Lust und Liebe
Sexspielzeuge aus Automaten boomen

Ob Minivibrator, Fesselspiel oder Travelpussy: Die Nachfrage nach vibrierenden und genoppten Sexspielzeugen aus Automaten ist gross. Vor allem die Männer können nicht genug davon kriegen.

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Sie stehen in Frauen und Männer-Toiletten von Restaurants, Bars, Clubs, Bowlingbahnen oder Autoraststätten: Die Toyboys. Sie funktionieren wie Zigaretten - oder Kondomautomaten: Geld rein, gewünschtes Sexspielzeug anwählen und schon ist Mann beziehungsweise Frau im Besitz eines Vibrators, eines Penisrings oder eines Sex-Würfelspiels.

Das Geschäft mit den Lustobjekten im Kleinformat läuft wie geschmiert, wie Jürg Castelberg von der Firma 9T9 gegenüber aznetz bestätigt.

In der Deutschschweiz sind heute 750 Gastrobetriebe mit den Automaten bestückt. Im nächsten Jahr sollen noch weitere 150 dazukommen. «Dann ist der Standort Deutschweiz ausgeschöpft», so Castelberg. Ob die Firma mit ihren Toyboys in die Westschweiz und ins Tessin expandiert, wird zurzeit noch diskutiert.

Anonymität als Erfolgsrezept

Der Grund für den Erfolg der Sextoy-Automaten sieht der Projektleiter in der Anonymität. «Man muss keinen Sexshop betreten und ein Produkt vor den Augen anderer Kunden auf die Theke legen, sondern kann diskret auf der Toilette ein Produkt kaufen und in die Tasche stecken.» Hinzu komme, dass die Spielzeuge vergleichsweise günstig seien. «Alle Produkte kosten weniger als zehn Franken.»

Das Angebot werde laufend erneuert. «Zwei Mal pro Jahr kreiert unsere Firma neue Produkte, natürlich alle hygienisch geprüft», so Castelberg, der auch schon für Uhrenkönig Nicolas Hayek oder Phonak gearbeitet hat.

Er und seine zwei Geschäftspartener kamen vor vier Jahren auf die Idee mit den Toyboys. «Wir dachten uns, wenn es schon Kondome im Automaten gibt, wieso nicht gleich andere Produkte fürs Liebesspiel anbieten.»

Anfangs musste die Firma noch selbst auf Gastrobetreiber und Clubbesitzer zugehen - heute ist es umgekehrt. Denn auch für Gastrobetriebe lohnt sich der Automat. Zum einen können sie Miete für den Standort einstreichen, zum anderen erhalten sie pro verkauftes Spielzeug einen Franken.

Kundschaft zwischen 30 und 60 Jahre alt

Wer jetzt denkt, dass vor allem 18-Jährige im angeheiterten Zustand und aus Jux die Spielzeuge ausprobieren, irrt. Die Hauptkundschaft ist zwischen 30 und 60 Jahren alt. Dies hätte eine Erhebung der Firma ergeben.

Besonders Gefallen an den Spielzeugen finden laut Castelberg die Männer. «Im Schnitt kaufen mehr Männer unsere Produkte, obwohl es auch Lokale gibt, wo die Frauenquote höher ist als jene der Männer.»

Pro Toyboy stehen jeweils vier verschiedene Produkte zur Auswahl. Der absolute Renner ist laut Castelberg der Minivibrator. Aber auch der Vibratorring und die Travelpussy (künstliche Vagina) seinen ein Hit.

«Wer sich daran stört, ist nur verklemmt»

Entsetzte Reaktionen von Restaurant- oder Clubbesucher gäbe es nur selten: «Einmal hat sich ein Vater beschwert, weil sein kleiner Sohn auf der Toilette unbedingt wissen wollte, was sich in den Automaten befindet. Ein anderes Mal haben zwei Frauen Anzeige erstattet, weil sie sich durch die Sextoys belästigt gefühlt haben.»

Doch weder für Gastrobetreiber noch für die Sittenwacht stellen die Automaten ein Problem dar. Für Castelberg ist klar: «Wer sich an den Sextoys stört, ist einfach nur verklemmt.» (jep)

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