht als Schwarzen, sondern einfach als einen Jungen, der auf seine Tochter steht.

So, wie Sie das schildern, ist es fast schon aussergewöhnlich, wenn ein Weisser einen Nicht-Weissen nicht rassistisch abwertet.

Das ist das Schlimme. Und das macht «Mister Holland» in meinen Augen auch zu einem Protestsong. Ich sage «Danke, dass du kein Rassist bist.» Ich bedanke mich also für etwas, das selbstverständlich sein sollte.

Wie sehr hat die Erfahrung sie damals getroffen?

Sehr. Ich war 17 Jahre alt. Ich habe diese Abweisung als traumatisch empfunden. Puh. Ihr Bruder meinte zu mir, seine Eltern denken, dass ihre Tochter etwas Besonderes sei und deshalb nicht mit einem schwarzen Jungen zusammen sein sollte. Diese Episode hat mich sehr verstört.

Haben Sie in Ihrer Jugend sonst noch Rassismus erfahren?

Natürlich. Wir waren eine von nur zwei schwarzen Familien in einer durch und durch weissen Gegend von Bakersfield. Es gab Leute, die das Baumhaus von meinem Bruder und mir abreissen wollten. Die ein Kreuz bei uns im Garten verbrannten. Die in Bierflaschen pissten und sie uns durchs Fenster warfen.

Sie waren nach seiner Wahl zuversichtlich, Donald Trump werde im Amt dazulernen. Hat er das?

Nein. Er hat sich eingerichtet in seinem Gebaren. Er sieht, dass seine Art nicht unisono zurückgewiesen und verabscheut wird. Das macht ihn glücklich. Mich aber nicht. Seine Führung passt nicht in unsere Zeit. Sie passt in überhaupt keine Zeit. Trump ist ein Heuchler und heizt die rassistische Gewalt noch an. Ihm fehlt die Würde eines wahren Anführers.

Setzen Sie auf Joe Biden?

Ich bin mehr als bereit für ein neues Kapitel. Joe Biden ist keine radikale Figur, er wird keine enormen Veränderungen anstossen. Aber wir brauchen jemanden wie ihn, der Ruhe, Vernunft und eine gewisse Normalität ins Land bringt. Er kann den USA international wieder zu dem Ansehen verhelfen, das Trump verspielt hat. Er kann versöhnen, anstatt zu spalten. Ich freue mich auf einen Präsidenten, der nicht jeden Tag irgendeinen verrückten Quatsch erzählt.

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