Tatort-Kolumne
In der neuen Folge aus Köln muss Kommissar Ballauf in eine Undercover-Rolle schlüpfen, die gar nicht zu ihm passt

Ein verbitterter Gymnasiallehrer, der wegen Missbrauchs einer 14-jährigen Schülerin im Gefängnis sass, will Rache nehmen an jenen, die ihn verurteilten. Doch dem Stück um eine Geiselnahme auf einem Ausflugsschiff fehlt der Fokus.

Susanne Holz
Drucken
«Tatort» aus Köln: «Hubertys Rache»: Sonntag auf SRF 1 um 20.05 Uhr.

«Tatort» aus Köln: «Hubertys Rache»: Sonntag auf SRF 1 um 20.05 Uhr.

Bild: Das Erste

Wut und Frustration sind ein Riesenmotor für Rachegelüste. Insofern könnte der Kölner «Tatort» mit dem Titel «Hubertys Rache» eine Riesennummer sein: fesselnd, mitreissend, leidenschaftlich. Doch solcherlei Faszination mag zwar oft der «Polizeiruf» zu wecken – der «Tatort» hingegen tut sich schwerer damit, weil er sich weniger getraut, auf pures Gefühl und einen einzigen Charakter zu setzen.

Hätte man das in diesem Fall durchgezogen, hätte man ganz auf den verbittert-wütenden ehemaligen Gymnasiallehrer Daniel Huberty (Stephan Kampwirth) gesetzt, der ein Kölner Ausflugsschiff auf dem Rhein mit einer Bombendrohung in Geiselhaft nimmt, dann hätte das ein sehr spannender Krimi und ein ernst zu nehmendes Psychogramm werden können.

Stattdessen muss Kommissar Ballauf (Klaus J. Behrendt) in eine Undercover-Rolle schlüpfen, die ihm nicht besonders steht – man nimmt ihm den Immobilienhai mit der Rolex am Handgelenk, die er vom kleinen Sohn geschenkt bekommen hat (was für eine Geschichte...) nicht ganz ab. Und auch der Junggesellenabschied an Bord ist überflüssig. Christina Grosse wiederum rettet mit ihrer Präsenz, mit der sie seit mehreren Jahren in den verschiedensten «Tatort»-Rollen beeindruckt, so einiges.

Grosse spielt eine Staatsanwältin, die an Bord dieses Ausflugsschiffs ist, das so depressiv anmutet wie die meisten Ausflugsschiffe dieser Welt. Sie, und nicht nur sie, ist im Visier des Lehrers: Neun Jahre zuvor führte sie die Anklage gegen ihn. Huberty kam damals wegen Missbrauchs einer 14-jährigen Schülerin in Haft. Als Zuschauer wartet man auf die Erklärung dieses Charakters, dieses Missbrauchs. Leider umsonst, der Rummel drumherum ist zu gross.

«Tatort» aus Köln: «Hubertys Rache». Sonntag, SRF 1, 20.05 Uhr. Wir geben zwei von fünf Sternen.